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Gelsenkirchen - Hans-Joachim Watzke spricht nach dem Sieg des BVB im Derby gegen Schalke 04 über Edin Terzic und Jadon Sancho. Dem Revierrivalen wünscht er den Klassenerhalt.

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Der BVB rundet seine erfolgreiche englische Woche mit dem 4:0-Sieg auf Schalke ab.

Erstmals seit neun Jahren kann die Borussia damit beide Derbys in einer Saison gewinnen. Klub-Boss Hans-Joachim Watzke spricht bei SPORT1 über das Spiel, Jadon Sancho und Edin Terzic. (Tabelle der Bundesliga)

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SPORT1: Sie mussten die Schalker Arena am Samstag im Derby wegen eines Fan-Sturms vorzeitig verlassen. Es war sogar die Rede von einer Flucht. Wie haben Sie die letzten Minuten im Stadion erlebt?

Hans-Joachim Watzke: Es stimmt nicht, dass wir vor den gegnerischen Fans geflohen sind. Der Sicherheitsdienst von Schalke 04 kam während des Spiels auf uns zu, informierte uns über die Lage und betonte, es sei besser, wir würden das Stadion schnellstmöglich verlassen. Ich hatte allerdings zu keiner Zeit das Gefühl von Unsicherheit.

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SPORT1: Die Mannschaft scheint sich wieder gefangen zu haben: Erst das 3:2 in Sevilla, jetzt das 4:0 auf Schalke. Hat das Team endlich verstanden, worum es geht?

Watzke stellt klar: "Die Mannschaft folgt Terzic"

Watzke: Mit der Woche sind wir sehr zufrieden. Wenn man bedenkt, dass wir am Mittwoch erst in Sevilla ein sehr schweres Spiel gegen Spaniens Mannschaft der Stunde hatten und zudem die Rückreise nicht so reibungslos funktioniert hat. Wir haben den Kampf angenommen und sind mit sehr viel Energie und Leidenschaft in das Derby gegangen. Wir haben es, mit Ausnahme von ein paar wenigen Minuten, sehr gut gelöst.

SPORT1: Die letzten drei Derbys wurden aufgrund der Corona-Pandemie ohne Zuschauer ausgetragen. Ist Schalke gegen den BVB auch deshalb chancenlos?

Watzke: Wir haben die letzten drei Derbys ohne Zuschauer mit einem Torverhältnis mit 11:0 für uns entschieden. Dieses besondere Spiel hat in der Vergangenheit relativ häufig auch mal dem vermeintlich Schwächeren in die Karten gespielt. Mit Zuschauern ist so ein Derby sicherlich noch mal anders. Dadurch kann sich eine ganz andere Dynamik entwickeln. Wenn du, wie Schalke, an letzter Stelle stehst, hast du natürlich kein Selbstvertrauen. Das hat man der Mannschaft auch angemerkt. Man muss aber auch sagen: Wir haben es richtig gut gemacht, das Zentrum sehr gut zugemacht und beherzt nach vorne gespielt. Mo Dahoud, der zuletzt nicht so viel gespielt hat, macht es momentan außergewöhnlich gut, das muss man hervorheben. Die Herangehensweise unserer Mannschaft war entscheidend.

SPORT1: Ist der Derbysieg auch ein Beleg dafür, dass die Mannschaft hinter Edin Terzic steht?

Watzke: Die Mannschaft folgt Edin. Daran hatten wir aber ohnehin keine Zweifel. Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer ist 1a. Er erreicht die Mannschaft und stellt sie auf jedes Spiel top ein. Wir sind froh, dass er uns auch nach der Saison erhalten bleibt. Edin lebt Borussia Dortmund.

"Edin hat viel mit Jadon gesprochen"

SPORT1: Jadon Sancho hat in diesem Kalenderjahr schon zwölf Torbeteiligungen in zehn Spielen. Am Samstag zählte er zu den besten Borussen. Ist er jetzt wieder dort, wo ihn der BVB haben will?

Watzke: Er hat in Sevilla schon ein sensationelles Spiel gemacht und Erling mit einem überragenden Chip-Ball in Szene gebracht. Gegen Schalke hat er seine aktuelle Form mit einem Tor und einer Vorlage noch einmal unterstrichen. Jadon macht das zurzeit richtig gut, er ist wieder da. Das war aber auch nur eine Frage der Zeit. Jadon ist ein anständiger Kerl. Der ganze Transferdruck im Sommer hat ihn schon beeindruckt. Du kannst als Verein in so einer Situation zwei Dinge machen: Einerseits auf den Spieler draufgehen und deutlich werden, oder ihm gegenüber positiv gestimmt sein und ihm Mut zusprechen. Letzteres hat Edin gemacht. Er hat viel mit ihm gesprochen. Jadon zeigt in den letzten Wochen wieder, welche unglaubliche Qualität in ihm steckt. Wir sind sehr froh, dass er bei uns spielt.

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SPORT1: Die Mannschaft hat den Derbysieg im Bus ausgelassen gefeiert. Dafür gibt es nun Ärger. Werden Sie das Team nochmal zur Rede stellen?

Watzke: Ich verstehe die Freude und finde es grundsätzlich auch gut, dass unsere Spieler nach einem Derbysieg ihren Emotionen freien Lauf lassen. Stellen Sie sich doch mal vor, die Mannschaft fährt nach dem Triumph heim, die Fans stehen jubelnd draußen und unsere Spieler sitzen wie Wachsfiguren ohne Mimik und Gestik drinnen im Bus. Das kann es ja auch nicht sein. Dennoch müssen wir uns alle an Regeln halten! Wichtig ist aber, und das möchte ich an dieser Stelle auch nochmal unterstreichen, dass kein Spieler aus dem Bus rausgegangen ist und mit den Fans gefeiert hat.

SPORT1: Rechnen Sie mit einer Strafe durch die DFL?

Watzke: Wir stehen mit der DFL in Kontakt und werden unsere Lehren aus dieser Sache ziehen. Wir werden den Fall aufarbeiten und mit der Polizei und allen Beteiligten dafür sorgen, dass so etwas nicht noch mal vorkommt. Wir tragen als Borussia Dortmund eine große Verantwortung. Wir entschuldigen uns aufrichtig dafür und werden eine Strafe durch die DFL auch akzeptieren.

"Hoffe sehr, dass Schalke die Klasse hält"

SPORT1: Schafft es der BVB noch auf einen Champions-League-Platz?

Watzke: Die Qualifikation für die Champions League ist natürlich noch realistisch. Das ist unser erklärtes Ziel. Es sind sechs Punkte auf Frankfurt und Wolfsburg. Eines der beiden Teams müssen wir am Ende hinter uns lassen. Es ist sicherlich gut, dass wir im direkten Vergleich noch auf beide Mannschaften treffen. Für uns ist also nach wie vor noch alles drin. Klar ist aber auch: Um die CL zu erreichen, müssen wir mehr als zwei Punkte im Schnitt aus den letzten zwölf Spielen holen. Je deutlicher wir über 60-Punkte-Marke kommen, desto größer sind die Chancen. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

SPORT1: Das 98. Revierderby könnte das vorerst letzte gewesen sein. Wie denken Sie darüber?

Watzke: Ich hoffe sehr, dass Schalke die Klasse hält und werde denen jetzt in jedem der zwölf ausstehenden Spiele extrem die Daumen drücken. Es wird enorm schwierig, zumal in der Mannschaft und auch im Umfeld kaum Selbstvertrauen vorhanden ist. Ein Schalker Klassenerhalt wäre wichtig für die ganze Bundesliga, und speziell für die Menschen im Ruhrgebiet. Ich hoffe, dass es die Revierderbys auch im nächsten Jahr noch geben wird.