Istanbul - Bayern-Stürmer Sandro Wagner macht beim Kurzeinsatz gegen Besiktas Werbung in eigener Sache und wird hinterher vom Trainer und Mitspielern in höchsten Tönen gelobt.

von ,

Nach 68 Minuten ging Robert Lewandowski vom Platz.

Der Torjäger des FC Bayern hatte zuvor gegen Besiktas Istanbul wenig zustande gebracht und keine einzige Chance verzeichnet.

Für ihn kam Backup Sandro Wagner – und dem Winter-Neuzugang genügten 22 Minuten, um beim 3:1-Sieg im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League Werbung in eigener Sache zu machen.

Dazu trug vor allem Wagners Treffer zum Endstand bei, der den Nationalspieler zum Schwärmen brachte.

"Bin schon ein alter Sack"

"Das Tor bedeutet mir sehr viel. Ich bin ja mit 30 im Fußball schon ein alter Sack und jetzt habe ich noch ein Tor in der Champions League gemacht", sagte Wagner zu SPORT1.

"Es war ein toller Abend und es erfüllt mich mit Stolz, auch wenn es vom Alter sehr, sehr spät ist. Aber das ist wurscht, ich habe jetzt in fast allen Wettbewerben getroffen."

Knapp siebeneinhalb Jahre lag sein letzter von drei Einsätzen in der Königsklasse zurück, es war am 24. November 2010 beim 3:0 seines damaligen Klubs Werder Bremen über Tottenham. Damals war Louis van Gaal noch Bayern-Trainer.

Danach folgten weitere Stationen in Kaiserslautern, Berlin, Darmstadt und Hoffenheim, ehe Wagner in der Winterpause gegen eine Ablöse von 13 Millionen Euro nach zehn Jahren zu seinem Heimatverein in die Geburtsstadt München zurückkehrte.

Lob von Alaba und Heynckes

Nach zweieinhalb Monaten ist der Rückkehrer voll integriert im Team. "Ich freue mich riesig für ihn, das hat er sich verdient. Wir wissen alle, was wir an ihm haben", sagte David Alaba.

"Er gibt in den Trainingseinheiten immer Vollgas, legt in den Spielen, wo er zum Einsatz kommt, wirklich sein Herz rein und tut alles, um der Mannschaft zu helfen."

Ähnlich positiv bewertete Jupp Heynckes seinen Edeljoker.

"Sandro Wagner hat sich überragend eingefügt", erklärte der Chefcoach bei Sky: "Er trainiert immer top, ist kämpferisch und läuferisch sehr stark und hat auch schon einige Tore für uns erzielt. Ich freue mich für ihn, dass er jetzt auch in der Champions League getroffen hat."

Eigenwerbung vor Jogi Löws Augen

Wagner hinterließ nicht nur bei Heynckes Eindruck, sondern auch beim extra nach Istanbul angereisten Bundestrainer auf der Tribüne. Denn Jogi Löw muss sich aller Voraussicht nach für die Weltmeisterschaft zwischen Wagner und dessen Rivalen Mario Gomez entscheiden.

"Ich habe ja schon gesagt: Ich bin überzeugt von mir. Aber ich kann nicht immer über die WM reden. Das ist ein interessantes Thema, gerade für die Medien, das verstehe ich schon. Wir machen bei uns in der Mannschaft auch immer Späße darüber", meinte Wagner zu SPORT1.

"Bayern München zahlt mir ein fürstliches Gehalt, da muss ich Leistung bringen und kann nicht nur an die Nationalmannschaft denken. Sondern ich muss hier meine tägliche Arbeit fokussiert machen und Gas geben."

Das tut der Confed-Cup-Sieger mit großem Engagement und akzeptiert gleichzeitig seine Rolle als klare Nummer zwei hinter Lewandowski. Umso größer war seine Freude, im Hexenkessel von Istanbul noch zum Einsatz zu kommen.

"So eine Stimmung noch nie erlebt"

"Es war eine brutale Stimmung. Wir haben auch in der Kabine darüber geredet: So eine Stimmung haben wir in Europa eigentlich noch nie erlebt. Das hat richtig Spaß gemacht, auch auf der Bank hatte ich eine Gänsehaut und war froh, als ich aufs Feld durfte", berichtete Wagner.

Einen Wunschgegner für die nächste Runde in der Champions League habe er nicht. "Nein, null. Ich denke, im Viertelfinale gibt es nur gute Gegner. Aber wir sind Bayern München. Wir haben schon den Anspruch, dass wir gegen jeden Gegner weiterkommen können, wenn wir einen guten Tag haben", meinte er.

"Wir können dieses Jahr Großes schaffen, aber wir müssen jeden Tag hart dafür arbeiten. Und dann schauen wir mal, was herauskommt. Aber so eine Stimmung wie in unserer Mannschaft habe ich selten erlebt."

Doch bevor er sich höflich von den Journalisten verabschiedete, sorgte Wagner noch für große Heiterkeit. Angesprochen auf die Schwere der Verletzung des ausgewechselten Thiago antwortete er: "Da müssen Sie meinen Kollegen Müller-Wohlfahrt fragen. Ich bin Internist, er ist Orthopäde. Der kennt sich da besser aus."

Auch zur guten Stimmung bei Bayern trägt Superjoker Wagner seinen Teil bei.

Bayern überstehen die Hölle vom Bosporus

Die Bayern in der Einzelkritik