FC Bayern Muenchen v Juventus - UEFA Champions League Round of 16: Second Leg
FC Bayern Muenchen v Juventus - UEFA Champions League Round of 16: Second Leg © Getty Images
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München - Im Halbfinale der Champions League trifft Bayern auf die ekligste Mannschaft Europas. Ein Spiel wie gemacht für Arturo Vidal. Gegen Atletico wird er zur entscheidenden Figur.

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Beim FC Bayern ist man Superlative ja gewohnt. Unter der Ägide Pep Guardiolas gab es bereits so viele Lobeshymnen, dass der neutrale Beobachter schon mal den Überblick verliert.

In diesen Tagen wird man jedoch hellhörig, wenn sie beim Rekordmeister mal wieder einen der ihren preisen.

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In den letzten Wochen ging es dabei meistens um Arturo Vidal, der derzeit bei allem brilliert, was er macht: Er ist Abräumer, Antreiber und Goalgetter in einer Person. 

Nach dem Triumph gegen Benfica Lissabon schwärmte Manuel Neuer, der Chilene sei in den K.o.-Spielen der Champions League "fast immer der beste Mann". Für Kumpel Javi Martinez ist der 28-Jährige sogar "im Moment wichtigster Spieler" der Königsklasse. Worte des Respekts. Worte der Anerkennung.

"Vidal sammelt Skalps"

Vidal hat die Kombination aus furchteinflößender Zweikampfführung und spielentscheidenden Angriffsimpulsen im Laufe der Rückrunde so perfektioniert, dass er im Halbfinale gegen Atletico Madrid (Mi., ab 20.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) zur entscheidenden Figur werden könnte. 

Die Bayern treffen auf die ekligste Fußball-Mannschaft der Welt. Da braucht es einen wie "el guerrero", den Krieger.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schrieb am Wochenende, die Bayern hätten Vidal "zum Sammeln von Skalps" verpflichtet - "im Frühjahr, wenn die K.o.-Spiele kommen". Der Trophäenjäger erlebt also gerade Hochsaison. 

Atletico käme den Bayern zur rechten Zeit vor die Flinte, wäre da nicht ein Problem: Die Spanier haben eine ganze Horde Vidals in ihren Reihen. Spieler, die ihre Gegner über den gesamten Platz verfolgen - ganz so wie es ihr Trainer verlangt. 

"Wenn ich Schlamm sehe, werfe ich mich hinein. Arbeit ist alles" - diese Ideologie hat Atleticos Einpeitscher Diego Simeone seinem Team eingeflößt. Aus ihr entstanden ist ein Spielstil, der europaweit gefürchtet ist. Nach dem FC Barcelona sollen das jetzt auch die Bayern spüren. 

Atletico eine "Ohrfeige für den Fußball"

Überspitzt gesagt tritt Atletico nach allem, was rollt und läuft. Da schadet es nicht, wenn auf der Gegenseite zumindest ein Gesinnungsgenosse steht, der dieses Handwerk ebenfalls trefflich beherrscht.

Vidal ist die bayrisch-chilenische Form des "Drecksack"-Fußballers. Bei Atletico besteht die gesamte Mannschaft aus solchen Typen. 

Als sich die Rojiblancos 2014 anschickten, den Titel in Spanien zu holen und die Rivalen Barca und Real vom Thron zu stoßen, schwante dem damaligen Getafe-Coach Luis Garcia bereits Böses. Atleticos rabiater Spielstil sei eine "Ohrfeige für den spanischen Fußball", sagte er damals.

Garcia ahnte wohl, dass Simeone und Co. auch in Europa zum Siegeszug ansetzen würden. Auch weil Atleticos Gegner es vor allem in dieser Saison nicht verstehen, ein Gegenmittel auf die provokant passive Spielweise des argentinischen Trainers zu finden. 

"Keiner verteidigt so wie Vidal"

"Ballbesitz ist gut, aber bis zu welchem Punkt?", sagte Simeone einmal. "Ich habe lieber weniger den Ball und dafür mehr Torchancen."

In der Champions League gibt es nur wenige Spieler, die sich mit dieser Philosophie anfreunden können - Vidal ist einer von ihnen. Der Krieger ist Bayerns Antwort auf Atleticos Zerstörer. 

Der Mittelfeldchef soll im Hexenkessel Vicente Calderón den Abfangjäger spielen. Verhindern, dass Atlético Bälle erobert und geschwaderartig nach vorne stürmt.

Eine Aufgabe, die er sich selbst als Mission auferlegt hat - schon bei seiner Vorstellung in München im Sommer. Damals sagte Vidal: "Ich bin in dieser Rolle der Beste, weil keiner so gut wie ich verteidigt."

Den Bayern käme es nur gelegen, wenn dieser Superlativ auch nach Mittwoch bestehen bliebe.