München - Nach dem Sieg gegen Lissabon sprechen sich Bayerns Führungsspieler öffentlich für Trainer Niko Kovac auf. Doch wie glaubwürdig ist der neue Kuschelkurs und wie belastbar?

von Florian Plettenberg , Stefan Kumberger

Der FC Bayern atmet nach dem 5:1 gegen Benfica Lissabon durch. Besonders auffällig jedoch war, wie sich Teile der Mannschaft und auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach Abpfiff demonstrativ hinter den zuletzt immer stärker in die Kritik geratenen Niko Kovac stellten.

Vor allem Arjen Robben. "Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich ganz besonders für unseren Trainer gefreut habe, als Mensch. Das hat er sich richtig verdient. Ich hoffe, dass wir so weitermachen", sagte der Niederländer, der mit einer Klasse-Leistung Kovac mit zwei Toren vorerst den Job rettete.

Fragt sich nur, für wie lange und was der Kuschelkurs für Kovac wirklich wert ist?

Salihamidzic: "Mit Kovac als Trainer nach Bremen"

Wären die Bayern nach dem desaströsen 3:3 gegen Düsseldorf nun auch gegen Lissabon gestrauchelt, wäre Kovac wohl kaum zu halten gewesen. Nun aber darf der Kroate nach dem überzeugenden vorzeitigen Einzug in das Achtelfinale der Champions League vorerst bleiben. "Wir fahren mit Kovac als Trainer nach Bremen und werden gewinnen", teilte Salihamidzic bei Sky mit.

Klar ist aber auch: Patzen die Bayern am Samstag auch bei Lieblingsgegner Werder Bremen (17 Siege in Folge), werden die Diskussionen um Kovac von Neuem starten. "Jetzt ist wieder Ruhe. Aber gewinnen wir Samstag nicht, ist wieder Unruhe",  prophezeite und forderte Doppel-Torschütze Robben. "Wir müssen als Mannschaft dafür sorgen, dass es so lange wie möglich ruhig bleibt",

Sorgt das 5:1 nur für die Ruhe vor dem Sturm? (SERVICE: Die Tabelle der Gruppe E). Salihamidzic beteuerte am späten Dienstagabend, dass es in einem von Präsident Uli Hoeneß geplanten Sechs-Augen-Gespräch mit ihm und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Düsseldorf-Spiel nicht um die Ablösung von Kovac ging.

Man habe sich "über die Situation" unterhalten, jedoch nicht "über einen anderen Trainer". "Wenn wir in der Bundesliga neun Punkte hinter dem Ersten sind, muss man intern einiges ansprechen und auch in der Führungsetage darüber reden", erklärte Salihamidzic. "Das ist völlig normal."

Vier Spieler zum Gespräch mit Hoeneß?

Hoeneß indes soll laut einem Bericht der BILD am Montag zudem die Führungsspieler um Kapitän Manuel Neuer, Vize-Kapitän Thomas Müller, Franck Ribery und Robert Lewandowski zum Gespräch gebeten haben.

"Die Kommunikation ist wichtig, wir haben zusammen viele Sachen geklärt – auch in der Mannschaft. Egal, wo die Besprechung war: Wichtig ist, was wir als Mannschaft machen und dass alle zusammen in eine Richtung gehen", erklärte Robert Lewandowski, der wie Robben zweimal traf, auf SPORT1-Nachfrage.

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So schien es auch kein Zufall zu sein, dass es vor allem drei dieser vier Spieler waren, die den Eindruck vermittelten, dass die Mannschaft hinter Kovac stehe. Richtig überzeugend klangen die Worte aber nicht. Zudem halten sich noch immer hartnäckig die Gerüchte um eine Ablösung von Kovac – spätestens im Winter.

"Natürlich spielt die Mannschaft für den Trainer, aber auch für sich selbst und für den Verein", teilte Manuel Neuer auf SPORT1-Nachfrage mit. Der Kapitän stellte zudem klar, dass Kovac dieser Tage "sehr konzentriert" gewirkt habe.

Zur aktuellen Misere, die die Bayern hauptsächlich in der Bundesliga (Platz 5) haben, sagte Neuer: "Es gibt nicht den einen Schuldigen. Es wäre viel zu einfach zu sagen, dass der Trainer der Alleinverantwortliche ist. Wir sitzen alle in einem Boot und haben uns in diese Situation gebracht, deswegen sind wir Spieler auf dem Platz hauptverantwortlich."

Lewandowski antwortete auf die Frage, ob man auch für Kovac gespielt habe: "Ja, klar. Wir wollen alle zusammen nach vorne schauen und weitergehen. Wir spielen zusammen und das muss so bleiben. Wir wissen, was wir falsch gemacht haben. Jeder muss auch auf sich schauen."

Kovac geht auf Mannschaft zu

Fakt ist aber, dass etliche Spieler innerhalb der Mannschaft nach wie vor kritisch auf Kovac schauen. Der größte Vorwurf: Kaum taktische Ideen, keine klaren Vorgaben. 

Der Trainer scheint sich dieser Kritik anzunehmen, denn wie schon in Dortmund (2:3) ließ Kovac gegen Lissabon im von der Mannschaft geschätzten 4-2-3-1-System spielen – mit einer Doppelsechs (Kimmich/Goretzka) und einem Zehner (Müller).

Gegen Düsseldorf hingegen setzte er auf sein favorisiertes Spiel mit einem Sechser (Martinez) und zwei Achtern (Sanches/Goretzka). Damit zeigten sich die Bayern aber erneut konteranfällig und instabil. Gegen Lissabon waren die Münchner hingegen weitaus kompakter, die Bayern fuhren seit langer Zeit mal wieder einen überzeugenden Sieg ein.

"Das tut uns und dem Trainer gut. Wir wollen ja alle den Erfolg des Vereins und wir als Mannschaft wollen auch zeigen, dass wir hinter dem Trainer stehen", sagte Müller und ergänzte vage: "Grundsätzlich steht die Mannschaft und der Verein hinter dem Trainer. Wir wollen weitermarschieren und eine Einheit darstellen."