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München - Zinedine Zidane kann mit Real Madrid die Champions League verteidigen. Im Finale geht es ausgerechnet gegen den Klub, den er einst wegen einer Serviette verließ.

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Florentino Perez hätte auf der UEFA-Gala im August 2000 in Monte-Carlo auch einfach zum Telefon greifen, seine Kontakte spielen lassen und in aller Seelenruhe an seinem "vinto tinto" nippen können.

Der Präsident von Real Madrid ist sich für den bequemen Weg aber einfach zu schade. Er mag den außergewöhnlichen, den prunkvollen, den extravaganten. Zumindest, wenn es darum geht, einen Spieler der Kategorie "Creme de la Creme" von einem Wechsel zu seinem Klub zu überzeugen.

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Also bat Perez einen Kellner um einen Stift, griff zu einer Serviette und beschriftete diese auf Französisch mit den Worten: "Willst Du für Real Madrid spielen?" Er reichte sie einem Mann, der nicht weit von ihm entfernt saß - und bekam schnell eine Antwort.

"Der glücklichste Tag meines Lebens"

"Ja", stand kurz darauf auf der Serviette von Perez. Es war die Zusage von Zinedine Zidane, dem damals heißbegehrten Weltfußballer in Diensten von Juventus Turin. Und der Beginn einer der größten Erfolgsgeschichten des Fußballs.

"Der Tag, an dem mir Florentino diese Serviette gab, war der glücklichste meines Lebens", erinnerte sich Zidane später in einem Interview im Magazin Vogue an jene Verhandlung im Fürstentum zurück: "Ich war beeindruckt und werde diesen Moment niemals vergessen."

Knapp zwölf Monate nach seinem Geständnis unterschrieb er - auf echtem Papier - seinen Vertrag bei Real. Für eine damalige Rekordsumme von 73,5 Millionen Euro. Der Aufschrei war riesig - im Nachhinein aber unberechtigt.

Volley gegen Leverkusen als Höhepunkt

"100 Millionen können günstig und 20 Millionen teuer sein. Zizou war der günstigste Spieler, den wir je verpflichtet haben", meint Perez rückblickend. 

Der spanische Bauunternehmer klopft sich noch heute für seinen Servietten-Coup auf die Schulter. Mit gutem Recht. Denn der Name Zidane fällt längst in einem Atemzug mit Reals größten Legenden Alfredo Di Stefano, Ferenc Puskas, Paco Gento und Raul. 

In Erinnerung bleibt vor allem sein Volley-Tor im Champions-League-Finale 2002 gegen Bayer Leverkusen. Jener Geniestreich brachte Real den Titel, bildete den Höhepunkt einer famosen Ära. Doch auch mit seiner eleganten Spielweise wurde Zidane seinem Status als "Galactico" stets gerecht.

Zweiter CL-Sieg im zweiten Trainer-Jahr?

Als der Mittelfeldspieler 2006 schließlich seine aktive Karriere beendete, weinten er und tausende Fans im Santiago Bernabeu bittere Tränen. Doch das war nicht das Ende. Er kehrte zehn Jahre später auf seine frühere Lieblingsbühne zurück. Als Trainer. Und gewann ebenfalls in seinem ersten Jahr die Champions League.

"Ich kann mich verdammt glücklich schätzen, das zu tun, was ich gerne tue. Mit dieser Mannschaft ist es nicht schwierig, zu gewinnen", sagt der seit eh und je bescheidene Franzose, seit kurzem auch spanischer Meister.

Ihm ist kaum anzumerken, dass er vor der historischen Chance steht, die Königsklasse zu verteidigen. Dabei müsste Zidane vor dem Finale in Cardiff (Sa., ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) doppelt aufgeregt sein.

"Madridista" und "Juventino"

Er trifft mit seinem Starensemble um Cristiano Ronaldo und Toni Kroos auf Juventus. Den Verein, den er einst für Real verließ.

"Ich habe fünf Jahre für Juventus gespielt und gute Erinnerungen an diese Zeit", betont der mittlerweile 44-Jährige. Er sei "Madridista", aber "auch immer noch Juventino".

Mit der "Alten Dame" gewann Zidane zwei Mal den italienischen Scudetto, verlor aber auch zwei Champions-League-Endspiele. 1997 gegen Borussia Dortmund. 1998 gegen Real.

Auch deshalb zog Zidane einen Schlussstrich unter das Kapitel Juventus. Auf einer Serviette.