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München - Karl-Heinz Rummenigge hat in der Impf-Debatte für eine Kontroverse gesorgt. Nun bezieht der Boss des FC Bayern erneut Stellung zu seiner Idee.

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Fußballer als Impfvorbilder?

Mit seinem Vorschlag im SPORT1-Interview hat Karl-Heinz Rummenigge vor ein paar Tagen eine Menge Staub aufgewirbelt.

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Am Samstag war der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern nach der unerwarteten 1:2-Pleite der Münchner bei Eintracht Frankfurt zu Gast im ZDF Sportstudio - und versucht aus seiner Sicht entstandene Missverständnisse auszuräumen.

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"Es ist offensichtlich von einigen missverstanden worden, vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt", sagte Rummenigge. "Ich habe nur angeregt: Wenn es irgendwann einmal ausreichend Impfstoff gibt, wäre es vielleicht ganz einfach am Fußball, ein Vorbild zu sein und die Spieler impfen zu lassen, um den Bürgern zu zeigen, dass Impfen keine Schädigung mit sich bringt."

In seiner Enttäuschung über das 1:2 der Bayern bei der SGE sprach Rummenigge auch individuelle vor den Gegentoren an. "Da muss Leroy (Sané; d.Red.) die zwei Meter gehen, dass Kostic den Ball nicht bringen kann", sagte der Bayern-Boss über die Flanke vor dem 0:1, und ergänzte zum Traumtor von Amin Younes zum Frankfurter 2:0: "Er (Süle; d.Red.) muss den Spieler nach außen abdrängen."

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SPORT1 fasst die weiteren Rummenigge-Aussagen zusammen:

... über den Abgang von Trainer Marco Rose zu Borussia Dortmund:

"Er wird sich das gut überlegt haben. Das ist ein interessanter Trainer. Und wenn man ein Angebot von Borussia Dortmund kriegt, dann befasst man sich damit. Er hat die Möglichkeit gehabt, Max Eberl (Gladbachs Sportdirektor, Anm. d. Red.) hat ihm diese Ausstiegsklausel eingeräumt. Und dementsprechend macht er davon jetzt Gebrauch. Wir müssen mal ein bisschen unaufgeregter mit diesen Dingen umgehen. Marco Rose hat niemanden verraten. Ich habe gelesen, dass man ihm Söldnertum vorwirft. Das sehe ich nicht. Das ist Teil unseres Geschäftes, dass Spieler und manchmal eben auch Trainer den Klub wechseln."

... über den So-gut-wie-Abstieg von Schalke 04:

"Mathematisch war es das noch nicht. Aber die Spiele werden weniger. Ich habe auch etwas Mitleid mit den Schalkern, weil ich ja aus Lippstadt kommen, das ist nicht allzu weit entfernt von Gelsenkirchen, wo ich als junger Kerle ja auch einige Spiele gesehen habe, als damals noch Stan Libuda spielte."

... über die Bayern-Pleite in Frankfurt und das Remis in Bielefeld zuvor:

"Wir wollen Deutscher Meister werden, haben in dieser Woche fünf Punkte liegen gelassen, das ist nicht unbedingt das, was wir uns vorgestellt haben. Aber es gibt viele Fans in Deutschland, die das gut finden, weil die Spitze noch einmal ein Stück enger zusammengerückt ist. Fußball muss Emotion sein, und Emotion ist das, was die Fußball-Bundesliga in dieser Saison bietet. Warten wir mal ab, ob Leipzig gewinnt. Das wird in Berlin auch kein leichtes Spiel für sie werden. Auch gegen Frankfurt waren wir zu unkonzentriert. Das sind Fehler, die uns am Ende des Tages Gegentore kosten. Offensichtlich stimmt da etwas bei der Abstimmung nicht. Wir sind manchmal zu inkonsequent, sparen uns manchmal die letzten paar Meter, so auch bei den ersten beiden Gegentoren. Das darf uns nicht passieren."

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... über die Situation von Niklas Süle:

"Niklas hat noch ein Jahr Vertrag. Grundsätzlich ist er deutscher Nationalspieler. Und die Philosophie unseres Klubs ist, dass wir die guten deutschen Nationalspieler beim FC Bayern haben wollen. Wir werden nun Gespräche führen und sehen, wohin die führen. Wir haben jetzt mit Dayot Upamecano einen Spieler verpflichtet, weil wir mit David Alaba auch einen wichtigen Spieler verlieren werden. Jetzt muss man abwarten. Wir werden uns das (mit Süle) jetzt bis zum Sommer seriös und in Ruhe anschauen. Der FC Bayern hat finanziell nicht mehr die Masse zur Verfügung. Corona hat auch beim FC Bayern finanzielle Schäden hinterlassen. Wenn wir eine Lösung finden, sind wir grundsätzlich gerne bereit, den Vertrag zu verlängern - aber das wird nur zu gewissen Konditionen möglich sein."

... über die Corona-Pandemie und Privilegien des Profi-Fußballs:

Der Fußball hat nach wie vor Demut, wir sind froh, weiter Spieler austragen zu können. Ich glaube nicht, dass wir arrogant sind. Wie alle in unserem Land sind auch wir aber natürlich nervös und angespannt. Ich glaube aber nicht, dass wir Sonderwürste in Anspruch nehmen."

... zu seinem Vorstoß zum Thema Impfung:

"Es ist offensichtlich von einigen missverstanden worden, vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt. Ich habe gesagt, was bei den Impfungen in unserem Land aktuell auffällt ist: Wir haben offensichtlich nicht genügend Impfstoff und das Impfen wird offensichtlich bei einigen unserer Bürger zumindest hinsichtlich Nebenwirkungen hinterfragt. Ich habe nur angeregt: Wenn es irgendwann einmal ausreichend Impfstoff gibt, wäre es vielleicht ganz einfach am Fußball, ein Vorbild zu sein und die Spieler impfen zu lassen, um den Bürgern zu zeigen, dass Impfen keine Schädigung mit sich bringt. Ich habe immer gesagt, dass der Fußball und Bayern München sich nicht vordrängeln wollen. Wir wollen uns in die Reihe stellen, wie es von uns allen verlangt wird. Vielleicht war es ein Stück missverständlich, dann muss ich dafür entschuldigen. Corona zehrt an den Nerven, bei uns allen. Ich habe diese Woche den Herrn Altmaier, den Wirtschaftsminister, im Fernsehen gesehen. Er hat überarbeitet ausgeschaut. Angespannt und kaputt. Wir sind alle kaputt."

... zum Vorwurf, Fußballer nähmen sich in Corona-Zeiten zu viel heraus:

"Wir wollen keine Sonderrolle. Wir können nicht bei der UEFA sagen, wir spielen nicht. Die UEFA zwingt uns zu spielen. Man darf dem deutschen Fußball keinen Vorwurf machen, dass Leipzig nach Budapest reisen musste, dass Mönchengladbach nach Budapest reisen muss (zu den Champions-League-Spielen, Anm. d. Red.). Das ist keine Entscheidung der deutschen Klubs, sondern der UEFA. Sie ist diskussionswürdig. Aber wir üben unseren Beruf aus und versuchen, unseren Beruf aufrecht zu erhalten. Allein ich wurde in Doha dreimal getestet. Die Spieler sind jeden Tag getestet worden und trotzdem gibt es leider den Fall Thomas Müller. Wir müssen aufpassen, dass wir aus der Fußball-Debatte keinen Neid-Debatte machen."

... zu Transfersummen und den Upamecano-Deal:

"Die Transfersummen sind schon gesunken, das hat man auch bei Leroy Sané gesehen. Und das war auch nötig. Das Gehaltniveau ist noch nicht angepasst an Corona. Das hat sich noch nicht bemerkbar gemacht. Aber vielleicht passiert das im Sommer. Alles, was ich aus dem Süden Europas, aber auch aus England und Deutschland höre, ist, dass die Liquidität nicht mehr so da ist wie früher. Und dann werden auch die Gehälter angepasst werden müssen. Gehaltsobergrenze haben wir schon 2008 diskutiert. Das wurde damals komplett abgelehnt, weil es mit den Wettbewerbsgesetzen nicht vereinbar war. Vielleicht akzeptiert man jetzt ein Salary Cap, weil wir Corona haben. Alternativ könnte man das Financial Fairplay stringenter machen und bei Verstößen klare Strafen aussprechen."

... zur seit Jahren umstrittenen Partnerschaft der Bayern mit Katar:

"Ich bin  überzeugt, dass wir im Dialog viel mehr erreichen. Wir müssen bei Katar berücksichtigen, dass es ein relativ junges Land ist. Man muss, was Menschen- und Arbeitsrechte umgeht, Geduld haben. Es ist eine andere Kultur, es ist eine andere Religion."

... zum Thema Menschenrechtsverletzungen in Katar:

"Seit sie den Zuschlag für WM 2022 bekommen haben, entwickelt sich dieses Land. Katar ist schon ein gehöriges Stück nach vorne gekommen. Sie haben sogar einen Mindestlohn in einigen Bereichen - das würde bei uns in Deutschland 15 Jahre dauern. Wir sind da auch im permanentem Dialog. Aber klar ist doch auch: Der Fußball kann die Welt ein Stück verbessern, aber er kann nicht die ganze Welt verbessern."

... was er nach seinem Abschied vom FC Bayern machen werde:"Das weiß ich noch nicht. Ich schließe nichts aus. Ich werde mir erst mal eine Pause gönnen und dann schließe ich auch nicht aus, dass es das dann mit dem Fußball war. Ich werde 66 Jahre alt, da gehen viele in Rente, vielleicht gehe ich dann auch in Rente."