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Borussia Dortmund droht nach der Pleite gegen Eintracht Frankfurt eine Saison ohne Champions League. Was bedeutet das für die Zukunft von Erling Haaland?

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War das eine Szene mit Symbolcharakter?

Nachdem André Silva in der 87. Minute bei Borussia Dortmund zum 2:1 für Eintracht Frankfurt eingeköpft hatte, sanken einige BVB-Spieler zu Boden, während Erling Haaland isoliert und 50 Meter vom Geschehen entfernt registrierte, wie sein Team die nächsten Punkte verspielte – wohl wissend, dass das Mindestziel Platz vier und somit die Qualifikation für die Champions League 2021/22 in ganz weite Ferne gerückt ist. (Der Spielverlauf zum Nachlesen im LIVETICKER)

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Die Motivation, sich Jahr für Jahr mit den Besten in der Königsklasse zu messen, ist es, die einen ambitionierten Spieler wie Haaland antreibt. Doch beim BVB läuft der Norweger nun Gefahr, die Champions League in der kommenden Saison zu verpassen – angesichts von nun sieben Punkten Rückstand auf die viertplatzierten Hessen bei nur noch sieben Partien ein kaum vorstellbares Horrorszenario für den Stürmer und seinen Klub. (BERICHT: CL futsch? BVB "nah dran an der Katastrophe")

Der CHECK24 Doppelpass mit Achim Beierlorzer und Andreas Rettig am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Europas Topklubs jagen Haaland

Der BVB kann sich theoretisch auch als Titelverteidiger der Champions League für die kommende Saison qualifizieren, aber angesichts der zuletzt gezeigten dürftigen Leistungen wäre es ein Wunder, sollten sich die Schwarzgelben in den Viertelfinal-Duellen in den kommenden beiden Wochen gegen Manchester City – einen der Topfavoriten – durchsetzen. Eine Spielzeit ohne Champions League – ob sich der Torgarant das antun wird oder will? (Service: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

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In diesem Kontext passt es ins Bild, dass sich Haaland-Berater Mino Raiola und Vater Alfie Haaland am 1. April mit Vertretern vom FC Barcelona und Real Madrid getroffen haben, um sich über einen Wechsel auszutauschen. Auch mit den Premier-League-Giganten soll es Gespräche geben. (KOMMENTAR: Raiolas Haaland-Trip ist beispiellos unverfroren)

Schon immer war abzusehen, dass Dortmund für Haaland nach Molde und Salzburg nur eine weitere Zwischenstation auf dem Weg zu einem absoluten Topklub ist. Große Sorgen macht man sich beim BVB aber nicht, dass der 20 Jahre alte Superstar bereits im Sommer seine Zelte abbrechen könnte, schließlich läuft der Vertrag des norwegischen Stürmers noch bis Sommer 2024, erst 2022 ist eine Ausstiegsklausel im Arbeitspapier enthalten. (Service: Tabelle der Bundesliga)

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Schon bevor sich Raiola mit Haaland senior in den Flieger Richtung Spanien setzte, hatte er sich in Dortmund mit den BVB-Bossen getroffen, um auszuloten, wie die Schwarzgelben die Situation sehen. In dem Gespräch machten die Dortmunder Bosse klar, dass man erst dann zucken würde, wenn ein Verein mehr als 150 Millionen Euro bieten würde, eher sogar an die 180 Millionen Euro.

"Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, wenn die beiden Herren ein bisschen Sonne am Mittelmeer tanken wollen", meinte BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag auf SPORT1-Nachfrage. "Wir haben uns ausgetauscht. Unser Standpunkt ist sehr klar. Ich bin in dieser Angelegenheit sehr, sehr entspannt, weil ich weiß, was wir wollen!"

Kehl "entspannt" bei Haaland

"Wir gehen mit der Situation sehr entspannt um, haben es natürlich auch verfolgt", erklärte Sebastian Kehl, BVB-Lizenzspieler-Leiter, vor der Partie gegen Frankfurt bei Sky.

Fakt ist: Dortmund plant auch in der kommenden Saison mit seiner personifizierten Lebensversicherung, ohne Wenn und Aber: "Wir hatten erst vor Kurzem ein sehr, sehr gutes Gespräch mit Mino und dem Papa. Das war sehr, sehr gut, das war offen", sagte Kehl. "Unser Standpunkt ist klar: Wir planen mit Erling. Wir sind sehr ambitioniert, wir brauchen Erling, um unsere sportlichen Ziele zu erreichen, und das haben wir deutlich gemacht", betonte Kehl.

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Muss Dortmund den Norweger verkaufen?

Die Gretchenfrage ist aber: Kann der BVB seinen bulligen Angreifer, der bislang sagenhafte 34 Treffer in 37 Bundesliga-Spielen für Dortmund erzielte, auch halten, sollte die Champions League verpasst werden? Mats Hummels, der gegen Frankfurt den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielte, befürchtet jedenfalls, dass es zu Einschnitten kommen könnte.

"Nicht die Champions League zu erreichen, wäre sportlich und finanziell natürlich eine Katastrophe, und da sind wir jetzt nah dran", erklärte der Verteidiger nach der Partie gegen Frankfurt. "Logischerweise hat das finanziell Konsequenzen. Es kann sein, dass man dann einen nicht kaufen kann, den man haben will, oder einen verkaufen muss, den man halten möchte." Und da käme dann womöglich auch Haaland, der zuletzt ein klares Bekenntnis zum BVB vermissen ließ, ins Spiel.

Dortmund in der Haaland-Falle? Ohne die Millionen aus der Champions League kann der BVB seinen Kader nicht verstärken, um Haaland ein schlagkräftiges Team zur Seite zu stellen. Und im Falle einer Saison ohne die Einnahmen aus der Königsklasse müssten die Schwarzgelben noch mehr über einen Verkauf des Heilsbringers nachdenken, ein Abgang wäre nur schwer zu verhindern - vor allem, wenn der Norweger und sein berüchtigter Berater beim CL-GAU den Druck im Sommer noch einmal erhöhen.

Haaland zunehmend unzufrieden

Die Abhängigkeit des BVB von seinem Goalgetter ist immens, doch beim impulsiven Angreifer hat man auch zunehmend das Gefühl, dass Frust und Unzufriedenheit immer größer werden – weil das Niveau seiner Mitspieler für den ganz großen Wurf nicht reicht?

Schon vor zwei Wochen platzte ihm mehrmals der Kragen, als der Norweger mit seinem zweiten Tor in der Schlussminute ein 2:2-Remis bei Abstiegskandidat 1. FC Köln rettete, mehrere BVB-Spieler aber eine Nicht-Leistung zeigten, die dem Doppeltorschützen die Zornesröte ins Gesicht trieb.

"Erling hatte fünf Abschlüsse und macht wieder zwei Tore, trotzdem sieht man seine Enttäuschung heute, weil er den Platz mit drei Punkten verlassen wollte. Dieser Siegeswille zeichnet ihn aus", sagte Trainer Edin Terzic nach der Köln-Partie über Haalands Ausraster. "Wir sind sehr froh drüber, dass er bei uns ist."

Nach einer für Haaland unbefriedigenden Länderspielpause, in der er für Norwegen in drei Spielen kein Tor erzielen konnte und mächtig in der Kritik stand, verlor sich der 20-Jährige auch gegen Frankfurt immer wieder in lamentierenden Gesten. Ins Spiel war er zu wenig eingebunden, abgesehen von einer guten Chance, die er dieses Mal aber auch liegen ließ.

Unverkennbar aber auch wieder sein unbändiger Wille, das Ruder herumreißen zu wollen, sowie seine Freude beim Ausgleich durch Hummels, was deutlich unterstreicht, dass Haaland mit dem BVB (noch) nicht abgeschlossen hat.