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Niko Kovac holte mit den Bayern ein 0:0 in Liverpool © Getty Images
Lesedauer: 3 Minuten

Wie lange dauert ein Fußballspiel wirklich? Welche Tricks kann eine Mannschaft anwenden, um möglichst viel Zeit zu schinden? Bayern-Coach Niko Kovac verrät es.

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Nach dem 0:0 beim FC Liverpool lobte Niko Kovac vor allem die Einstellung seiner Mannschaft. "Hier in Liverpool so zu bestehen ist richtig klasse. Taktisch, körperlich und mental haben wir richtig gut gearbeitet", sagte der Bayern-Coach.

Woraus Kovac allerdings keinen Hehl machte: Je weiter die Uhr ablief, desto mehr setzten die Münchner auf das berühmte Zeitspiel. "Wir wissen alle wie es ist, es ist kurz vor Ultimo, da versucht man ein bisschen Zeit zu schinden", sagte der 47-Jährige hinterher bei Sky.

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"Javi (Martinez, Anm. Red.) hat gute Laufleistungswerte, der kann gar keinen Krampf haben. Das ist alles ein bisschen gespielt. In Berlin hatte wir auch den King (Coman, Anm. Red.), der sich dann urplötzlich einen Krampf reingezogen hat, aber es war gar keiner. Man muss die Ruhe reinbringen. Das machen sie gut, dafür haben sie die Erfahrung."

Netto-Spielzeit weicht deutlich ab

Dass ein Fußballspiel 90 Minuten plus Nachspielzeit dauert, ist eine festgeschriebene Regel. Doch die wirkliche Netto-Spielzeit weicht deutlich davon ab.

Eine Studie der UEFA hat nun untersucht, wie hoch diese bei Champions-League-Spielen ist, und wie viel Zeit verschiedene Aktionen während einer Partie kosten. Dazu wurden alle bisherigen Partien der Königsklasse ausgewertet.

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Bei einer durchschnittlichen Spielzeit von 94 Minuten und 47 Sekunden in der in der Königsklasse beträgt die durchschnittliche reine Spielzeit demnach lediglich 61:06 Minuten. Pro Begegnung kommt also im Schnitt eine Unterbrechungszeit von 33 Minuten und 41 Sekunden hinzu. Heißt: In einem Drittel der Spielzeit rollt der Ball nicht.

Foulspiele größter Anteil für Unterbrechungen

Den größten Anteil an Spielunterbrechungen machen Foulspiele aus. Sie nehmen im Schnitt 8:51 Minuten pro Partie von der Uhr. Etwas mehr als sieben Minuten nehmen Einwürfe von der Uhr. 5:46 Minuten kosten Abstöße der Torhüter und knapp vier Minuten pro Partie nehmen Eckstöße in Anspruch. 

Spielerwechsel - die gefühlte Zeitspiel-Option Nummer eins gerade gegen Ende einer Begegnung - nehmen dagegen durchschnittlich nur 2:57 Minuten pro Partie.  

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Auch zur Dauer des Eingriffs des Videoassistenten hat der Verband bereits Zahlenmaterial vorliegen, allerdings in den nationalen Ligen (in der Königsklasse wurde er erst im Achtelfinale eingeführt). So kostet der Videoreferee Ligen im Schnitt 35 Sekunden der Spielzeit. Muss der Unparteiische einer Partie noch in die Review-Area, kommen weitere 68 Sekunden dazu.

"Etwas über anderthalb Minuten ist wenig und bedeutet viel für den Fußball, aber wir arbeiten daran, dass es noch weniger wird", erklärte UEFA-Chefschiedsrichter Roberto Rosetti.

Wie lange das bewusste Zeitschinden von der Uhr nimmt, darüber liegen dem Verband verständlicherweise keine Zahlen vor. Es geschieht auch nicht alle Tage, dass ein Trainer eine solch unfaire Aktion zugibt.