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München - Arjen Robben zeigt nach dem Kantersieg des FC Bayern über Besiktas sein Unverständnis über die Rolle als Ersatzmann. Jupp Heynckes reagiert deutlich.

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Es gab einige hochkarätige Bankdrücker beim ersten Highlight des FC Bayern im Jahr 2018.

Aber Arjen Robben war sicher das prominenteste Opfer.

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Dass er darüber sauer und enttäuscht war, machte Robben nach dem 5:0 über Besiktas Istanbul im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gleich mehrfach deutlich.

"Dazu sage ich nichts mehr. Jedes Wort wäre eins zu viel", erklärte der 34-Jährige kurz nach Abpfiff viel sagend bei Sky und präzisierte dann:

"Wenn ich meine Emotionen ausspreche, wäre ich morgen bei Brazzo oder Herrn Rummenigge. Ich weiß nicht, was es dann gibt, daher ist es besser nichts zu sagen."

Auch wenn er eine Geldstrafe oder Abmahnung nicht durch unüberlegte Wortwahl riskieren wollte, so war der Frust des Edelreservisten über seine ungewohnte Rolle deutlich spür- und hörbar.

Trainer Jupp Heynckes habe ihm seine Ausbootung aus der Startelf am Vortag mitgeteilt, berichtete Robben den zahlreichen Journalisten wenig später. Verständnis für diese Entscheidung hatte er offensichtlich keine.

Warum er nicht gespielt habe? "Das weiß ich auch nicht", sagte er knapp. "Ich war sehr überrascht."

Klare Ansage von Heynckes

Heynckes selber zeigte darauf angesprochen ein gewisses Verständnis für den Niederländer, machte jedoch gleichzeitig eine klare Ansage:

"Dass ein Spieler nicht zufrieden ist, ist ganz normal, dafür habe ich vollstes Verständnis. Aber ich muss das managen und bin für alle Spieler zuständig. Das haben die Spieler dann auch zu akzeptieren und Punkt."

Der Münchner Luxuskader, in dem momentan alle Feldspieler fit sind, birgt unübersehbares Konfliktpotenzial. Gegen Besiktas mussten die beiden WM-Kandidaten Thiago und Sebastian Rudy ebenso wie Juan Bernat sogar auf die Tribüne.

Und auf der Bank froren zunächst neben Robben auch der einst unersetzliche Franck Ribery sowie Rekord-Neuzugang Corentin Tolisso.

"Wir haben nur Härtefälle"

"Wir haben nur Härtefälle", meinte Kapitän Thomas Müller, der den Vorzug vor Robben erhalten hatte und dieses Vertrauen mit einer Gala-Vorstellung und zwei Toren rechtfertigte.

"Wir haben auf drei Mittelfeldpositionen, wenn man alle mitrechnet, sieben oder acht Spieler, die alle sehr viel Qualität haben. Und die auch alle Einsatz zeigen", so Müller leicht genervt.

Die Situation sei natürlich "heikel", schließlich sei es "unmöglich, jeden zufriedenzustellen. Das ist jedes Jahr das gleiche und jetzt ist die Situation wirklich extrem, da alle Feldspieler fit sind. Das ist für den Trainer nicht einfach und auch für die ganze Mannschaft ist es nicht so einfach, damit umzugehen."

Der Ratschlag von Müller, der unter Heynckes' Vorgängern Carlo Ancelotti und Pep Guardiola selber in wichtigen Spielen oft hatte zuschauen müssen, kam daher aus eigener Erfahrung:

"Jeder hat es bei uns verdient zu spielen und wenn man nicht spielt, muss man es akzeptieren und in positive Energie ummünzen."

Immerhin tat das Robben, als er schon nach 44 Minuten den an einer Wadenverhärtung laborierenden James ersetzte.

Zwei Torschüsse und 45 Ballkontakte standen am Ende für den Routinier zu Buche, der obendrein noch 45 Prozent seiner Pässe an den Mann brachte.

Lob von Hoeneß

"Die Hereinnahme von Arjen Robben war fantastisch", lobte Präsident Uli Hoeneß explizit den Flügelflitzer. "Nach einem schwierigen Start haben wir in der zweiten Halbzeit einen guten Rhythmus gefunden."

So bewertete auch Robben die Leistungssteigerung des Teams gegen die ab der 16. Minute mit einem Mann weniger spielenden Istanbuler nach seiner Einwechslung.

"Mit Elf gegen Elf haben wir nicht gut gespielt. Wir waren nicht gut im Spiel. Es waren leichtsinnige Fehler drin. In der zweiten Halbzeit war es dann viel besser", sagte er.

"Ich habe die zweite Halbzeit gespielt, das war glaube ich sehr gut. Mehr kann man nicht machen."

Zukunft weiter offen

Ein kaum versteckter Hinweis auf seine eigene Bedeutung für die Münchner. Allerdings wandelt Robben auf dünnem Eis.

Sollte er bei weiteren Topspielen nur zweite Wahl sein und danach weiter seine Unzufriedenheit zur Schau stellen, könnte sich das auch negativ auf die laufenden Vertragsgespräche auswirken.

Wenn sich bei den Bayern-Bossen der Eindruck verfestigen sollte, dass er seine geplante Rolle als potenzieller Ergänzungsspieler für jüngere Außenstürmer nicht akzeptiert, wäre das ein gewichtiges Argument gegen die ohnehin keineswegs sichere Verlängerung des auslaufenden Kontrakts.

" Ich bin 34 Jahre alt und arbeite jeden Tag für diese Spiele. Das ist das Sahnehäubchen", warb Robben um Verständnis für seine Unzufriedenheit:

"Solche großen Spiele wollen natürlich alle spielen, ich auch. Wenn du dann nicht zum Einsatz kommst, ist das eine schmerzhafte Geschichte."