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Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer blickt auf den wackelnden FC Bayern und spricht über die offene Zukunft von Topstürmer Wout Weghorst.

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Mit dem Prädikat "Topspiel” war das Aufeinandertreffen des VfL Wolfsburg mit dem FC Bayern lange nicht mehr versehen.

Am Samstag ist aber alles anders, denn die Wölfe (Platz drei) empfangen den Spitzenreiter aus München. (Bundesliga: VfL Wolfsburg - FC Bayern, Sa. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

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Gewinnt Wolfsburg, ist die Champions-League-Teilnahme so gut wie sicher. Lassen die Bayern erneut Punkte liegen, bleibt der Meisterschaftskampf trotz Leipzigs Ausrutscher weiter spannend. 

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Im Interview spricht Sportdirektor Marcel Schäfer über das Verfolgerduell, den Vertrag von Wölfe-Stürmer Wout Weghorst (18 Tore/Vertrag bis 2023), Transferentscheidungen beim VfL, Bundestrainer Joachim Löw und dessen möglichen Nachfolger: Hansi Flick.  

Im SPORT1 Podcast "Meine Bayern-Woche" sagt Schäfer, was er vom Bayern-Zoff hält und gibt einen Tipp ab.  

SPORT1: Herr Schäfer, erst das Remis gegen Union Berlin, dann das Aus in der Champions League gegen Paris. Wackeln die Bayern? 

Marcel Schäfer: Das denke ich nicht. Wenn die Bayern unter Druck sind, lassen sie meistens Taten sprechen. Dass man in der Champions League gegen eine sehr gute Mannschaft wie Paris Saint-Germain ausscheidet, kann passieren. Ich habe beide Spiele gesehen und ihnen als deutscher Mannschaft selbstverständlich die Daumen gedrückt. Bayern war in den zwei Spielen jeweils die bessere und dominierende Mannschaft. Vor allem im Hinspiel haben sie extrem viele Chancen ausgelassen und sind als Verlierer vom Platz gegangen, was total unnötig war. Trotzdem haben sie in Paris eine ordentliche Partie abgeliefert. Jetzt haben sie nur noch den Fokus auf der Bundesliga und spielen am Samstag gegen uns. Auf diese Partie freuen wir uns. Wir wollen den Bayern natürlich ein Bein stellen und die drei Punkte hier in Wolfsburg behalten.  

Schäfer: "Wir wissen, wo wir herkommen"

SPORT1: Dass Wolfsburg gegen Bayern ein Topspiel ist, gab es schon lange nicht mehr.  

Schäfer: Ja, absolut richtig (lacht). Das spricht auch für unsere gezeigten Leistungen der bisherigen Saison. Wir wissen aber, wo wir herkommen. Denn es ist noch nicht allzu lange her, dass wir in der Relegation um den Verbleib in der Bundesliga kämpfen mussten. Der ist uns im letzten Schritt glücklicherweise gelungen und seitdem haben wir wirklich eine tolle Entwicklung genommen.  

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1 

SPORT1: Zwischen Hansi Flick und Hasan Salihamidzic herrscht auch deshalb Eiszeit, weil der Trainer von seinem Vorgesetzten öffentlich Neuzugänge gefordert hat. Ähnlich war es mit Oliver Glasner und Jörg Schmadtke. Wie haben Sie den Disput gelöst?  

Schäfer: Im vergangenen Herbst gab es eine Diskussion um die Kaderplanung und Transfers. Das haben wir mit dem Trainer ganz offen und ehrlich besprochen und ihm unsere Sicht der Dinge geschildert. Wenn mehrere Personen aufeinandertreffen und über Fußball, Philosophien, Spieler und Kader diskutieren, dann gibt es eben manchmal unterschiedliche Meinungen. Für mich ist es kein Problem, wenn man sich mal reibt. Das gehört dazu, das kann sogar förderlich sein. Dann wird eben kontrovers und konstruktiv diskutiert. Das Thema Kaderplanung muss aber immer intern bleiben und darf niemals in der Öffentlichkeit diskutiert werden.  

SPORT1: Wer entscheidet beim VfL Wolfsburg final darüber, wer kommt, wer geht und wer bleiben darf?  

Schäfer: Letztendlich entscheidet das immer der Verein. Wir sind bei uns mit dem Trainer im Austausch und fragen ihn, wie seine Vorstellungen sind, wie man den Kader punktuell verstärken oder ergänzen kann. Was die Ausarbeitung der Profile für das nächste Transferfernster angeht, sind wir ebenfalls mit dem Trainer und der Scouting-Abteilung im Austausch. Unsere Aufgabe ist es dann, ihnen unsere Gedankengänge näherzubringen. Dann legen wir die Ideen komplett übereinander und treffen eine Entscheidung. 

Joachim Löw hat "extrem viel für den deutschen Fußball getan"

SPORT1: Welche Entscheidung erwarten Sie von Hansi Flick: Wird er der neue Bundestrainer oder bleibt er beim FC Bayern? 

Schäfer: Das kann ich ehrlich gesagt nicht beantworten. Ich hoffe, dass für alle Beteiligten eine gute Lösung gefunden wird. Ich würde mir vor allem wünschen, dass Joachim Löw ein erfolgreiches Turnier spielt. Er hat extrem viel für den deutschen Fußball getan. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat uns unter seiner Regie extrem viel Freude bereitet, mit dem Höhepunkt des Gewinns der Weltmeisterschaft. Ich hoffe, dass er im Sommer einen würdigen Abgang erfährt und dann freue ich mich auf eine neue Ära mit einem neuen Bundestrainer. Da wird der DFB mit Sicherheit eine richtige Entscheidung treffen und die richtigen Weichen für die Zukunft stellen.  

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SPORT1: Stichwort EM: Maximilian Arnold war zuletzt enttäuscht, weil er zu den drei WM-Qualifikationsspielen nicht berufen wurde. Zu Recht?  

Schäfer: Maximilian Arnold hat einen erheblichen Anteil an der Entwicklung des VfL Wolfsburg. Er ist ein Schlüsselspieler in unserem Spiel und hat über einen langen Zeitraum sehr gute Leistungen abgerufen. Ich hätte mich sehr gefreut und hätte es ihm auch gewünscht, dass er zumindest mal die Chance bekommt, sich in der Nationalmannschaft zu zeigen. Denn die Nationalmannschaft sollte immer eine Auszeichnung bleiben für die erbrachten Leistungen im Klub und er hätte sich eine Chance mehr als verdient.  

Baku "jung, hungrig und entwicklungsfähig"

SPORT1: Schafft es Ridle Baku auf den EM-Zug? 

Schäfer: Ridle hat in der U21 sehr gute Leistungen gezeigt. Nicht nur auf der Rechtsverteidiger-Position, sondern auch eins weiter vorne, auf dem rechten Flügel. Aufgrund dieser gezeigten Leistungen und seines noch jungen Alters ist er aus meiner Sicht absolut ein Kandidat für die EM im Sommer.    

SPORT1: Was zeichnet ihn aus? 

Schäfer: Er ist jung, hungrig, sehr ehrgeizig und entwicklungsfähig. Vom Charakter her ist er ein sehr lebensfroher Mensch, der immer ein Lächeln im Gesicht hat. Trotzdem ist er noch ein bisschen schüchtern. Wir sind sehr stolz darauf, dass er sich für uns entschieden hat und tolle Leistungen für unseren Verein bringt.  

SPORT1: War der FC Bayern im vergangenen Jahr an ihm dran? 

Schäfer: Nachdem wir ihn verpflichtet haben, kam das medial hoch. Bei Ridle war es so: Nachdem er jahrelang in Mainz gespielt hat, wollte er den nächsten Schritt machen. Den hat er bei uns gesehen. Ridle hat sich dann für uns entscheiden und hat jetzt einen großen Anteil daran, dass wir im Moment in so einer guten Ausgangsposition sind. Deshalb glaube ich, dass er nicht das letzte Talent sein wird, dass zu uns kommt. Es werden hoffentlich mehrere junge Spieler folgen, die wir weiterentwickeln und für einen gewissen Zeitraum in ihrer Karriere begleiten und aufs nächste Level bringen können. Wolfsburg ist aus meiner Sicht ein absoluter Top-Standort für junge Spieler in einem ruhigen Umfeld. Wir sind ein Verein, der Arbeit und Entwicklung ganz groß schreibt.  

Schäfer: "Wir wollen da bleiben"

SPORT1: Bei welcher Summe kann Wout Weghorst im Sommer wechseln? 

Schäfer: Darüber mache ich mir im Moment keine Gedanken. Der Fokus liegt klar auf dem Ziel: Teilnahme am internationalen Geschäft. Und wenn man so kurz vor Ende der Saison auf dem dritten Tabellenplatz steht, dann möchte man dort bleiben. Dieser Aufgabe widmet sich Wout Weghorst zu 100 Prozent. Das weiß ich, weil ich tagtäglich mit ihm zu tun habe und sehr oft mit ihm im Austausch bin. Was dann im Sommer passiert, kann ich im heutigen Fußball-Business nicht voraussagen. Aber klar ist auch, dass es vorkommen kann, dass der eine oder andere Spieler, der sich toll weiterentwickelt hat, den nächsten Schritt machen möchte. Diese Komponente ist ein Teil unserer Philosophie. Wir sind immer bestrebt, den Kern unserer Schlüsselspieler langfristig hierzubehalten, weil Konstanz eine ganz wichtige Rolle spielt. Und darüber hinaus hat jeder Spieler einen bindenden Vertrag. 

SPORT1: Lassen Sie sich die Champions League noch nehmen? 

Schäfer: Im Fußball ist nichts garantiert. Klar ist, wir haben eine sehr gute Ausgangsposition. Wir wollen da bleiben. Wir können die Aufgaben, die vor uns stehen, sehr selbstbewusst angehen, weil wir wirklich ein extremes Vertrauen in unsere Mannschaft haben. Wenn wir so auftreten, wie in den letzten Wochen und Monaten, dann können wir die kommenden Aufgaben bestehen. Auch, wenn es gegen die Top-Mannschaften in der Bundesliga geht. Wir sehen das als Chance und Herausforderung.  

SPORT1: Eine Herausforderung ist sicherlich auch Ihre Teilnahme am ersten DFB-Lehrgang "Sportdirektoren der Zukunft". Wie läuft’s? 

Schäfer: Dieser Lehrgang bereitet junge, talentierte und angehende Sportdirektoren noch besser auf diese Aufgabe vor. Dort werden zudem Themen wie Scouting, Nachwuchsleistungszentren und DFL-Direktion angerissen, um noch mehr Verständnis für die DFL und das ganze Verbandswesen zu bekommen. Ich finde es sehr wichtig, dass man über den Tellerrand hinausschaut. Ich möchte auch immer ein Lernender bleiben.

Mehr Personalnews erfahrt ihr im neuen SPORT1 Podcast "Meine Bayern-Woche", den kein Bayern-Fan verpassen darf!

SPORT1 Chefreporter Florian Plettenberg spricht mit SPORT1 Moderatorin Jana Wosnitza in Folge fünf wie immer über die Themen und News der Woche beim FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft. Ab sofort immer freitags: „Plettigoal” verrät die Tendenz bei Hansi Flick und den Zeitplan des Gipfel-Treffens mit den Bossen. Stefan Effenberg analysiert den FC Bayern und die wichtigsten Personalien. Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer schätzt die Chancen gegen die Münchner ein. Der SPORT1 Podcast „Meine Bayern-Woche” ist auf podcast.sport1.de, in der SPORT1 App und auf den gängigen Streaming-Plattformen Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music, Deezer und Podigee abrufbar.