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Schalkes Aufsichtsratschef Jens Buchta wirft der Gruppe, die um Ralf Rangnick buhlt, vereinsschädigendes Verhalten vor. Was macht der Trainer jetzt?

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Der Machtkampf beim FC Schalke 04 ist öffentlich eskaliert - und nun stellt sich die große Frage: Was macht Ralf Rangnick?

Aufsichtsratschef Jens Buchta warf am Montag einer Gruppe, die Rangnick am Gremium vorbei als Vorstand und Trainer installieren will, vereinsschädigendes Verhalten vor.

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"Man muss sich das einfach mal vorstellen: Da hat eine nicht-legitimierte Gruppe mit Rangnick gesprochen und ihm im Namen des Vereins ein Angebot gemacht", wetterte der Rechtsanwalt in der SZ. "Das ist ein klarer Verstoß gegen ordnungs- und satzungsgemäße Abläufe und gegen die Absprachen, die wir im Aufsichtsrat haben."

Schalkes Aufsichtsratsboss wettert

Mehr noch: Parallele Berichte in Bild-Zeitung und WAZ über eine "Voreinigung" mit dem Wunschkandidaten seien "gezielt initiiert" gewesen, sagte Buchta.

Die Gruppe, die über den Aufsichtsratsmann Stefan Gesenhues kommuniziert, habe zudem Sponsoren (u.a. Veltins und Stölting) aufgefordert, für den Fall einer Ablehnung Rangnicks ihr Engagement zu überdenken, und somit Druck ausgeübt. "Deswegen meine Beurteilung: vereinsschädigend. Tut mir leid, anders kann ich das nicht nennen", sagte Buchta.

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Rangnick-Berater über zu Schalke-Engagement: "Noch ganz weit weg"

Der Streit in der Führungsebene bei S04 kommt zur Unzeit - denn Rangnick ist aktuell ein gefragter Mann. Neben dem Engagement beim akut abstiegsgefährdeten Traditionsklub liebäugelt der 62-Jährige auch mit dem freiwerdenden Amt des Bundestrainers von Joachim Löw.

Sein Betrater Marc Kosicke sagte am Montag zum Thema Schalke im SPORT1-Interview, es seien zwischen Rangnick und der Schalker Gruppe weniger Sätze gesprochen worden, als danach darüber geschrieben wurde, und stellte klar: "Von daher ist das ein Thema, das sich gerade gar nicht stellt. Das ist noch ganz weit weg alles."

Sein Klient sei "von einer Gruppe sehr, sehr leidenschaftlicher Menschen aus dem Schalker Umfeld" gefragt worden, "ob er sich das nochmal vorstellen könnte, zu S04 zurückzukehren und dem Verein dabei zu helfen, zu alter Kraft zu finden. Da hat er gesagt 'Wenn alle Rahmenbedingungen stimmen, könnte er sich das vorstellen'. Mehr an Austausch gab es da gar nicht."

Kurios: Der Aufsichtsrat habe Rangnick nicht angesprochen, "weil wir meinten, wir könnten ihm nicht die Rahmenbedingungen bieten, wie er sie in Leipzig und Hoffenheim hatte", berichtete Buchta. Nun fänden doch offizielle Gespräche mit dem 62-Jährigen statt: "An ihm gehen wir selbstverständlich nicht vorbei."

Allerdings könnten sich genau die von Rangnicks Berater angesprochenen Rahmenbedingungen durch den öffentlich ausgetragenen Machtkampf nun ändern - und zwar zu Ungunsten von Schalke.

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Steigen durch Flick-Ansage von Rummenigge die DFB-Chancen von Rangnick?

Denn auch wenn Kosicke bei SPORT1 betonte, beide Jobs seien "momentan rein hypothetisch", stellte er auch klar, dass Rangnick das Thema mehr reizt "wo man am meisten Support hat". Und während dieser durch die Schalker Schlammschlacht zumindest zu bröckeln scheint, könnte das beim DFB bald anders aussehen.

Nach Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp, die bereits offiziell absagten, scheint nun auch bei Bayern-Trainer Hansi Flick die Tür zu zu sein. "Wir wären ja verrückt, wenn wir jetzt unseren Trainer vorzeitig gehen lassen würden", erneuerte Rummenigge am Montag sein bereits vor einigen Wochen im SPORT1-Interview erklärtes Wechselverbot für den Chefcoach.

Dies könnte dazu führen, dass die Personalie Rangnick beim DFB nun umso mehr in den Fokus rückt - denn Rangnick, das betonte Kosicke bei SPORT1, "ist interessiert am Job des Bundestrainers. Dass er manchmal gewisse Dinge ganzheitlicher interpretiert, liegt in der Natur der Sache", sagte Kosicke. "Aber in erster Linie würde er gerne Bundestrainer sein." Rangnick sei Anfang 60 und topfit: "Das wäre die Krönung seiner Karriere."

Gespräche zwischen Rangnick und Schalke werden fortgesetzt

Klar ist: Die Posse beim Tabellenletzten Schalke ist "keine gute Geschichte", wie Buchta betonte. Es gehe wohl um Wahlkampf, vermutet er: "Drei Mitglieder dieser Gruppe sind interessiert daran, bei der nächsten Mitgliederversammlung in den Aufsichtsrat gewählt zu werden."

Derweil sollen die Gespräche mit Rangnick über eine Zusammenarbeit aber fortgesetzt werden.

"Es geht jetzt darum, ob und wie eine Tätigkeit von Ralf Rangnick zu realisieren wäre. Man muss gucken: Gibt es eine Machbarkeit, gerade finanzieller Natur, oder nicht", sagte Buchta der SZ.

Allerdings seien die Königsblauen bereits mit zwei anderen Kandidaten für die Rolle des Sportvorstands in den Verhandlungen "schon recht weit fortgeschritten".

Die nächsten Tage dürften also spannend werden - für Rangnick, Schalke und den DFB.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)