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Jérôme Boateng stand gegen Leipzig nicht auf dem Platz, ist aber nach den Aussagen von Uli Hoeneß in aller Munde. Wie wird Hansi Flick mit ihm den Rest der Saison umgehen?

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"Never change a winning team" - das könnte Hansi Flicks Motto im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain sein. Vor allem, weil der FC Bayern in Leipzig (1:0) die Null gehalten hat, was in dieser Saison für Münchner Verhältnisse bislang höchstselten vorkam.

Jérôme Boateng konnte am Samstag gegen RB nicht mitwirken, weil er gelbgesperrt war. Andernfalls hätte er wohl in der Startelf gestanden. (Service: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

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Denn während der 32 Jahre alte Innenverteidiger für die Bayern-Bosse ein Profi auf Abwegen ist, bleibt er unter Flick Stammspieler.

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Deshalb kann sich Boateng auch berechtigte Hoffnungen machen, am Mittwoch gegen Paris auf der halbrechten Position in der Innenverteidigung zum Einsatz zu kommen. Für Niklas Süle würde das hingegen ein Platz auf der Bank bedeuten, zumal er gegen Leipzig nicht vollends überzeugen konnte. Hinzu kommt, dass Flick auch im Achtelfinale gegen Lazio Rom auf Boateng gesetzt hat und Süle zuletzt hauptsächlich als Aushilfs-Rechtsverteidiger zum Einsatz kam.

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Käme Boateng zurück, stellt sich trotzdem die Frage: Wie bereit ist er für den FC Bayern noch?

Boateng kennt sich mit Hoeneß‘ Rundumschlägen aus

Das gilt insbesondere, nachdem ihn Ehrenpräsident Uli Hoeneß zuletzt öffentlich abwatschte, indem er bei RTL kundgetan hatte, dass er ihn nicht mit zur EM nehmen würde. Dafür aber BVB-Konkurrent Mats Hummels, mit dem Boateng zu Münchner Zeiten eher eine Zweckgemeinschaft bildete, denn eine tiefe Freundschaft verband sie nie.

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Allerdings kennt sich Boateng mit Hoeneß‘ Rundumschlägen aus. Im Mai 2019 legte er ihm, damals noch als Präsident, im Rathaus am Münchner Marienplatz, unmittelbar nach der Meister-Party, einen Wechsel nahe. Boateng blieb jedoch und fand unter Flick zu alter Stärke zurück.

Boateng, so wirkt es, spielt hauptsächlich für Flick und seine Mitspieler, unter denen er als Anführer und Weltmeister von 2014 eine hohes Standing genießt. Nicht aber in der Führungsetage. Dort wird nicht nur der Spieler bewertet, sondern auch der Privatmensch Boateng, der abseits des Platzes nicht immer für Jubelstürme bei den Bayern-Bossen gesorgt hat. Unvergessen der Tadel von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge im November 2016, dass Boateng "mal wieder back to earth" kommen solle.

Gespräche mit Boatengs Berater

Der am 30. Juni 2021 auslaufende Vertrag mit ihm soll jedenfalls nicht verlängert werden, wenngleich in den kommenden Tagen und Wochen Gespräche mit seinem Berater Damir Smoljan (Lian Sports) anstehen. Boateng hält sich nach SPORT1-Informationen übrigens bewusst zurück und verzichtete bislang auf eine öffentliche Reaktion auf die Hoeneß-Ansage. Er will sich stattdessen mit sportlichen Argumenten zurückmelden. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Sportlich gesehen gibt es an Boateng aber kaum Zweifel. Flick lobte ihn zuletzt einmal mehr und verteidigte ihn auch gegen die Hoeneß-Schmach. Der Spieler fühlt sich mit seiner Familie in München zudem pudelwohl, doch selbst ein neuer Einjahresvertrag steht wohl nicht zur Diskussion. Allenfalls müsste Boateng eine deutliche Gehaltsreduzierung in Kauf nehmen oder proaktiv anbieten.

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Sein Jahres-Salär beläuft sich auf über 10 Millionen Euro brutto. Viel Geld, dass sich die Bayern in wirtschaftlich unsicheren Zeiten aufgrund der Corona-Krise gerne sparen würden. Zudem hat man mit Leipzigs Dayot Upamecano bereits einen Nachfolger für die kommende Saison verpflichtet – für 42,5 Millionen Euro.

Flick interessieren keine Vertragslaufzeiten oder politische Spielchen

Wie reagiert Flick in den nächsten Wochen?

Er wird Boateng in den finalen Monaten der Saison keinesfalls fallen lassen und sich auch weiterhin demonstrativ vor ihn und seine Spieler stellen.

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David Alaba kann davon ein Lied singen. Dass der Österreicher, der nach der Saison gehen wird, andauernd spielt, obwohl 80-Millionen-Mann Lucas Hernández als Ersatz bereits parat steht und nicht regelmäßig zum Einsatz kommt, gefällt im Verein nicht jedermann.

Flick ist das egal. Ihn interessieren keine Vertragslaufzeiten oder politische Spielchen. Er stellt aus seiner Sicht die elf besten Spieler auf. Boateng zählt er regelmäßig dazu. Schlusswort Flick: "Er spielt zu Recht. Er ist ein Spieler, der jeder Mannschaft guttun kann."