München und Paris - Julian Draxler ist nach dem PSG-Aus in der Champions League gegen Real Madrid bedient und äußert deutliche Kritik. Frust verursacht auch seine Reservistenrolle.

von Robin Wigger

Als Julian Draxler nach dem erneuten Achtelfinal-Aus von Paris Saint-Germain in der Champions League gefragt wurde, ob nun ein Umbruch beim Scheichklub vonnöten sei, musste er fast ein bisschen lachen.

"Umbruch ist immer so ein Wort", sagte der deutsche Nationalspieler im ZDF und erinnerte: "Im Sommer haben wir 400 Millionen Euro in die Hand genommen. Da kann man auch von Umbruch sprechen."

Geholfen hat es - wie schon in all den Jahren zuvor - wieder einmal nichts. "Wenn es zum Gewinnen einfach reichen würde, hunderte Millionen Euro pro Jahr zu investieren, wäre der Fußball nicht der beliebteste und emotionalste Sport der Welt", stellte die italienische Gazzetta dello Sport fest.

Le Figaro kritisierte: "Versprechen, immer Versprechen, und noch mehr Versprechen. Und am Ende eine riesige Enttäuschung."

Auch, und ganz besonders mal wieder für Draxler.

Pastore wird Draxler vorgezogen

Eine Stunde lang hatte er sich bereits von außen leidend anschauen müssen, wie seine Kollegen nahezu blutleer dem Aus gegen Real Madrid entgegen liefen. Wieder einmal hatte er im Pariser Starensemble mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen müssen.

Dabei hatte sich Draxler wegen des Ausfalls von Neymar Chancen auf die Startelf ausgerechnet. Doch Trainer Unai Emery ersetzte den Superstar durch Angel Di Maria und scheute das Risiko, Draxler und den Argentinier gemeinsam mit Edinson Cavani und Kylian Mbappe aufs Feld zu schicken.

Es trug nicht gerade zu Draxlers Laune bei, als nach 59 Minuten zuerst Javier Pastore eingewechselt wurde. Und als sich der Weltmeister wenige Minuten später zum Einsatz bereit machen sollte, um dann in der Phase des Platzverweises von Marco Verratti und des 1:1 von Emery wieder zurückgeschickt zu werden, verstand er die Welt endgültig nicht mehr.

Draxler: "War überrascht und sauer"

"Das war unsensibel. Ich habe das nicht ganz verstanden. Das 1:1 ist zwar gefallen, aber das hat uns nicht weitergebracht", kritisierte Draxler seinen Trainer nach der 1:2-Niederlage: "Deswegen habe ich gedacht, jetzt sollten wir weiter auf die Tube drücken und offensiv spielen. Ich weiß wirklich nicht, was da los war. Ich war echt überrascht und auch ein bisschen sauer."

Klartext statt Diplomatie - verständlich nach einem weiteren frustrierenden Abend für Draxler, der bereits nach dem Hinspiel seinen Unmut geäußert hatte.

"Das war heute viel zu wenig von uns", sagte Draxler. Man habe sich viel vorgenommen, die ganze Stadt sei heiß gewesen. "Wenn wir dann aber so ein Spiel abliefern, wo kein Zug drin ist, keine Explosivität - dann kann man Real Madrid auch nicht ausschalten." Besonders die Art und Weise, so "sang- und klanglos ausgeschieden zu sein", stieß Draxler sauer auf.

Kritik an Emery - auch Kahn wird deutlich

Im Gegensatz zu Draxler nahm ein Teamkollege Emery in den Schutz. "Unser Trainer macht einen top Job. Heute wollten wir den Gegner in Schwierigkeiten bringen, was uns aber nicht gelungen ist. Das lag aber nicht am Coach, sondern vielmehr an Real Madrids Klasse", sagte Thiago Motta.

Nunja. Real zeigte Paris zwar seine Grenzen auf, das lag aber auch an der ängstlichen Vorstellung der Gastgeber, die von Emery offenbar so gewollt war. "Wichtig war es von Anfang an, die Null zu halten", erklärte der Spanier.

Dass seine Mannschaft aber auch mindestens zwei Tore brauchte, war ihr kaum anzumerken. Diese Intensität vermisste auch Draxler: "Wir haben uns den Ball ordentlich hin- und hergeschoben, aber dafür kannst du dir nichts kaufen. Du kannst nicht nur hoffen, dass ein Tor fällt."

In dieselbe Kerbe schlug auch TV-Experte Oliver Kahn: "Die hatten die Buxe voll. Das ist eine Mannschaft, die sich an den höchsten Ansprüchen messen lassen muss - und das war heute gar nix."

PSG-Boss Al-Khelaifi hält an Projekt fest

In der kommenden Saison wird PSG mit den katarischen Millionen einen neuen Anlauf nehmen.

"Wir werden keine Änderungen vornehmen, wir werden mit dem Projekt fortfahren", kündigte Klubboss Nasser Al-Khelaifi direkt nach dem Spiel an und betonte: "Wir sind glücklich mit unseren Investitionen. Wir glauben an unsere Spieler."

Ob die Spieler allerdings auch noch uneingeschränkt an das Projekt PSG glauben? Zumindest Draxler scheint langsam genug davon zu haben, dass sich die Pariser Titelträume regelmäßig in Luft auflösen.

Vor allem, wenn er das Ganze Jahr für Jahr als Edeljoker von der Bank mit ansehen muss.

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