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München - Der FC Bayern ist in der Bundesliga klar auf Kurs Richtung Titelverteidigung. In den anderen Topligen haben die Vorjahresmeister dagegen große Probleme.

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Auf den ersten Blick sieht alles aus wie immer.

Der FC Bayern München ist spätestens seit Samstagabend endgültig auf dem Weg zur neunten Meisterschaft in Folge. Im Bundesliga-Topspiel siegte das Team von Hansi Flick bei RB Leipzig mit 1:0 und vergrößerte den Abstand zum Tabellenzweiten aus Sachsen nach 27 Spieltagen auf sieben Punkte. (Tabelle der Bundesliga)

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Alles wie immer also? Mitnichten.

Die Saison 2020/21 ist alles andere als eine gewöhnliche. Das wurde schon früh bei einem Blick auf den Terminplan deutlich. Aufgrund der Verzögerungen durch die Corona-Pandemie begann die Saison erst Mitte September. Die verlorene Zeit musste natürlich wieder aufgeholt werden, schließlich soll im Sommer 2021 die EM nachgeholt werden. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

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Die Folge: Ein zusammengepresster Spielplan und eine damit einhergehende Belastung, die es im europäischen Profifußball wohl so noch nie gegeben hat. Experten sagten vielen Teams große Probleme voraus, machten sich Sorgen um die Gesundheit der Profis.

Liverpool mit 25 Punkten Rückstand auf Spitze

Und sie hatten recht: Ein Blick in die europäischen Top-Liegen zeichnet ein klares Bild. Die Meister der Vorsaison tun sich in dieser Spielzeit unheimlich schwer, an das Niveau des Vorjahres anzuknüpfen.

In der Premier League zieht Manchester City einsam seine Kreise. Dem Team von Pep Guardiola dürfte der Meistertitel bei über zehn Punkten Vorsprung auf Verfolger Manchester United kaum noch zu nehmen sein.

Und der FC Liverpool? Der Vorjahresmeister schien anfangs an seine Fabelsaison 2019/20 anknüpfen zu können. Das Team von Jürgen Klopp stand zum Jahreswechsel an der Tabellenspitze und war auf Kurs Titelverteidigung. Was dann folgte war ein Einbruch dramatischen Ausmaßes. Von den 14 Premier-League-Spielen im Jahr 2021 verloren die Reds acht. (Tabelle der Premier League)

Aktuell ist die Klopp-Elf nicht mal mehr auf einem Europa-League-Platz zu finden. Der Rückstand auf die Guardiola-Truppe beträgt 25 Punkte, die Meisterschaft auch schon rechnerisch nicht mehr möglich.

Gerade bei den Reds war das Verletzungspech ein wesentlicher Anteil für die sportliche Krise. Mit Virgil van Djik, Joe Gomez und Joel Matip fällt die komplette Stammverteidigung schon seit längerem aus. Klopp muss eine Abwehr immer wieder umbauen und teils auf blutjunge Verteidiger setzen. Immerhin in der Champions League sind die Reds noch vertreten und treffen im Viertelfinale auf Real Madrid.

Real überwindet Herbstkrise

Auch die Königlichen hinken in dieser Saison dem Anspruch hinterher. Die Formkurve des Teams von Zinedine Zidane verläuft allerdings etwas gegensätzlich zu der der Reds. Nach einem schwachen Herbst schien der Meisterschaftszug schon früh abgefahren zu sein, in der Champions League retteten sich die Königlichen trotz schwacher Gruppenphase am letzten Spieltag durch ein 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach ins Achtelfinale.

Danach folgte die Trendwende. Seit Ende November verlor Real nur ein einziges La-Liga-Spiel. Inzwischen sind die Königlichen bis auf drei Punkte an Tabellenführer und Stadtrivale Atlético herangerückt. (Tabelle von La Liga)

Und auch die Madrilenen blieben nicht frei von Verletzungen. Eden Hazard ist auch in seiner zweiten Saison in Madrid kein Faktor, der Belgier ist mehr mit seinem Körper als mit allem anderen beschäftigt, absolvierte auch verletzungsbedingt erst rund 630 Pflichtspielminuten.

Auch Kapitän Sergio Ramos ist in der aktuellen Spielzeit ungewöhnlich häufig verletzt, aktuell laboriert der 35-Jährige an einer Muskelverletzung, muss auch gegen Liverpool passen. Die Probleme der Königlichen hatten auch viel mit dem Ausfall von Ramos zu tun.

PSG verliert Platz eins

Auch Paris Saint-Germain hat in dieser Saison mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen. Im Viertelfinalhinspiel der Königsklasse gegen die Bayern fällt gleich eine Handvoll Spieler aus. Superstar Neymar verpasste verletzungsbedingt bereits 18 Pflichtspiele, mit Alessandro Florenzi fällt nach Marco Verratti bereits der zweite Spieler wegen eines positiven Coronatests aus.

An Weihnachten musste Trainer Thomas Tuchel seinen Hut nehmen, unter Nachfolger Mauricio Pochettino wurde es bisher nicht wirklich besser. Von nationaler Dominanz wie in den vergangenen Jahren ist nichts zu sehen, am Wochenende verlor Paris durch ein 0:1 gegen den OSC Lille sogar die Tabellenführung. (Tabelle der Ligue 1)

In Italien bahnt sich derweil eine kleine Sensation an. Juventus Turin droht seine Saison ohne Meisterschaft. Zur Erinnerung: Die Alte Dame holte zuletzt neunmal in Folge den Scudetto, dominierte die Serie A also ähnlich wie die Bayern die Bundesliga.

Doch aktuell steht Juve nur auf Rang vier - zwölf Zähler hinter Spitzenreiter Inter Mailand. Auch in der Champions League kam bereits das Aus. Im Achtelfinale unterlag das Team von Andrea Pirlo dem Underdog FC Porto.

Ronaldo-Tore reichen Juventus nicht

An Superstar Cristiano Ronaldo liegt es nicht, dass die Italiener so weit hinter ihren Ansprüchen zurückhängen. Der Portugiese ist auch mit 36 Jahren topfit, mit 24 Saisontoren in 25 Ligaspielen in Torlaune. Doch dafür haperte es in anderen Mannschaftsteilen, insbesondere in der Abwehr.

Was macht Bayern also anders als die internationale Konkurrenz? Eins lässt sich festhalten: Auch die Flick-Elf ist weit entfernt von einer makellosen Saison. Gerade in der Defensive offenbarte der Triple-Sieger teils große Probleme, hat in 27 Ligaspielen bereits 35 Gegentore hinnehmen müssen - eins mehr als in der gesamten Vorsaison. (Tabelle der Serie A)

Im DFB-Pokal ereilte die Bayern das Aus in der 2. Runde gegen Zweitligist Holstein Kiel. Das erste Mal seit 20 Jahren schied der Titelverteidiger so früh im Pokal aus. 

Auch das Verletzungspech machte vor den Münchnern nicht halt. Kaum ein Spieler überstand die bisherige Saison unbeschadet, selbst der immer fitte Thomas Müller müsste nach einem positiven Corona-Test vier Pflichtspiele aussetzen.

Dennoch absolvierte der Triple-Sieger die Gruppenphase der Königsklasse ohne Probleme, wurde auch im Achtelfinale von Lazio Rom nur bedingt gefordert.

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Bayern ohne Sommerpause

Und das, obwohl die Münchner im Vergleich mit den vielen Konkurrenten sogar das wohl härteste Programm überhaupt hatten. Zwischen Champions-League-Finale und Saisonstart lagen gerade mal drei Wochen, eine richtige Sommerpause? Fehlanzeige. Dazu legte die Flick-Elf Anfang Februar noch einen Zwischenstopp in Katar ein und machte durch den Gewinn der Klubweltmeisterschaft das Sextuple perfekt.

Neben der unmenschlichen Torquote von Weltfußballer Robert Lewandowski, der die nächsten Wochen mit einer Bänderdehnung im Knie verpassen wird, ist vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit und die Gier nach Erfolg Schlüssel für die Flick-Elf.

"Es liegt an der Qualität, wie die Mannschaft den Erfolgen gierig nachjagt. Ich habe Thomas Müller nach dem Spiel völlig emotional gesehen - und wohin geht er? Zu einem anderen totalen Mentalitätsspieler, Joshua Kimmich. Brust an Brust, das ist totale Energie", erklärte der ehemalige Bundesliga-Trainer Achim Beierlorzer im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 das Erfolgsrezept des Triple-Siegers.

Die Bayern sind - anders als in weiten Teilen der vergangenen Saison - nicht unverwundbar. Und dennoch sind sie national das Maß aller Dinge.

Das haben die Münchner der internationalen Konkurrenz voraus.