München - Seinen Titelhunger konnte der FC Bayern zuletzt mit der Meisterschale stillen - doch das genügt nicht mehr. SPORT1 zeigt, warum es nun der Champions-League-Titel sein soll.

von Johannes Fischer , Florian Plettenberg

Wenn der FC Bayern am Mittwoch im Gruppenspiel bei Benfica Lissabon (Champions League: Benfica Lissabon - FC Bayern am Mi., ab 21 Uhr im LIVETICKERalles dazu ab 18.45 Uhr auch im Fantalk im TV auf SPORT1) seine Champions-League-Saison eröffnet, dann beginnt das Spiel wieder von vorne: Die Jagd nach dem Henkelpott.

Fünf Mal scheiterte der Rekordmeister zuletzt an einem spanischen Team: 2013/14 im Halbfinale gegen Real Madrid, 2014/15 im Halbfinale gegen Barcelona, 2015/16 im Halbfinale gegen Atletico Madrid, 2016/17 im Viertelfinale gegen Real Madrid und in der Vorsaison erneut im Halbfinale gegen Real Madrid, als die Münchner trotz massiver Verletzungsprobleme haarscharf an Real scheiterten.

Der Triumph von 2013, als Jupp Heynckes die Mannschaft zum Triple führte, ist für die meisten Bayern-Fans schon zu lange weg, um noch davon zu zehren. Der Auftrag ist daher klar: Der Pokal soll zum sechsten Mal wieder nach München – nicht nur aus sportlichen Gründen.

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SPORT1 analysiert, warum der Gewinn des Henkelpotts von so großer Bedeutung ist!

- Die Gallier von der Isar

In der internationalen Elite sind die Bayern einer der wenigen Vereine, die ohne die sprudelnden Geldquellen finanzstarker Investoren auskommen. Während Klubs von schwerreichen Investoren, wie Paris Saint-Germain oder Manchester City, sich bedenkenlos auf dem Transfermarkt bedienen können und höchstens durch das Financial Fairplay der UEFA ausgebremst werden, hat der deutsche Serienmeister jeden einzelnen Euro im Schweiße seines Angesichts selbst generiert.

Dennoch schaffen es die Bayern Jahr für Jahr ein konkurrenzfähiges Team auf den Platz zu stellen, um im Wettkampf mit den fremdfinanzierten Vereinen mitzuhalten.

"Wir spielen ja nicht mehr gegen andere Klubs, sondern gegen Staaten", bringt es Vereinspräsident Uli Hoeneß auf den Punkt. "Ich denke da an Abu Dhabi, Katar und an Oligarchen, die ihr Milliardenvermögen reinschmeißen. Der FC Bayern hat seine Ära der letzten 30,40 Jahre aus eigenen Mitteln gestaltet."

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Der Subtext: Mia san mia - und wir sind stolz drauf. Fast darf sich der FC Bayern, wie bei der Comic-Serie Asterix, als gallisches Dorf im Kampf gegen die römische Übermacht fühlen. Der Titelhunger gegenüber den Konkurrenten ist durch diesen Umstand sicher nicht kleiner. Die Bayern wollen beweisen, dass man auch ohne Millionen-Transfers im Kampf um die europäische Fußball-Krone mitspielen kann.

- Titel als Vermarktungsturbo

Dass sich der FC Bayern auf dem internationalen Markt mit einem Champions-League-Titel noch besser positionieren würde, versteht sich von selbst. Die Königsklasse ist deutlich wertvoller als Meisterschaft oder DFB-Pokal.

Wie wichtig der Champions-League-Titel für die internationale Vermarktung aber wirklich ist, bekamen die Münchner auf ihrer US-Tour im Juli vor Augen geführt.

"Auf dieser Reise hat man einmal mehr festgestellt, welchen Stellenwert die Champions League international hat. Wir werden versuchen, dieses Jahr anzugreifen. Wir wollen das, was wir 2013 mit dem Sieg in London erlebt haben, in naher Zukunft wieder erreichen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Konkurrent Real Madrid, der den Titel zuletzt drei Mal in Folge gewann, ist den Bayern vor allem wegen dieser Triumphe in Puncto Vermarktung derzeit noch voraus. Genau das wollen die Bayern ändern. 

- Henkelpott als Transfer-Türöffner

Auch in Sachen Transfermarkt könnte der Gewinn der Königsklasse viele Türen öffnen. Als bestes Team Europas wäre es deutlich einfacher, Topstars nach München zu locken - und wechselwillige Stars wie Robert Lewandowski weiterhin glücklich an der Säbener Straße zu halten. 

Weil die Vereinsführung bereits angekündigt hat, im kommenden Sommer möglicherweise einen großen Batzen Geld zu investieren, würde der Henkelpott als zusätzliches Argument für einen Krachertransfer gelten. Schließlich steht den Bayern im kommenden Sommer ein Umbruch bevor, da die Verträge von Arjen Robben, Franck Ribery und Rafinha auslaufen. 

- Enttäuschungen als Motivationshilfe

Wer gedacht hatte, die Bayern-Stars würden durch die letzten Enttäuschungen in der Champions League, im DFB-Pokal und durch die desaströse WM psychisch angeschlagen aus dem Sommerurlaub kommen, sieht sich getäuscht. In den ersten Saisonspielen wurde bereits deutlich, dass Thomas Müller, Robert Lewandowski und Co. die Niederlagen sogar als Motivationsschub nutzen.

"Der WM-Sommer und das unglückliche Aus gegen Real sind ein zusätzlicher Antrieb, der Energien bei uns freisetzt", verriet Müller in der Sport Bild. "Wir alle wissen, dass der Titel für uns drin war. Dementsprechend haben wir für den nächsten Anlauf in der Champions League Wut im Bauch und mit Niko Kovac einen neuen, jungen und ehrgeizigen Trainer." 

- Kaum Herausforderung in der Liga

Neun Punkte in drei Spielen: Die Bayern legten in der Bundesliga, trotz des scheinbar anspruchsvollen Starts, mal wieder einen Traumstart hin. Schon jetzt ist zu erahnen, dass die Konkurrenz auch nach sechs Alleingängen in Folge nicht in der Lage sein wird, das Tempo der nimmersatten Bayern mitzugehen.

Auch darum rückt an der Isar die Deutsche Meisterschaft ein wenig in den Hintergrund, wenngleich öffentlich immer wieder betont wird, dass der Meistertitel der Wichtigste sei.