Lissabon - Mit einer Top-Leistung beim Sieg in Lissabon rechtfertigte Renato Sanches seine Startaufstellung. SPORT1 erklärt, was Sanches so stark machte.

von Florian Plettenberg , Stefan Kumberger

Fast schüchtern, dafür schnellen Schrittes verließ Renato Sanches nach Spielende die Katakomben des Estadio da Luz in Richtung Mannschaftsbus.

In seinem Gesicht deutlich zu sehen: Eine gewisse Erleichterung, ein wenig Stolz. Kurz zuvor hatte sich Sanches mit seiner bisher besten Leistung im Bayern-Trikot selbst entfesselt.

Das 1:0 eingeleitet (10.), das 2:0 selbst erzielt (54.). In der Stadt, in der er geboren wurde. Und bei dem Klub, der ihn ausgebildet hat.

SPORT1 erklärt, was Sanches so stark machte.

Vertrauensvorschuss von Kovac

Niko Kovac überraschte, indem er Sanches für den verletzten Thiago (Schmerzen am großen Zeh) in der Startelf brachte. "Ich habe absolutes Vertrauen in ihn. Er spielt daheim, er wird es jedem zeigen. Seine Familie ist da. Wenn nicht jetzt, wann dann?", antizipierte der Trainer bereits vor Anpfiff bei Sky die gute Leistung von Sanches (SPORT1-Note 2).

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Ohnehin wird Kovac nicht müde, Sanches auch verbal immer wieder zu stärken. Der 21-Jährige weiß das, gibt dafür im Training Vollgas und münzte sein Talent nun auch erstmals in einem wichtigen Pflichtspiel in Leistung um.

Kovac verglich sein Spiel anschließend sogar mit dem von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Mehr Lob geht kaum.

Anerkennung von den Rängen

Nur Sekunden, nachdem Sanches eine James-Flanke zum 2:0 verwertet hatte, gab es Applaus im Stadion. Das Bemerkenswerte daran: Es waren nicht nur die mitgereisten Bayern-Fans, die Sanches feierten.

Es waren vor allem die Anhänger Benficas, die ihrem verlorenen Sohn huldigten, immer lauter klatschten und den Torschützen gar mit Standing Ovations bedachten. Eine Reaktion, die deutlich machte, welchen Stellenwert sich Sanches vor seinem Wechsel zu den Bayern 2016 in Lissabon erarbeitet hatte.

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Der Portugiese schien gefühlt zu haben, dass er die Rückendeckung in seinem alten Wohnzimmer hat. Denn selbst von kleineren Fehlern ließ er sich nicht beirren.

"Ich bin so glücklich, nach Lissabon zurückgekehrt zu sein und dieses Spiel gespielt zu haben. Es war so besonders für mich. Ich möchte mich bei den Fans von Benfica für die Unterstützung bedanken", sagte der Matchwinner anschließend.

Von der Fan-Reaktion zeigten sich auch Sanches' Mitspieler begeistert. "Das war wunderschön. Das ist ein Kompliment. So gehört es sich, einen alten Spieler, der viel für den Verein gemacht hat, zu empfangen. Davor habe ich großen Respekt”, erklärte Arjen Robben.

Anerkennung von den Mitspielern

Auffällig war auch, wie sehr sich die Mitspieler für Sanches freuten und ihn bereits im Vorfeld der Partie stärkten – auf und neben dem Platz.

"Eine unheimlich schöne Geschichte, die der Fußball schreibt", sagte Leon Goretzka, der für Sanches auf der Bank blieb. Jerome Boateng ("Ich freue mich für meinen Jungen") gratulierte auf Instagram.

Arjen Robben nahm ihn auf dem Platz anerkennend in den Arm. "Er hat eine schwierige Zeit hinter sich. Dann kommst du hierher, darfst spielen. Das hat er gut gemacht. Ich habe ihm gesagt, dass er den Moment genießen soll", verriet der Niederländer.

Seine Wunschposition

Sanches durfte auf seiner Lieblingsposition ran, im zentralen Mittelfeld. Er bekleidete die Position des Achters. Einerseits mit Defensiv-Aufgaben bedacht, aber immer auch im Offensiv-Spiel eingebunden.

Sanches begann sicher und überzeugte zu Beginn und in der zweiten Hälfte immer dann, wenn er einfach spielte. Wenn er den Nebenmann mitnahm, im richtigen Moment aufdrehte und zur richtigen Zeit entschied, ins Eins gegen Eins zu ziehen. Versuchte er das Außergewöhnliche, verhaspelte er sich, spielte Fehlpässe.

Anders als sonst fand er jedoch auch danach zu seinem Spiel zurück und avancierte so zu einem der besten Feldspieler.

"Ein wirklich tolles Spiel von ihm", sagte Mats Hummels anerkennend.

"Er hat uns sehr gut getan, hat viele Situationen aufgelöst, indem er sich auf der Acht richtig bewegt und aufgedreht hat. Dann hat er natürlich auch ein enormes Tempo mit dem Ball, kann die Bälle über 40, 50 Meter schleppen und ist dann schwer aufzuhalten, weil er auch sehr kräftig ist."

Vielversprechende Zukunft

Kovac prophezeite Sanches bereits vor Wochen, dass er auf Spielzeit kommen werde, machte aber auch deutlich, dass er in den Spielen dann auch Leistung zeigen müsse – so wie in Lissabon.

"Renato hat das Vertrauen gerechtfertigt. Er muss jetzt aber weiter an sich arbeiten. Das ist hoffentlich nur der Anfang. So soll er weitermachen", fordert Hasan Salihamidzic.

"Das war richtig gut. Nicht nur, weil er das Tor gemacht hat, sondern auch wie er gespielt und sich präsentiert hat. Wenn er so spielt, ist er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Ist ja klar."

Wenngleich Kovac im zentralen Mittelfeld ein Überangebot hat (Goretzka, Thiago, Müller, James und der verletzte Tolisso), so hat Sanches bewiesen, dass er den Aufgaben beim FC Bayern gewachsen ist.

Um sich im zweiten Anlauf beim Rekordmeister durchzusetzen, lernt Sanches auch fleißig deutsch, spricht bereits passabel englisch. "Du hast die Chance bravourös genutzt, das hast du dir verdient", zollte dem 35-Millionen-Einkauf auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge auf der nächtlichen Bankettrede Respekt.

Dafür gab es von den Gästen lauten Applaus. Wie Stunden zuvor an alter Wirkungsstätte.