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Marco Reus wittert im Topspiel eine Bevorzugung des FC Bayern. Ein Stück weit hat der BVB-Kapitän recht - und doch liegt er daneben. SPORT1-Kommentar.

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Es waren drastische Worte, die Marco Reus nach der 2:4-Niederlage des BVB beim FC Bayern wählte.

In seinen Augen, sagte der Dortmunder Kapitän im ZDF, habe Schiedsrichter Marco Fritz "keine Eier" gehabt, vor dem 3:2 der Münchner bei einem grenzwertigen Körpereinsatz von Leroy Sané gegen Emre Can ein Foul gegen die Bayern zu pfeifen.

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"Vor dem 3:2 war es ein klares Foulspiel. Wenn das bei Bayern gewesen wäre, hätte er hundertprozentig gepfiffen. Fertig, aus", meinte Reus bei Sky.

BVB-Kapitän Reus wittert Bayern-Bevorzugung

Auf Nachfrage, wie er zu dieser Meinung komme, sagte er fast schon trotzig: "Das ist einfach so. Ist so."

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Mit Sicherheit sprach da eine gehörige Portion Frust über die erneute Niederlage gegen die Bayern aus Reus - und sie ließ ihn obendrein wie einen schlechten Verlierer dastehen.

Aber Reus hatte recht. Nicht damit, dass es "ein klares Foulspiel" war - das war es nämlich nicht.

Wohl aber mit seiner Einschätzung, das Foul wäre andersrum gepfiffen worden - an diesem Abend in der Allianz Arena - da lege ich mich fest - wäre das mit hoher Wahrscheinlichkeit so gewesen.

Keine Eier? Reus-Kritik geht daneben

Und trotzdem lag Reus mit seinen Aussagen gehörig daneben.

Zum einen mit seiner "Keine Eier"-Kritik an Fritz. Hätte es sich der Schiri leicht machen wollen, hätte er das Einsteigen von Sané nämlich einfach geahndet.

Es hätte einen folgenlosen Freistoß im Mittelfeld gegeben, niemand hätte sich beschweren können - und der Unparteiische wäre fein raus gewesen.

Zum anderen trifft Reus' zwischen den Zeilen angedeuteter Vorwurf des Bayern-Bonus nicht zu.

Denn der Bayern-Bonus, das zeigte vor einigen Jahren bereits eine wissenschaftliche Studie, ist vielmehr ein Topteam-Bonus.

Auch BVB profitiert vom vermeintlichen Bayern-Bonus

Anders gesagt: Dieselbe Bevorzugung, von der die Bayern am Samstagabend profitierten, wird auch den Dortmundern zuteil, wenn sie gegen unterlegene Mannschaften spielen.

Dann nämlich, wenn sie das Spiel dominieren, den Gegner einschnüren, immer wieder Ballgewinne durch hohes Pressing generieren - und auch öfter gefoult werden.

So, wie es die Münchner am Samstagabend nach dem frühen 0:2-Rückstand über gut 70 Minuten taten.

Wenn der Außenseiter versucht, den Spielfluss immer wieder mit Fouls zu stören, bekommt er tendenziell mit zunehmender Spieldauer auch kleinere Vergehen eher abgepfiffen.

Und umgekehrt darf sich die Mannschaft, die mehr für den Spielfluss tut, dann auch über eine etwas mildere Regelauslegung freuen - zumal bei einer insgesamt eher großzügigen Spielleitung, wie sie Marco Fritz am Samstagabend wählte.