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Bielefeld und Gelsenkirchen - Der FC Schalke 04 steht als Absteiger fest. SPORT1 begleitet den emotionalen Abend mit Gerald Asamoah und Dimitrios Grammozis im Protokoll.

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Nach der 0:1-Pleite in Bielefeld steht Schalke 04 als Absteiger fest, bei der Rückkehr nach Gelsenkirchen gibt es üble Szenen. (BERICHT: Fan-Wut eskaliert! Gewalt-Attacke auf Schalkes Spieler)

SPORT1 war auf der Alm dabei und erlebte den königsblauen Niedergang. Das Abstiegs-Protokoll:

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21.38 Uhr: DSC-Stürmer Fabian Klos schießt Schalke runter. Der Routinier schaltet nach einem Patzer von Omar Mascarell blitzartig und hält aus 25 Metern einfach mal drauf. Ralf Fährmann fliegt ins von Klos aus linke Eck und kann den Ball nicht halten. Das entscheidende Tor des Abends. Es besiegelt den Schalke-Abstieg und die zugleich 21. Saisonniederlage - nie war Schalke, immerhin Vizemeister 2018 und Champions-League-Achtelfinalist 2019, in seiner langen Historie schlechter.

22.22 Uhr: Schiedsrichter Christian Dingert pfeift die Partie nach vier Minuten Nachspielzeit ab! Die Spieler sinken zu Boden, vergraben ihr Gesicht im Rasen. Das Horror-Szenario ist eingetroffen: Der vierte Schalke-Abstieg der Klub-Geschichte steht fest. Nach 30 Jahren ununterbrochener Erstklassigkeit wird der Pott-Klub in der nächsten Saison nur noch in der 2. Liga kicken. (REAKTIONEN: Stimmen zum Schalke-Abstieg)

22.24 Uhr: Die Spieler flüchten direkt in die Kabine. Gemischte Gefühle bei den Absteigern: Manche, wie etwa Ralf Fährmann oder Klaas-Jan Huntelaar, sind wütend und sauer, andere starren ins Nichts und wirken eher abwesend, wie zum Beispiel Amine Harit, Omar Mascarell, Bastian Oczipka oder Benjamin Stambouli (die letzten beiden haben im Übrigen keinen gültigen Zweitliga-Vertrag). Tränen fließen dagegen bei den Eigengewächsen Timo Becker, den die TV-Kameras auf der Bank sitzend einfangen, und Mehmet Aydin. Bielefeld-Coach Stefan Kramer tröstet die S04-Jungs und nimmt vor allem Becker fest in den Arm.

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Kramer: Schalke ist großer Traditionsverein

Kramer wird hinterher zu SPORT1 sagen: "Schalke 04 ist ein großer Traditionsverein, an dem viele Menschen mit dem Herzen hängen. Natürlich geht es mir nahe, wenn ich sehe, wie die Jungs da leiden. Als fairer Sportsmann gehört es sich, dass man das eine oder andere tröstende Wort findet."

22.27 Uhr: Julian Draxler postet auf Instagram ein Foto von sich, Raúl und Kyriakos Papadopoulos und macht den Schalke-Fans Mut: "Wir kommen zurück, S04", schreibt der PSG-Star.

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22.35 Uhr: Auch Mesut Özil (jetzt Fenerbahce) meldet sich zu Wort. Der gebürtige Gelsenkirchener twittert: "Bitte, bitte kommt ganz schnell wieder zurück S04!" Dazu ein blaues Herzchen und der Hashtag #Heimat

22.38 Uhr: Teammanager Gerald Asamoah weint hemmungslos. Die Vereinslegende lässt ihren Tränen auf der Bielefelder Alm freien Lauf. Sportchef Peter Knäbel tröstet ihn auf dem Rasen und sagt kurz darauf: "Ich habe Gerald in den Arm genommen. Ich nehme symbolisch alle Schalker in den Arm, die mit uns trauern. Jetzt zählt echte Freundschaft!"

22.41 Uhr: Knäbel ist auf dem Weg in Richtung TV-Interviews, unterhält sich hinter dem Tor vor der DSC-Tribüne noch mit Pressesprecher Marc Siekmann. "Willst du erst noch reingehen?", fragt Siekmann. "Ja", sagt Knäbel, der kurz in die Kabine zur Mannschaft geht. (Tabelle der Bundesliga)

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Asamoah: "Ist einfach nur brutal"

22.46 Uhr: Knäbel kommt aus der Kabine und tritt vor die TV-Kameras. Am Sky-Mikrofon gibt sich der gebürtige Wittener kämpferisch: "Ich verspreche nicht, was ich nicht halten kann. Ich verspreche, dass wir einen Plan und eine Struktur haben, um schnellstmöglich zurückzukommen."

22.47 Uhr: Asamoah steht währenddessen zwei Meter neben Knäbel und lehnt sich mit beiden Armen an die Ersatzbank, den Kopf in Richtung Boden gesenkt. Bielefeld-Coach Kramer tröstet auch Asamoah, der sichtlich mitgenommen ist.

22.52 Uhr: Nachdem Knäbel mit den Interviews durch ist, spricht auch Asamoah. Der 42-Jährige, der mit S04 glorreichen Zeiten erlebt hat, wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Pressesprecher Siekmann hält Asamoah eine Taschentuch-Packung hin. "Nein, schon gut", sagt "Asa". Im Gespräch mit Sky-Reporter Ulli Potofski ringt der 42-jährige Ex-Stürmer nach den richtigen Worten. "Wir wussten, dass es so kommt", sagt er. "Aber wenn der Moment da ist und man merkt, dass es jetzt vorbei ist, ist das einfach nur brutal. Ich bin 22 Jahre in diesem Verein. Mir fehlen die Worte. Wenn ich dran denke, wie viele Schalker zuhause sitzen und heulen, das ist einfach enttäuschend."

Kämpfer Asamoah, der als Spieler vor allem für seine Leidenschaft bekannt war, wird auch in Richtung Spieler deutlich: "Wir sind Tabellenletzter und haben 13 Punkte geholt. Wenn da einer sagt, dass er alles gegeben hat, dann weiß ich nicht, was ich mit dem machen würde." (BERICHT: Tränen-Interview - Legende Asamoah rechnet mit Schalke-Absteigern ab)

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Schalke hält an Grammozis fest

22.59 Uhr: Vor dem Stadion parken fünf Kleinbusse, die der Klub vorsorglich nach Bielefeld genommen hat. "Prophylaxe", heißt es von Vereinsseite. Aus Angst vor einer möglichen Konfrontation mit enttäuschten und wütenden Fans vor der Schalke Arena, gibt es den Plan B, die Spieler in den anonymen Vans zu ihren Autos zu bringen. Sicherheitsleute halten indes Kontakt zu Kollegen vor Ort in Gelsenkirchen. Dann gibt es das Okay: Vor der Arena sind keine Fans, deshalb können die Spieler mit den beiden normalen Teambussen mit S04-Logo (mit denen man auch angereist war) in den Pott zurückgebracht werden.

23.00 Uhr: Kaderplaner René Grotus, den Ex-Sportchef Jochen Schneider damals aus Leipzig geholt hat, sitzt vor Block I, Aufgang 22-34, auf einer Treppenstufe und rauft sich durch die Haare. Vor ihm steht Matthias Schober, eine dicke Wintermütze tief ins Gesicht gezogen, wie angewurzelt und blickt ins Nichts.

23.02 Uhr: Cheftrainer Dimitrios Grammozis war lange nach Abpfiff in der Kabine beim Team und kommt raus. Er unterhält sich kurz mit Knäbel und geht dann in die Pressekonferenz. Nach SPORT1-Informationen werden die Schalke-Bosse an Grammozis festhalten - trotz nur eines Sieges aus sieben Spielen. Sie sind davon überzeugt, dass der Ex-Bochumer der richtige Mann für den Neuaufbau ist und nicht verbrannt ist. Knäbel macht das nochmal deutlich: "Es gibt keine Trainer-Frage. Wir wissen, dass er (Grammozis) die 2. Liga gut kennt."

23.03 Uhr: Asamoah geht mit gesenktem Blick als erster in einen der beiden Mannschaftsbusse.

23.15 Uhr: Auf der Pressekonferenz ist Grammozis total enttäuscht: "Eine sehr bittere Stunde für alle Schalker", sagt der Abstiegscoach. "Wir sind brutal enttäuscht, dass die Gewissheit da ist, dass wir in die 2. Liga müssen." Auf SPORT1-Nachfrage, mit welchen Spielern aus dem aktuellen Kader er den Neuaufbau wagen will, sagt er: "Man muss das erst einmal sacken lassen. Wir müssen wieder Spieler finden, die stolz sind, das Schalke-Trikot zu tragen."

23.21 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.

Schalke verlässt Bielefeld als Bundesliga-Absteiger

23.47 Uhr: Der FC Schalke 04 verlässt als Absteiger die Bielefelder Alm. Die beiden S04-Busse fahren vom Stadiongelände. Ein Dutzend DSC-Anhänger hat sich versammelt. Sie skandieren "Absteiger! Absteiger!".

0.00 Uhr: Begleitschutz für die Schalke-Absteiger! Die beiden Mannschaftsbusse fahren im Konvoi über die A2. Sie werden auf der rund anderthalbstündigen Autofahrt von insgesamt neun Autos, darunter auch Zivilpolizei, begleitet.

0.58 Uhr: Die Schalker fahren an Dortmund, der für S04-Fans verbotenen Stadt, vorbei. So schnell werden sie hier wohl nicht mehr hinkommen. Das Revierderby, das die Fans im Ruhrgebiet über Jahrzehnte hinweg elektrisiert hat, wird es auf lange Zeit erstmal nicht mehr geben.

1.27 Uhr: Die Abstiegs-Mannschaft trifft an der Schalke-Arena ein. Die Spieler steigen aus den Bussen aus. Es sind doch einige Fans vor Ort. Es gibt einen "kurzfristig zustande gekommene Austausch" mit den Anhängern.

1.34 Uhr: Die Polizei fährt mit insgesamt 13 Wagen auf den Arena Ring. Danach eskaliert die Lage. Hunderte gewaltbereite "Fans" stürmen an und zünden Pyro. Sie gehen auf die Spieler los und jagen sie über dem Arena-Ring. Videos, die im Netz kursieren, dokumentieren das. Laut Polizei sollen zwei Spieler sogar getreten worden sein.

1.53 Uhr: 2014er Weltmeister Skhodran Mustafi ist der erste Kicker, der in seinem privaten Auto davonfährt.

1.58 Uhr: Als einer der letzten Schalker düst der untröstliche Asamoah vom Hof. Mit der Gewissheit, erstmals in seiner Karriere mit seinem Herzensverein abgestiegen zu sein.