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München - Juventus scheitert im Viertelfinale der Champions League an Ajax. Der Transfer-Coup mit Cristiano Ronaldo hat sich (noch) nicht ausgezahlt. Wie geht es weiter?

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117 Millionen Euro überwies Juventus Turin im vergangenen Sommer an Real Madrid. Für einen 33-Jährigen!

Nun trägt dieser vermeintliche Oldie den Namen Cristiano Ronaldo - der Inbegriff der großen Titel, der Inbegriff der Champions League.

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Aus Marketingsicht war der Transfer-Coup ein voller Erfolg. Schwarz-weiß gestreifte Juve-Trikots mit der Nummer 7 überschwemmen die Welt. Die Bianconeri sind in aller Munde. CR7 hat Juve auf ein neues Level gehievt und sogar der Serie A wieder zu neuem Glanz verholfen.

Sportlich aber hat sich der italienische Rekordmeister mehr versprochen. Während der Titel in der heimischen Liga zum achten Mal in Folge nach Turin gehen wird, sollte es insbesondere auf internationalem Parkett mehr sein. (Serie-A-Tabelle)

Italiens Presse hinterfragt Projekt Ronaldo

Das Aus gegen Ajax war nicht eingeplant, vielmehr war der Henkelpott das Ziel. Der große Traum, der viel zu früh zerplatzte. Ronaldo allein war nicht genug. Damit findet in der Königsklasse erstmals seit 2009/10 ein Halbfinale ohne den Europameister statt.

Nach dem überraschenden Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Ajax Amsterdam hinterfragt auch die italienische Presse das millionenschwere Projekt Cristiano Ronaldo.

34 Jahre ist der Portugiese inzwischen alt. Viele dachten vor der laufenden Saison, die horrende Ablöse für den alternden Star sei viel zu hoch. Ronaldo allerdings strafte mal wieder alle Kritiker Lügen.

In 38 Pflichtspielen traf er 26 Mal und legte weitere zwölf Treffer auf. Im Vergleich zu den Spielzeiten zuvor bei den Königlichen sind seine Top-Werte bei Juve nur leicht zurückgegangen.

2017/18: 52 Scorer-Punkte in 44 Spielen. 2016/17: 53 Scorer-Punkte in 46 Spielen. Und 2015/16 sage und schreibe 66 Scorer-Punkte in 48 Spielen.

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CR7 hat offenbar den Körper eines Endzwanzigers und kann - sollte er sich nicht schwer verletzen - noch locker zwei Jahre auf hohem Niveau spielen. Das Alter ist keineswegs das Problem. Nach einem Champions-League-Titel mit Manchester United und vier weiteren mit Real ist ein weiterer mit Juve auf jeden Fall noch drin.

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Mehr Unterstützung für Ronaldo

Dafür aber müssen die Turiner ihren Superstar mehr entlasten und unterstützen. Deutlich wird es an Ronaldos Statistiken in der Königsklasse: In den vergangenen acht Spielen schoss er sechs der acht Juve-Tore und legte zwei auf.

Während CR7 insgesamt auf starke 38 Scorer-Punkte kommt, folgen die nächsten Mitspieler erst mit weitem Abstand: Paulo Dybala (16), Mario Mandzukic (16), Miralem Pjanic (10), Federico Bernardeschi (9) und Joao Cancelo (9). Hoffnung macht aber Juves neuer Shootingstar Moise Kean, der in lediglich zwölf Einsätzen sieben Treffer erzielt hat, dazu eine Vorlage beisteuerte.

Besonders auffallend ist, dass das Mittelfeld der Bianconeri wenig Gefahr ausstrahlt. In diesem Mannschaftsteil muss nachgerüstet werden. Zwar stimmt die Defensivarbeit von Sami Khedira, Emre Can und Co. - nach vorne aber kommt von den Juve-Stars viel zu wenig.

Juve-Trainer Allegri fest im Sattel

"Wir machen mit Allegri weiter", erklärte Präsident Andrea Agnelli nach dem 1:2 gegen Ajax. Ein wichtiges Signal an die Mannschaft und ein nötiger Vertrauensbeweis für den Coach, dessen Vertrag bis 2020 läuft. "Der Kader ist jung und kann mit Allegri als Coach weiter wachsen", sagte Agnelli und stellte klar: "Die Champions League bleibt unser Ziel."

Der 51 Jahre alte Allegri, der seit 2014 bei den Bianconeri arbeitet, gab sich ebenfalls kämpferisch: "Ich bleibe, weil es noch viel Arbeit gibt. Hätte ich keine Motivation mehr, hätte ich längst den Klub gewechselt. Doch es ist nicht so."

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Der Rückhalt seiner Spieler ist ihm gewiss, wie Bernardeschi stellvertretend erklärte: "Ich bin froh, dass der Präsident bestätigt hat, dass Allegri in der nächsten Saison bleiben wird. Es ist ein wichtiges Signal, denn der Präsident will die Champions League unbedingt gewinnen - und wird sicherlich ein Team aufbauen, das in der Lage ist, sie zu gewinnen. Ich bin sicher: Wir werden diesen Wettbewerb früher oder später gewinnen."

Juve muss den Umbruch vollziehen

Auf der Trainerbank sind also die Weichen für die Zukunft gestellt, allerdings muss ein Umbruch einer zu alten Mannschaft konsequent vollzogen werden. Der Altersdurchschnitt von 28,7 spricht zwar für viel Erfahrung, doch der heutige Fußball verlangt vor allem Geschwindigkeit, Dynamik und ein schnelles Umschaltspiel.

Und ein 34 Jahre alter Ronaldo ist da eine sehr große Ausnahmeerscheinung. Die Alte Dame braucht frisches Blut vor allem im Mittelfeld und auf den offensiven Außenbahnen, damit CR7 mehr im Sturmzentrum zur Geltung kommt - und ihm die langen Wege erspart bleiben. Damit er der Unterschiedspieler bleibt, der er ist. Damit er frisch bleibt für die Top-Duelle und wichtigen Spiele.

Dafür müssen einerseits die hochgelobten Dybala und Bernardeschi (beide 25 Jahre alt) sowie Rodrigo Bentancur (21) den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung vollziehen, um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und so für Ronaldo mehr Raum und Freiheiten zu schaffen.

Andererseits müssen wohl auch die alternden Mandzukic (32), egal, wie sehr er sich stets auf dem Platz für das Team aufreibt, und Juan Cuadrado (30) durch jüngere, schnellere, torgefährlichere Spieler ersetzt werden.

Juve hat Top-Talente auf dem Zettel

Nicht von ungefähr sind mit Nicolò Zaniolo (AS Rom/19 Jahre) und João Félix (Benfica Lissabon/19) zwei der größten Talente des europäischen Fußballs bei Juve im Gespräch. Ersterer ist ein spielstarker Zehner, der CR7 gekonnt in Szene setzen kann und für Torgefahr aus dem Mittelfeld sorgen würde.

Letzterer will mit seinem portugiesischen Landsmann unbedingt zusammenspielen, heißt es in den Medien. Und das könnte Benficas Juwel auch - ob als Sturmpartner im Zwei-Mann-Sturm, ob als hängende Spitze oder als Flügelstürmer. Eintracht Frankfurt kann ein Lied davon singen, wie stark João Félix schon mit 19 Jahren ist.

Bekommt Ronaldo die nötigen Verstärkungen an die Seite gestellt, ist seine Mission noch nicht gescheitert. Sie ist vorerst nur auf die nächste Saison verschoben.