Jörg Schmadtke (l.) lotste unter anderen die Volltreffer Ridle Baku (M.) und Wout Weghorst nach Wolfsburg
Jörg Schmadtke (l.) lotste unter anderen die Volltreffer Ridle Baku (M.) und Wout Weghorst nach Wolfsburg © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
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München - Dem VfL Wolfsburg winkt in dieser Saison die Qualifikation zur Champions League. Im Gespräch mit SPORT1 verrät ein Insider das Wolfsburger Erfolgsgeheimnis.

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Der VfL Wolfsburg belegt nach 26 Spielen Platz drei in der Tabelle. Die Champions-League-Qualifikation winkt.

Natürlich hat auch Geschäftsführer Jörg Schmadtke dank einiger kluger Transfers seinen Anteil am Erfolg.

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Nach außen hin wirkt der 57-Jährige oft recht kühl, doch das dürfte ihm beim Blick auf die Tabelle egal sein. Er hat seine ganz eigene Art. (Service: Tabelle der Bundesliga)

Mit dieser kam Bruno Labbadia als Trainer der Wölfe im Sommer 2019 nicht mehr klar. Es gab fast keine Kommunikation mehr zwischen dem Fußballlehrer und Schmadtke. Labbadia verlängerte schließlich seinen Vertrag nicht. "Doch der Erfolg gibt Schmadtke heute recht", sagt Rüdiger Ziehl im Gespräch mit SPORT1.

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Ziehl kennt VfL aus dem Effeff

Der 43-Jährige kennt das Innenleben beim VfL aus dem Effeff - und somit auch Schmadtkes Arbeitsweise.

Von 2009 bis 2012 spielte Ziehl in der zweiten Mannschaft der Wölfe. Anschließend war er Co-Trainer der U23. Nachdem Trainer Lorenz-Günther Köstner im Oktober 2012 Nachfolger von Felix Magath bei der ersten Mannschaft geworden war, übernahm Ziehl als Interimstrainer die 2. Mannschaft bis zum Jahresende.

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Danach arbeitete er wieder als Assistenzcoach bei den Amateuren des VfL. Im Oktober 2016 übernahm er die Mannschaft schließlich als Cheftrainer. Sein Vertrag lief bis zum 30. Juni 2020. Im vergangenen Sommer wurde dieser nicht mehr verlängert.

"Mittelfristig gab es für mich keine Perspektive, bei den Profis Trainer zu werden und mit der Fußballlehrer-Lizenz in der Tasche war die Zielsetzung die 2. oder 3. Liga. Das wusste ich schon, bevor das mit Corona im März des vergangenen Jahres losging", sagt Ziehl im Gespräch mit SPORT1.

"Schmadtke muss nicht mit jedem Trainer in Urlaub fahren"

Die Geschichte mit Labbadia damals sieht er ganz pragmatisch. "Schmadtke muss nicht mit jedem Trainer in Urlaub fahren, wie er mal sagte. Der Erfolg gibt ihm recht. Das Dreigestirn mit ihm, Cheftrainer Oliver Glasner und Marcel Schäfer (VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer, Anm. d. Red.) funktioniert gut. Da gibt es auch Reibung wie zuletzt bei der Kritik von Glasner, aber nur so entsteht positive Energie. Sich offen die Meinung zu sagen, bringt den Verein voran."

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Der Trainer hatte im November des vergangenen Jahres Kritik an der Transferpolitik geübt, doch die Angelegenheit war nach einem klärenden Gespräch zwischen ihm, Schmadtke und Schäfer schnell vom Tisch.

"Das bestätigt meine These. Glasner wollte sich nicht verstecken", findet Ziehl und fügt hinzu: "Er hat vor Schmadtke seine Ellenbogen ausgefahren und klar seine Meinung auch nach außen hin vertreten. Intern gab es da sicher Diskussionen. Als Trainer hat man, was den Kader angeht, immer Wünsche."

Weghorst "so was wie Wolfsburgs Lewandowski"

Der Pfälzer schaut zurück und meint: "In den vergangenen zwei Jahren lag man mit den Verpflichtungen von Xaver Schlager, Ridle Baku und Maxence Lacroix richtig. Sie spiegeln den Erfolg wider. Oder auch Wout Weghorst, der so etwas wie Wolfsburgs Lewandowski ist. Eigentlich würde seine Torquote reichen, um Torschützenkönig zu werden."

Aktuell sucht Ziehl einen neuen Verein und ist bereit für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. "Ich habe dreieinhalb Jahre erfolgreich als Cheftrainer in der Regionalliga gearbeitet. Mein Punkteschnitt war gut. Jetzt will ich in der 2. oder 3. Liga arbeiten. Es gab schon Gespräche, und ich bin bereit für die nächste größere Herausforderung."

Er denkt gerne an seine Zeit beim VfL zurück, dessen Entwicklung er natürlich weiter verfolgt. "Das Erfolgsrezept ist, dass Glasner die Mannschaft dahin bekommen hat, dass komplett alle mit verteidigen und dass alle im Ballbesitz nach vorne spielen wollen", erklärt Ziehl.

Doch von Ziehl gibt es nicht nur Lob für Wolfsburgs Macher, er übt auch Kritik. Regelmäßigen Kontakt mit Schmadtke habe es zu seiner Zeit nicht gegeben.

Wenig Kommunikation

"Aufgrund der räumlichen Trennung zwischen Profis und Akademie haben wir uns meistens nur bei den Spielen der U19 gesehen", sagt Ziehl. "Die Kommunikation lief meist über Marcel Schäfer oder Pablo Thiam (Leiter der Fußballakademie, Anm. d. Red.)."

Größere räumliche Nähe zwischen den Abteilungen sei "von Vorteil, aber die ist in Wolfsburg nicht gegeben. Es müssen viele Dinge zusammenfließen." Zumindest zwischen den Profis und der U23 sollte es kürzere Wege geben - "räumlich wie kommunikativ". Ziehl nennt ein positives Beispiel: "In Mönchengladbach ist das ganz anders. Da läuft man sich täglich über den Weg, wie ich hörte."

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Warum aber fehlt es Wolfsburg trotz Platz drei immer noch an Glanz? Es hat den Anschein, dass der Klub in die Champions League einzieht, ohne dass es die Fußballfans in Deutschland bewegt.

"Im Vergleich zum VfL haben die anderen Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt eine größere Fan-Base und deswegen mehr Aufmerksamkeit", glaubt Ziehl. "Das Wort Tradition gilt hier nicht mal, weil es den VfL Wolfsburg schon lange gibt und man auch schon lange in der Bundesliga spielt. Der Klub wird weniger wahrgenommen, weil das Einzugsgebiet auch kleiner ist."

Fans honorieren den Erfolg

Die Fans und auch die Konkurrenz würden es aber schon honorieren, "dass in Wolfsburg erfolgreicher und guter Fußball gespielt wird. Platz drei ist aller Ehren wert."

Ein Erfolgsfaktor ist auch Schäfer. "Bei ihm hat es vom Zeitpunkt her optimal gepasst, weil es eh schon besprochen war, dass er das machen soll. Er sollte ursprünglich ein Jahr später aus Amerika zurückkommen, aber dann hat er seinen Aufenthalt in den USA verkürzt", erinnert sich Ziehl, "und da konnten die Situation und die Person ideal miteinander verknüpft werden. Er macht das gut."

Auch Glasner schätzt er. "Ich habe ihn näher kennen gelernt, als ich im Rahmen meiner Fußballlehrer-Ausbildung mein Praktikum bei den Profis machte. Er hat seine Ideen aus Österreich nach Wolfsburg transportiert."

Anfangs habe es nicht eins zu eins funktioniert, "auch, was das System betraf. Aber Glasner hat dann seine Schlüsse daraus gezogen und seine Ideen an die Spieler angepasst. Das ist ein guter Mix."