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München - Der zweite Anlauf von Douglas Costa beim FC Bayern ist bislang nicht von Erfolg gekrönt. Er selbst denkt schon wieder an Italien. Wird das noch was in München?

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Douglas Costa sitzt in seinem schicken Sportsessel an seinem Multi-Media-Schreibtisch und sinniert über seine Zukunft.

"Ich würde gerne nach Italien zurückkehren, es ist ein Land, das ich wirklich mag", sagte Costa in einem Twitch-Interview mit dem italienischen Journalisten Pierluigi Pardo: "Wir werden sehen, was passiert, ich habe ja noch einen Vertrag mit Juventus."

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Hat der von Juventus Turin an den FC Bayern ausgeliehene Brasilianer etwa gedanklich schon einen Schlussstrich unter sein zweites Kapitel in München gezogen? An Titelambitionen mangelt es Costa zumindest nicht.

Costa hat noch große Ziele mit Bayern - und blickt nach Italien

"Wir gewinnen die Champions League und die Bundesliga", bekräftigte Costa und blickte auch hier mit einem Auge nach Italien, "während in der Serie A Juventus gewinnen wird, würde ich sagen."

2015 schlug der Flügelflitzer bei den Bayern ein wie der Blitz. In seinen ersten zwölf Bundesligaeinsätzen gelangen ihm zwei Tore und sensationelle zwölf Torvorlagen - bis ihn eine Muskelverletzung stoppte.

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Die Probleme setzten sich fort, auch Costas Wechsel 2017 zu Juve. Nach einer immerhin verheißungsvollen Debütsaison bei der Alten Dame mit fünf Toren und zwölf Assists zog Juve die Kaufoption in Höhe von 40 Millionen Euro.

Verletzter Costa peilt Rückkehr auf den Platz an

Doch in den folgenden Jahren konnte Costa wegen diverser muskulärer Blessuren seine Gala-Form kaum mehr bestätigen. Von den 28 möglichen Champions-League-Partien der Turiner verpasste er in den drei Jahren zwölf aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit.

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Aktuell fehlt er den Bayern wegen eines Haarrisses im rechten Mittelfußknochen, den er sich im Training vor der Partie gegen Arminia Bielefeld (3:3) zuzog. Er habe wieder mit dem Lauftraining begonnen, erklärte Costa nun: "In etwa zehn Tagen werde ich zurück auf dem Platz sein."

Aber wird er auch spielen?

Seine Bilanz bei den Bayern seit seiner Rückkehr Anfang Oktober ist bescheiden: Nur je ein Tor und eine Vorlage in elf Bundesligaeinsätzen. Betrachtet man alle 22 Pflichtspieleinsätze, kommen lediglich zwei Torvorbereitungen in der Champions League hinzu. Einsätze über 90 Minuten? Ein einziger im sportlich unbedeutenden letzten CL-Gruppenspiel gegen Lok Moskau.

Costa überrascht mit Aussage über Bayerns Offensiv-Stil

Costa selbst hatte sich das ganz anders vorgestellt - und war offensichtlich überrascht, wie viel sich seit seinen beiden Bayern-Jahren unter Pep Guardiola und Carlo Ancelotti verändert hat. "Sie haben im Vergleich zu meiner ersten Zeit in München jetzt ein anderes Verständnis von Fußball", sagte der 30-Jährige. "Heute spielen wir noch offensiver, während wir damals mehr auf Ballbesitz ausgerichtet waren, das hat mir mehr gefallen."

Eine Aussage, die überrascht. Schließlich käme diese Spielweise eigentlich Costas Stärken - Tempodribblings, Flankenläufe - entgegen.

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Doch der Glanz früherer Tage verblasst zusehends. Mitte Januar schaffte es Costa beim 2:1-Sieg gegen den SC Freiburg in der Bundesliga sogar nicht einmal in den Kader. "Douglas Costa und Bouna Sarr waren heute nicht im Kader, weil wir auch viele gesunde Spieler haben. Das ist gut so. Deswegen mussten wir heute entscheiden und die beiden hat es getroffen", sagte Hansi Flick auf der Pressekonferenz.

Bayern-Trainer Flick nimmt Costa in die Pflicht

Kurz darauf ließ der Bayern-Trainer durchklingen, dass auch Costas Einstellung zeitweise zu wünschen übrig gelassen habe. "Douglas hat eine Phase gehabt, in der er wirklich auch hart gearbeitet hat", sagte Flick. Man habe auch immer versucht, mit ihm den nächsten Schritt zu gehen. Offenbar hat er sich nicht so aufgedrängt, wie gewünscht. "Das ist für jeden Spieler eine Situation, mit der er zurechtkommen muss. Dementsprechend muss er dem Trainerteam zeigen, was für eine Qualität er hat."

Nach seiner Nichtberücksichtigung saß Costa zwei Mal in Folge über 90 Minuten auf der Bank, zwei Kurzeinsätzen gegen Hoffenheim und in Berlin folgte die Verletzung. Die aktuell angespannte Personalsituation konnte Costa damit nicht nutzen, um Werbung in eigener Person zu betreiben.

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Hoeneß' Worte hallen noch nach

Seine jüngsten Schwärmereien für Italien rufen zudem Uli Hoeneß' Worte beim letzten Abschied aus München in Erinnerung. "Douglas Costa hat nicht funktioniert, weil er ein ziemlicher Söldner war, der uns charakterlich nicht gefallen hat", hatte der damalige Bayern-Präsident Ende August 2018 in einem Interview mit der Frankenpost gepoltert.

"Das Thema liegt in der Vergangenheit", hatte Costa bei seiner Rückkehr im Oktober über Hoeneß' Worte gesagt: "Was passiert ist, ist vorbei für mich. Das ärgert mich nicht. Das Thema ist erledigt."

Aktuell deutet vieles darauf hin, dass sich die Wege im Sommer wieder trennen. Ob Costa bei Juventus nochmals ein glanzvoller Neustart gelingt, bleibt abzuwarten. Sein Vertrag dort läuft noch bis 2022.

Im September wird Costa 31, sein auf Spritzigkeit angelegtes Flügelspiel schlägt sich mittlerweile auch in seiner immer pralleren Krankenakte nieder. Die Serie A hat sich allerdings schon häufiger als Jungbrunnen erwiesen - vielleicht ja auch für Costa.