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München - In seiner SPORT1-Kolumne setzt sich Marcel Reif mit dem Beben rund um die Super League auseinander. Auch zur Nachfolge von Hansi Flick hat er eine klare Meinung.

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Hallo Fußball-Freunde,

die Gründung der Super League hat die ganze Fußball-Welt in Aufruhr versetzt. Dazu muss ich zunächst einmal sagen: Das kann man nicht unprofessioneller machen. So wie die Super League geplant wurde, war das dilettantisch. 

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Die Idee gibt es ja schon lange. Bayern und Dortmund haben das sehr geschickt gemacht. Sie haben gespürt, dass das so nicht funktionieren wird. Aber sie sind längst in diese Gespräche involviert. Davon gehe ich mal aus.

Auf Dauer wird die Super League auch gar nicht zu verhindern sein. Diese Klubs drehen an einem Rad, das mit dem Rad der Klubs in den nationalen Ligen nichts zu tun hat. Das muss man nicht mögen, aber sie werden eine Lösung finden müssen. Was die an Geld da oben herumschieben, wird ja niemandem geklaut. 

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Man kann sich ja nicht mal empören. Real Madrid wird Kylian Mbappé in Corona-Zeiten für 180 Millionen holen. Die spielen in einer eigenen Welt. Was die "alten" Fans mit ihrem Aufstand erreicht haben, ist nur eine Zwischenetappe. 

Champions-League-Reform ein jämmerlicher Versuch

Ich warne davor, das alles mit moralischen Begriffen zu begleiten. Es geht darum: Will man das amerikanische Sportmodell? Das ist durchaus attraktiver Sport. Nur hat das mit unseren traditionellen Vereinen nicht mehr viel zu tun. 

Wenn die sich verabschieden, muss das für die nationalen Ligen nicht die Katastrophe sein. Ich weiß nicht, wie das auf Dauer noch spannend sein soll, wenn der Deutsche Meister immer FC Bayern heißt. Das kann ich für die nächste Saison schon jetzt sagen. Natürlich ist das Kapitalismus und ein geschlossener Wahnsinn. In normalen Ligen kriegst du eine Salary Cap nicht durch, das geht nicht mit europäischem Recht.

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Die Super League könnte ein weltweites Fernsehpublikum erreichen. Es ist Entertainment-Publikum - und der Fußball wird großartig sein, das ist unbestritten. 

Wenn die UEFA den Spielern sagt, ihr könnt nicht mehr WM oder EM spielen, dann muss ich sagen: Das Turnier schaue ich mir an, wenn die großen Spieler nicht mehr dabei sind. Was mit der Champions-League-Reform passiert, ist ein jämmerlicher Versuch, Zeit zu gewinnen.

Bei Mainz ist alles wie gemalt

Kommen wir zum Sportlichen. Der FC Bayern hat beim FSV Mainz 05 eine überraschende Pleite kassiert - und muss die Meisterfeier verschieben. 

Die eigentliche Story ist dabei aber nicht der Rekordmeister, sondern die Mainzer. Sie machen gerade alles richtig und sind bei sich. Nach der Hinrunde hatten sie sieben Punkte, jetzt hast du das Gefühl, es ist wie gemalt.

Der Klub hat Mut bewiesen. Christian Heidel war ein großes Risiko. Er ist weggegangen und wieder geholt worden. Jetzt ist er da - und es ist wie mit Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Man hat das Gefühl, er braucht nur die Hand aufzulegen und alles ist wieder gut.

Da vergisst man, dass so eine Rückkehr auch krachend schiefgehen kann. In Mainz haben aber alle ihre Rollen gefunden. Es ist eine klare Hierarchie, jeder weiß, was sein Job ist. Wie wichtig das ist, kann man beim FC Bayern erfragen. 

Der Mainzer Erfolgslauf wird einem fast schon unheimlich. Mehr richtig kannst du nicht machen. (SERVICE: Das Restprogramm im Abstiegskampf)

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Flick präferiert das englische Managermodell

Ich habe es bereits angeschnitten, beim FC Bayern läuft es derzeit alles andere als harmonisch ab. 

Man muss bei der Situation in München klarstellen, dass Hansi Flick nicht von den Bayern weggeht, weil er zum DFB möchte. Das ist für mich vielmehr eine sachliche Machtfrage.

Ich glaube, Flick präferiert das englische Managermodell. Die letzte Instanz ist der Trainer, der eine Mannschaft zusammenstellt. Er hat von den Bayern mitgeteilt bekommen, alles unter zwei Titeln ist eine ganz schlechte Saison. Dann sagt er: "Wenn ich das abliefern soll, muss ich die Macht haben."

Die Bayern wollen das aber nicht, weil es in Deutschland einfach nicht üblich ist. Der Sportdirektor steht hier über dem Trainer. Der Klub muss das letzte Wort haben - und an der Säbener Straße hat das Hasan Salihamidzic als Sportvorstand.

Es ist völlig in Ordnung, wenn Flick sagt, dass er so nicht weiterarbeiten will. Ich halte das für undramatisch. Mir ist wurst, wie sie persönlich miteinander klar kommen.

Flick-Nachfolger? Mir fällt nur einer ein

Bei der Frage um einen passenden Nachfolger für Flick fällt mir nur einer ein - und das ist Julian Nagelsmann. Mir fällt kein anderer ein. Es sei denn, man will mit José Mourinho sportlichen Selbstmord begehen. Jürgen Klopp wird von so manchem ins Spiel gebracht. Doch zu ihm muss man sagen, dass die Fallhöhe brutal ist nach dem Erfolg im letzten Jahr.

Ich schätze ihn nicht so ein, dass er jetzt in dieser Situation Liverpool verlässt. Das hätte einen ganz schlechten Beigeschmack. Deshalb glaube ich nicht, dass er jetzt schon zur Verfügung steht. Nagelsmann gilt ebenfalls als einer, der sagt, ich habe hier unterschrieben und ich mache hier auch keine Stimmung.

Wenn das mit Nagelsmann trotzdem eintritt, dann hast du den Domino-Effekt. Das müssen die Verantwortlichen in Leipzig dann erst einmal hinkriegen. Daher kann es gut sein, dass Leipzig Nagelsmann nicht abgegeben will. Dann wird es schwer für die Bayern. Ich glaube nicht, dass die Bayern mit Herrn Mateschitz und RB in einen Konflikt gehen. Eventuelle Verhandlungen müssen in sauberen Absprachen geschehen. 

Abenteuerliche Vereinsführung auf Schalke

Negative Schlagzeilen gab es zuletzt - mal wieder - aus Gelsenkirchen. 

Die Jagdszenen nach dem feststehenden Aufstieg vor dem Vereinsgelände waren erschreckend. Was ich nicht verstehe: Der Verein wusste das. Er hat die Mannschaft mit dem Bus zu dieser "Aussprache" fahren lassen, nachdem diese Typen schon einmal bei einer Mannschaftssitzung im Hotel aufgetaucht waren. Das ist abenteuerliche Vereinsführung. Das ist in vielerlei Hinsicht die letzte Ölung.

Wenn du denkst, es ist alles gesagt, bekommst du diese Bilder noch mal vorgeführt. 

Bis demnächst
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.