München und Liverpool - Nach dem Spektakel-Sieg des FC Liverpool gegen PSG erklärt Jürgen Klopp, warum Neymar der Schlüssel zum Erfolg war. Oldie James Milner wird gefeiert.

von

Nach einem spektakulären Champions-League-Abend an der Anfield Road war die englische Presse zu Scherzen aufgelegt.

"Als Neymar am Mittwochmorgen aufgewacht ist, dürfte er erst mal gecheckt haben, ob James Milner sich nicht in seinem Hotelzimmer befindet", schrieb die Daily Mail nach dem 3:2-Erfolg des FC Liverpool gegen Paris Saint-Germain.

Am Abend zuvor hatten die Fans im Stadion über weite Strecken das erhoffte Spektakel zweier europäischer Spitzenteams zu sehen bekommen.

Firmino schießt Liverpool zum Sieg

Daniel Sturridge (30.) und Milner per Elfmeter (36.) schossen die Gastgeber in Führung, Thomas Meunier (40.) und Kylian Mbappe (83.) schlugen für PSG zurück, ehe Roberto Firmino in der Nachspielzeit doch noch der Siegtreffer für die Reds gelang.

Der entscheidende Schlüssel für Jürgen Klopp zum Erfolg über seinen deutschen Trainerkollegen Thomas Tuchel? Neymar - und das gleich aus mehrerlei Sicht.

"Wenn wir den Ball hatten, haben wir meistens über unsere rechte Seite gespielt", erklärte Klopp nach dem Spiel: "Neymar ist ein Weltklasse-Spieler, aber kein Weltklasse-Verteidiger. Deshalb haben wir das versucht."

Klopp lobt Verteidigung gegen PSG-Stars

Der Plan, die defensiven Schwächen des Brasilianers auszunutzen, ging auf - und in der Offensive kam er nicht zu Entfaltung, was Liverpools Coach zu einem Sonderlob an seine Spieler hinriss.

"Neymar auf dem linken Flügel und Di Maria im Halbraum, da ist das Verteidigen schwer. Wir mussten fokussiert sein, das haben wir gut gemacht", erklärte Klopp und lobte: "Wir sind viel gelaufen und haben immer wieder die Lücken gestopft."

So hielt der Champions-League-Finalist die gegnerischen Offensivstars über weite Strecken in Schach - allen voran Neymar.

Und in der Hinsicht tat sich Milner noch mehr als durch seinen verwandelten Elfmeter hervor.

Milner heißt Neymar unsanft willkommen

Bestes Beispiel: ein Zweikampf in der 8. Minute. Neymar setzte an der Seitenlinie zum Dribbling an - und machte direkt vor der Gästebank unliebsame Bekanntschaft mit dem Engländer.

Mit diesem Zweikampf gegen Neymar versetzte James Milner die Liverpool-Fans früh in Ekstase
Mit diesem Zweikampf gegen Neymar versetzte James Milner die Liverpool-Fans früh in Ekstase © Getty Images

Milner musste gar nicht viel tun, er stellte nur das Bein ein wenig heraus. Aber das allein reichte, um den Ball zu erobern und Neymar gleichzeitig zu Boden zu schicken.

Im Gegensatz zur WM sank der Brasilianer nicht theatralisch dahin, aber es wurde auch so deutlich, dass er den Kontakt gespürt hatte. Und während Neymar sich noch aufrappelte, war Milner unter dem frenetischen Jubel der Fans längst am nächsten Angriff seiner Mannschaft beteiligt.

Presse feiert "Milner, den Magier"

Als "Milner, den Magier" bezeichnete das Liverpool Echo den 32-Jährigen, der im Gegensatz zu anderen Spielern seines Alters den Eindruck mache, "als hätte er so viel Spaß am Fußball wie nie zuvor".

Mit neun von zehn möglichen Punkten verdiente sich Milner beim Liverpool Echo auch die Bestnote aller Reds-Profis - unter anderem, weil er "non-stop am Laufen war und PSG so quälte".

Und bei all den Kilometern, die Milner abspulte, wäre es wohl tatsächlich keine Überraschung gewesen, wenn er ein paar Stunden später plötzlich in Neymars Hotelzimmer aufgetaucht wäre.