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München - Die Niederlage des BVB in der Champions League bei Tottenham Hotspur kommt nicht von ungefähr. Bei der Favre-Elf hakt es derzeit gewaltig. SPORT1 zeigt wo.

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Die 0:3-Niederlage des BVB im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinale bei den Tottenham Hotspur war vor allem in der Höhe schmerzhaft. Doch vollkommen überraschend kam sie nicht.

Borussia Dortmund steckt in seiner ersten kleinen Krise der Saison. In den vergangenen vier Wochen ging den Borussen die Leichtigkeit der ersten Saisonhälfte größtenteils verloren, vor dem Spurs-Spiel verzockten die Dortmunder dreimal in Folge eine Führung.

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Aus dem DFB-Pokal hat sich der BVB verabschiedet, auch in der Königsklasse sind die Chancen auf ein Weiterkommen auf ein Minimum gesunken. In der Meisterschaft spüren die Dortmunder so langsam aber sicher den Atem des FC Bayern München. SPORT1 zeigt, woran es beim BVB krankt.

Verletztenmisere zwingt Favre zum Umstellen

Das Verletzungspech hat den BVB aktuell fest im Griff. Gegen die Spurs fielen mit Marco Reus, Paco Alcacer, Manuel Akanji und Lukas Piszczek gleich vier wichtige Säulen aus, dazu kam auch Aushilfs-Innenverteidiger Julian Weigl.

Die Verletzungsmisere sorgt auch dafür, dass Trainer Lucien Favre seine Viererkette immer wieder neu ordnen muss.

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In den bisherigen 31 Pflichtspielen schickte der Schweizer 15 verschiedene Abwehrformationen auf das Feld. Nur zwei dieser Formationen absolvierten dabei mehr als zwei Spiele zusammen. Das Quartett aus dem Spurs-Spiel mit Achraf Hakimi, Ömer Toprak, Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo hatte vorher erst einmal so zusammengespielt.

Besonders schwer wiegt hierbei der Ausfall von Akanji. Der bildete bis zu seiner Hüftverletzung im Dezember das etatmäßige Innenverteidiger-Duo mit Diallo. Auch Marcel Schmelzer war zu Saisonbeginn gesetzt, fiel dann lange mit einem Knochenödem aus.

Der junge Hakimi hat ihm in der Zwischenzeit mit seiner Offensiv-Dynamik den Rang abgelaufen. Hinten jedoch schleichen sich beim 20 Jahre alten Marokkaner vermehrt teils eklatante Fehler ein. Gegen die Spurs bekam er von SPORT1 die Note 5.

Dazu befindet sich Zagadou nach langer Verletzung erst wieder auf dem Weg zu alter Form. Dass ihm da noch ein gutes Stück fehlt, war in Wembley zu sehen.

Probleme bei den Leistungsträgern

Nach dem Wechsel von Axel Witsel im vergangenen Sommer aus China zum BVB waren viele über den Fitnesszustand des Belgiers erstaunt. Der 30-Jährige hatte überhaupt keine Anpassungsprobleme und entwickelte sich direkt zum Leistungsträger. Der Belgier ist Schaltzentrale und Taktgeber im Mittelfeld.

In der Bundesliga verpasste Witsel kein Spiel, lediglich in zwei Partien stand er nicht die kompletten 90 Minuten auf dem Platz. Auch in der Champions League wurde er nur einmal geschont. Die Konsequenzen waren gestern nur allzu gut zu erkennen. Witsel wirkt platt, sein Tank scheint leer.

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Sein Nebenmann Thomas Delaney bekam, teilweise auch verletzungsbedingt, im Saisonverlauf etwas öfter eine Pause. In Hoffenheim fehlte der Däne Gelb-gesperrt, was gerade in der Schlussphase schmerzlich auffiel, als der BVB eine Drei-Tore-Führung aus der Hand gab.

Auch Reus spielte wie Witsel fast die gesamte Hinrunde durch, was angesichts seiner Verletzungshistorie an ein Wunder grenzt. Der BVB-Kapitän war endlich über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei und lieferte seine beste Hinrunde für den BVB ab. Doch aktuell fehlt Reus mit Muskelfaserriss.

Gegen die Spurs kam dann auch noch der Ausfall von Paco Alcacer hinzu, dadurch fehlte die Durchschlagskraft in der Offensive. Mario Götze war gegen die körperbetont spielende Tottenham-Verteidigung im Sturmzentrum überfordert.

Generell tun sich die Dortmunder gegen körperlich starke Gegner schwer. "Wenn es gegen robuste Mannschaften geht, haben wir unsere Probleme, weil wir nicht dagegenhalten können", merkte Keeper Bürki nach dem Spiel an. (Die Stimmen zur BVB-Pleite bei den Spurs)

Kein Druck von der Bank

Dass Leistungsträger wie Witsel quasi durchspielen, liegt auch daran, dass sich von den Ersatzspielern kaum jemand für die erste Elf aufdrängt.

Mahmoud Dahoud war zu Saisonbeginn mit Mittelfeld gesetzt, fiel dann aber hinter das Duo Witsel/Delaney zurück. Seit Ende September absolvierte der Ex-Gladbacher nur noch 236 Bundesliga-Minuten. Gegen Hoffenheim stand er erstmals seit Ende Oktober wieder bei einem Bundesliga-Spiel in der Startelf. Die fehlende Spielpraxis ist ihm deutlich anzumerken.

Auch Christian Pulisic und Jacob Bruun Larsen sind nach gutem Saisonauftakt außer Form. Der 20 Jahre alte Bruun Larsen glänzte zu Saisonbeginn mit Treffern gegen Nürnberg und Leverkusen, seit Ende September wartet er trotz regelmäßiger Einsatzzeiten auf eine Torbeteiligung.

Bei Pulisic bestimmten in den vergangenen Monaten mehr die Berichte über seine Zukunft als über seine sportliche Leistung die Schlagzeilen. Da der Wechsel zum FC Chelsea vollzogen ist, hofft man beim BVB nun, dass der US-Amerikaner befreit aufspielen kann. Pulisic wirkte in seiner zukünftigen Heimatstadt sehr motiviert, aber auch teils sehr eigensinnig.

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Gar keine Rolle bei Favre spielt aktuell Marius Wolf.  Der zu Saisonbeginn von Eintracht Frankfurt ins Ruhrgebiet gewechselte Flügelstürmer ist bisher nicht die erhoffte Verstärkung, kommt im Moment kaum zu Einsatzzeiten.

Favre muss nun also drei Baustellen bearbeiten: Er muss die Abwehr wieder stabilisieren, müden Leistungsträgern die benötigten Pausen geben und die Spieler aus der zweiten Reihe wieder in Form und an die erste Elf heranbringen. Und das alles möglichst schnell.