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München - Der BVB befindet sich dank einer Systemumstellung im Aufwind. Der Ausfall von Axel Witsel zwingt Lucien Favre zum Umbau. Und wo ist noch Platz für Mats Hummels?

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Lucien Favre ließ sich einmal mehr nicht in die Karten schauen.

Wie sehr den BVB-Trainer der Ausfall von Axel Witsel schmerzt, wurde dennoch deutlich.

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"Wir können es leider nicht ändern", sagte der Schweizer über Witsel, der bei einem häuslichen Unfall Gesichtsverletzungen erlitten hatte und bis Jahresende ausfällt. "Das ist schade für uns, wir hoffen nur, er ist schnell wieder da."

Gegen Slavia Prag im abschließenden Gruppenspiel der Champions League ist Favre damit zum Umbau gezwungen. Und der Schweizer steht vor der kniffligen Frage: Welche Rolle ist für Mats Hummels die beste? (Champions League: Borussia Dortmund - Slavia Prag, 21 Uhr im LIVETICKER)

Favre überrascht mit Systemumstellung

Vor der Auswärtspartie bei Hertha BSC überraschte Favre mit der Umstellung auf ein 3-4-3. Vor allem der lange nicht berücksichtigte Dan-Axel Zagadou wusste bei seinem Startelfdebüt zu überzeugen. Hummels flog allerdings als Part der Dreierreihe mit Gelb-Rot vom Platz.

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Bei der 5:0-Gala gegen Fortuna Düsseldorf ließ die Dreierreihe um Hummels' Vertreter Lukasz Piszczek sowie Manuel Akanji und Zagadou nichts zu. Gegen Slavia dürfte Hummels dennoch wieder in die Anfangself zurückkehren und Piszczek auf die Bank verdrängen – auch, weil nach Witsels Ausfalls seine Qualitäten als Führungsspieler gefragt sind.

"Auf jeden Fall versuche ich, die Rolle mit Leben zu füllen und Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen", sagte Hummels im DAZN-Interview über seine Rolle. Dabei gehe es um "viel Verbales", die Mannschaft zu ordnen und anzufeuern.

Ersetzt Hummels den Belgier vielleicht sogar positionsgetreu? Den Weltmeister von 2014 auf die Sechs zu stellen, käme einer riesigen Überraschung gleich. Doch ganz neu wäre diese Rolle für den 30-Jährigen nicht.

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In seiner Anfangszeit in Dortmund agierte er in der einen oder anderen Partie auf der Sechs. Auch bei der U21 füllte er diese Rolle gelegentlich auch. Im Finale der U21-EM 2009 gegen England spielte Hummels neben Sami Khedira auf der Doppelsechs, Deutschland gewann mit 4:0 und holte sich den Titel. Doch dieses Experiment dürfte Favre bei solch einem bedeutenden Spiel kaum wagen.

Wer ersetzt Witsel auf der Sechs?

Da auch Thomas Delaney bis zur Winterpause ausfällt, bleibt eigentlich nur noch Julian Weigl als defensiver Sechser übrig, falls Favre das System beibehält.

"Es ist möglich, dass wir weiter so spielen", meinte Favre nur auf die Frage, wer Witsel im neuen System positionsgetreu ersetzen könnte.

Mahmoud Dahoud ist aufgrund anhaltender Formprobleme wohl keine Option für die Startelf, Youngster Tobias Raschl wäre die Risikovariante.

Dass vor allem Julian Brandt als zweiter, sehr offensiv orientierter Sechser gegen Fortuna Düsseldorf aufblühte und nun endlich seine Position gefunden zu haben scheint, ist ein weiteres Argument für die Beibehaltung dieser Grundordnung. Auch weil so die Offensivreihe um Marco Reus, Thorgan Hazard und Jadon Sancho lange vermisste Spielfreude zeigte.

Auch die defensive Absicherung funktionierte gegen allerdings auch sehr harmlose Fortunen.

Bürki hält Pladoyer für neues System

"Wir lassen nicht so viel zu, das ist natürlich positiv", sprach sich Torhüter Roman Bürki für die neue taktische Formation aus. "Wir verteidigen in diesem System gut. Jeder weiß, dass es ein offensives System ist, aber wenn der Gegner den Ball hat, ist es defensiv auch sehr eng. Ich finde es gut, wie die Jungs das machen."

Auf den Außenbahnen konnten gerade gegen Düsseldorf Raphael Guerreiro und Achraf Hakimi ihren Offensivdrang ausleben, in dem Wissen mit Piszczek, beziehungsweise Zagadou auf den Halbpositionen in der Dreierkette noch eine Absicherung hinter sich zu haben.

"Die letzten beiden Spiele waren gut", bilanzierte Favre und lobte vor allem die Team-Leistung gegen Düsseldorf: "Es haben alle sehr, sehr gut gemacht - ohne Ausnahme. Wenn einer das nicht macht, geht es nicht. So müssen wir weitermachen."

Bis zum Anpfiff muss Favre jetzt nur noch die passende Besetzung finden – und damit auch die passende Rolle für Hummels.