Kiew - Real Madrid holt in einem denkwürdigen Finale gegen Liverpool zum dritten Mal in Folge die Champions League. Loris Karius wird zur tragischen Figur. Bale trifft traumhaft.

Unglücksrabe Loris Karius weinte längst hemmungslos, als Minuten nach dem tragischen Ende einer wundersamen Champions-League-Reise auch Jürgen Klopp zum Trösten vorbeikam.

Dies war die Bühne für die Größten der Welt, für Cristiano Ronaldo und den Zauberkünstler Gareth Bale, für die Liverpool -Stars Mohamed Salah und Sadio Mane - doch der deutsche Torhüter war es, der das dramatische Finale von Kiew mit zwei folgenschweren Patzern zugunsten von Real Madrid entschied.

Karius weint hemmungslos

Karius sackte nach dem Abpfiff des 3:1 (0:0) wie eine leere Hülle in sich zusammen. Er vergrub das Gesicht in seinem Shirt, er blickte fassungslos im Olympiastadion umher und bat die Fans um Entschuldigung. Doch selbst Klopp konnte sich in der Enttäuschung über seinen anhaltenden Finalfluch nicht zu mehr als einer kurzen Umarmung durchringen (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

 Wenig später fand Klopp dann doch noch tröstende Worte in Richtung seines Keepers:  "Es tut mir total leid für Loris Karius. Das wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht", so der Coach im ZDF, der dem ehemaligen Mainz riet, am Sonntag am besten nicht in die Zeitungen zu schauen.  "Die Leute werden jetzt schreiben, was sie wollen, am besten nicht lesen. Es gibt ja Leute, die sind doof genug, einem das ein Leben lang aufs Brot zu schmieren."

Bale und die unbarmherzigen Seriensieger von Real hatten den Teammanager brutal aus allen Träumen gerissen. Der walisische Offensivmann führte das spanische Weltstar-Ensemble mit einem sensationellen Fallrückzieher zum Triumph - und zum dritten Königsklassen-Titel in Serie. Nicht zuletzt, weil Karius die Nerven verlor.

Kroos historisch, Klopps Fluch hält an

Die Real-Mannschaft ist die erste seit dem FC Bayern München 1974-76, der ein Hattrick im wichtigsten Europapokal gelingt. "Das ist schwer zu glauben. ich freue mich unglaublich", sagte Weltmeister Toni Kroos nach seinem vierten Streich im ZDF. "Das ist jedes Mal aufs Neue der Wahnsinn." Klopp hingegen hat seit dem DFB-Pokal-Sieg mit Borussia Dortmund 2012 sechs große Endspiele in Folge verloren, darunter das Champions-League-Finale gegen die Bayern 2013.

Nach einer Verletzung des ägyptischen Reds-Superstars Mohamed Salah besiegelten Karim Benzema (51.) und Super-Joker Bale (64./83.) die Niederlage der Briten, die sich bis zur letzten Minute nicht in ihr Schicksal ergaben. Sadio Mane (55.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Reds-Fans säumen Kiew

Kiew war fest in Liverpooler Hand - nicht nur das Olympiastadion. In den Straßencafes, auf den Plätzen und vor den Kneipen dominierten die sangesfreudigen und nicht weniger trinkfesten Fans der Reds. Klopps Plan: Ihnen das zu bieten, was sie aus dieser Saison gewohnt waren. Früh draufgehen, nach Ballgewinn schnell umschalten - Jürgen-Klopp-Fußball.

Real-Trainer Zinedine Zidane setzte diesem Matchplan eine kontrolliertere, noch eingespieltere System-Idee entgegen - ausgeführt von herausragenden Individualisten wie Cristiano Ronaldo oder Kroos als Mittelfeld-Metronom.

Die Elf der abgezockten Superstars ließ sich allerdings sichtlich beeindrucken. Die Reds spielten rotzig, angstfrei und giftig in die Spitze. Mehrfach mussten die Real-Verteidiger in der Anfangsviertelstunde zum letzten Mittel greifen: einem Befreiungsschlag, dem Ronaldo leicht frustriert hinterher sprintete.

Dennoch bekam der Weltfußballer seine erste Chance: Sein Schuss aus spitzem Winkel flog knapp über das Tor von Karius (15.). Auf der anderen Seite tauchte Keylor Navas bei einem verdeckten Schuss von Trent Alexander-Arnold blitzartig ab (24.). Liverpool versuchte, Real zu überrennen: Salah, Roberto Firmino und Mane wirbelten.

Salah-Schock lähmt Liverpool

Was folgte, war für Liverpool der größtmögliche Schock. Reals Innenverteidiger Sergio Ramos hakte sich im Fallen rechts bei Salah ein, er krachte heftig auf den ägyptischen Nationalhelden, der sich dabei extrem schmerzhaft an der linken Schulter oder am Schlüsselbein verletzte und unter Tränen den Platz verließ (30.). 

Sollte sich der von Klopp befürchtete Knochenbruch bestätigen, wäre für den Himmelsstürmer der Reds mit ziemlicher Sicherheit auch die WM gelaufen.

Wenige Minuten später hatte Real den Ausfall von Dani Carvajal zu beklagen.

Salahs Verletzung hatte ungleich mehr Einfluss auf die Balance des Spiels. Liverpool fand bis zur Halbzeit nicht mehr statt, hatte zudem bei einem Abseitstor Benzemas (43.) Glück. Direkt nach der Halbzeitpause traf Isco die Querlatte (48.) (DATENCENTER: Die Champions-League-Torjäger).

Karius servierte Real die Führung auf dem Silbertablett. Er wollte den Ball nach dem Abfangen eines langen Passes zu seinem Mitspieler rollen, Benzema hielt den Fuß dazwischen - 0:1. Erstaunlicherweise befreite das Gegentor Liverpool aus der Schockstarre, Mane schlug umgehend zurück.

Bales individuelle Extraklasse machte schließlich den Unterschied aus. Liverpool kämpfte vergeblich: Mane (70.) traf nur den Pfosten. Karius' zweiter Fehler nach einem Fernschuss Bales bedeutete das Aus.