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Augsburg - Markus Weinzierl übernimmt zum zweiten Mal den Trainerposten beim FC Augsburg. Es ist eine Heimkehr, die vor knapp fünf Jahren nicht abzusehen war.

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Es war der 1. Juli 2016, als der damals dienstälteste Trainer der Bundesliga aus seinem Amt ausschied. 

Gemeint ist damit Markus Weinzierl, der beim FC Augsburg auf den Tag genau vier Jahre zuvor den Trainerposten übernommen hatte. "Die richtige Entscheidung für beide Seiten", nannte der Coach die Trennung damals bei der Zeit und schickte auch eine Begründung hinterher: "Wir haben alles erreicht, was wir zusammen erreichen konnten. Jetzt muss einer mit neuen Ideen und neuen Visionen übernehmen."

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Knapp fünf Jahre später scheint es für Weinzierl in Augsburg nun doch wieder etwas zu erreichen zu geben. Er wird die Nachfolge von Heiko Herrlich antreten, der mit den Rot-Grün-Weißen in arge Abstiegsnot geraten ist. 

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Es ist die Geschichte einer unerwarteten Heimkehr. 

Weinzierl führte FCA in die Europa League

Am 1. Juli 2016 war in Augsburg wohl fast kein Fußball-Fan und -Experte davon ausgegangen, dass Weinzierl eines Tages wieder auf der Trainerbank in der Fuggerstadt sitzen würde. 

Immerhin peilte der Coach den nächsten Schritt an - und einen großen noch dazu. Die Trennung hatte einen königsblauen Grund namens FC Schalke 04. In Gelsenkirchen waren sie auf den gebürtigen Straubinger, der als Aktiver unter anderem für die zweite Mannschaft des FC Bayern auflief, aufmerksam geworden. 

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Kein Wunder, denn in Augsburg hatte Weinzierl beeindruckende Arbeit geleistet, den FCA in der Spielzeit 2014/15 in die Europa League geführt. In dieser hatte der Klub dann die Gruppenphase überstanden - und scheiterte in der Zwischenrunde nach einem 0:0 zu Hause denkbar knapp am FC Liverpool. Das Rückspiel ging mit 0:1 verloren. 

Weinzierl hat also das erfolgreichste Kapitel des FC Augsburg in der Vereinsgeschichte mitgeschrieben. Er schien bereit für den nächsten Schritt bei einem deutlich größeren Klub. (Die Geschichte von Augsburgs erstaunlichem Aufschwung)

Weinzierl scheitert auf Schalke

Schon bei seiner Vorstellung auf Schalke dürfte Weinzierl bewusst geworden sein, auf was er sich da eingelassen hat.

Eine der ersten Fragen aus den Reihen der Journalisten war, ob er mit den Knappen denn nun um Titel mitspielen werde. "Mit mir hat hier noch niemand über Titel gesprochen. Wenn wir alles gut analysieren und konzentriert arbeiten, bekommen wir das, was uns zusteht", lautete die Antwort, bei der er die Bodenständigkeit aus Augsburg mit den Erwartungen auf Schalke irgendwie kombinierte. 

Tage später versprach Weinzierl ein "neues Schalke". Als komplett falsch stellte sich das nicht heraus, doch hatte sich der Trainer das neue Schalke mit Sicherheit anders vorgestellt. 

Bei den Schalkern folgte Weinzierl auf André Breitenreiter, der mit dem Klub in der Vorsaison auf Rang fünf gelandet war und damit die ersehnte Champions League verpasst hatte. Genau dahin sollte er den stolzen Traditionsklub nun wieder führen. 

Doch Weinzierl scheiterte auf ganzer Linie. Am Ende der Saison 2016/17 stand der mit Königsblau auf einem indiskutablen zehnten Platz der Bundesliga. In der Europa League hatte er Schalke immerhin ins Viertelfinale geführt, seinen Job rettete das aber nicht. 

Nach nur einer Saison war Schluss auf Schalke. 

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Ein Spiel bei der Ex wird zum Verhängnis

Aus dem nächsten Schritt wurde also ein Rückschritt für Weinzierl. 

Nach dem Aus auf Schalke war er auf dem Trainermarkt deutlich weniger gefragt als das noch während seiner Zeit in Augsburg der Fall gewesen war. Erst nach über einem Jahr Pause hatte Weinzierl eine neue Herausforderung gefunden. 

"Mit Markus Weinzierl haben wir einen absolut erfolgshungrigen Trainer verpflichtet, der die Bundesliga genau kennt und weiß, auf was es in unserer Situation ankommt", sagte Michael Reschke im Oktober 2018. Reschke war damals Sportvorstand beim VfB Stuttgart und Weinzierl nun der neue Coach der Schwaben. 

Er übernahm eine Mannschaft ohne Selbstvertrauen, die in den ersten sieben Spieltagen der Bundesliga-Saison nur fünf Punkte gesammelt hatte und auf dem letzten Tabellenplatz stand. 

Wirklich besser wurde es für den VfB unter Weinzierl aber zunächst nicht - im Gegenteil. Nach drei Spielen stand eine erschreckende Bilanz von drei Pleiten und 0:11 Toren zu Buche. In der Folge wurde es zwar besser, nach dem 30. Spieltag wurde Weinzierl aber dann gefeuert. 

Der Grund: Ausgerechnet ein Spiel bei seinem Ex-Klub Augsburg. Bei den bayerischen Schwaben waren die Stuttgarter mit 0:6 untergegangen. 

"Es gibt keine Erklärung, man kann sich nur für die Leistung entschuldigen. Wir haben gefühlt keinen Zweikampf bestritten", sagte Weinzierl nach der Partie bei SPORT1. "Ich habe gewusst, was auf uns zukommt und habe es der Mannschaft auch vermittelt." Allein: Bei den Profis war augenscheinlich nichts angekommen. 

Die Heimkehr nach Augsburg wurde gleichzeitig zu seinem Abschied aus Stuttgart, das ohne Weinzierl schließlich in der Relegation abstieg. 

Der Kreis schließt sich

Nach der unschönen Heimkehr folgt nun also eine gewollte - wenn auch überraschende - Heimkehr an den Ort, an dem der 46-Jährige sich einen Namen als Trainer gemacht hat. Überraschend auch deswegen, weil es beim Abschied Unstimmigkeiten mit Sportdirektor Stefan Reuter gegeben hat. Diese sind aber offensichtlich aus der Welt geschafft.

In der Fuggerstadt erwartet den Coach nach einer längeren Pause - in der er in der Corona-Pandemie keinen Job fand - keine leichte Aufgabe. Die Augsburger sitzen derzeit "im falschen Zug", wie es SPORT1-Experte Marcel Reif zuletzt im CHECK24 Doppelpass ausgedrückt hatte. Der neue alte Trainer soll den Klassenerhalt erreichen und mit einem Vertrag bis 2022 das Team dann auch in die neue Saison führen. 

In den letzten vier Spielen holte der FCA nur einen Punkt. Nach der 2:3-Pleite gegen Köln herrscht plötzlich Abstiegsangst in Augsburg - und das ebenfalls überraschend. Eigentlich schien die Mannschaft unter Heiko Herrlich eher im gesicherten Mittelfeld zu landen. Nun sind es noch vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz - die Tendenz spricht drei Spieltage vor Saisonende aber nicht gerade für den FCA.

Weinzierl hat in seinen vier Jahren in Augsburg gezeigt, dass er Abstiegskampf kann. Er hat auch gezeigt, dass er Augsburg gut kennt und das Beste aus einer limitierten Mannschaft herausholen kann. 

Das alles ist aber fast fünf Jahre her. Seitdem hat sein Image stark gelitten. Nun hat er die Chance, alles wieder geradezurücken - da, wo er sich sein Image erst aufgebaut hat.

"Ich habe dem Verein viel zu verdanken und möchte den FCA wieder in die Erfolgsspur führen", wird Weinzierl auf der Website des FC Augsburg zitiert. 

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Für Weinzierl definitiv eine Chance, für den FC Augsburg aber ein Risiko. Die überraschende Rückkehr ist auch eine gefährliche - mit ungewissem Ausgang.