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München und Dortmund - Nach der vierten Pleite unter Edin Terzic stellen sich die Bosse von Borussia Dortmund demonstrativ hinter ihren Coach. Im Team allerdings wachsen Zweifel.

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"Es gibt überhaupt keinen Vorwurf an Edin Terzic." - "Es gibt von uns überhaupt keine Kritik an seiner Arbeit."

Auf den ersten Blick sehen diese Sätze aus dem Mund von Michael Zorc und Sebastian Kehl wie gute Nachrichten für den Trainer von Borussia Dortmund aus.

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Auf den zweiten und auch auf den dritten Blick ist es dann aber doch keine ganz so gute Nachricht für den Nachfolger von Lucien Favre, dass er in einer Situation ist, in der solche Sätze ausgesprochen werden müssen.

Das 1:2 des BVB beim SC Freiburg am Wochenende war die vierte Niederlage in neun Spielen unter dem 38-Jährigen. Die vierte Niederlage in elf Spielen unter Favre hatte dessen Entlassung zur Folge (SPORT1-Kolumne von Marcel Reif: "Nur vier Siege - das hätte Favre auch noch hinbekommen").

Trotzdem ist die Lage für Terzic nun eine andere.

Edin Terzic steht in der BVB-Führung nicht zur Debatte

"Wir werden den Weg mit ihm weitergehen", hatte Sportdirektor Michael Zorc nach der dritten Terzic-Niederlage in Gladbach vor zwei Wochen gesagt - und der erneute Rückschlag in Freiburg hat diese Haltung nicht ins Wanken gebracht (SERVICE: Alles zur Bundesliga).

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Nach SPORT1-Informationen sind die für Terzic ausgesprochenen Job-Garantien keine leeren Worte, beim BVB sind sie tatsächlich fest entschlossen, ihn bis zum Sommer im Amt zu belassen. Dem Punkt, an dem Wunschnachfolger Marco Rose übernehmen soll.

Dass die BVB-Führung am Plan mit Terzic nicht rütteln will - trotz der zunehmend in Gefahr geratenden Champions-League-Qualifikation -, wurde auch in den Aussagen nach dem Freiburg-Spiel deutlich.

Zorc und Lizenzspieler-Abteilungsleiter Kehl würgten jede Andeutung einer kritischen Frage nach Terzic ab und zeichneten das Bild eines Trainers, der alles richtig mache, was er richtig machen könne.

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In der Mannschaft gibt es kritische Stimmen

"Wir sehen jeden Tag, wie Edin Terzic sowohl in fachlicher als auch in emotionaler Hinsicht mit den Spielern arbeitet, wie akribisch er dabei zu Werke geht und wie klar er Problempunkte offen und ehrlich anspricht", lobte Kehl.

Ähnlich äußerte sich Zorc: "Edin hat heute sehr deutliche Worte gefunden, die Spieler direkt angesprochen und sie in die Pflicht genommen. Ich hoffe, dass allen die Augen aufgehen."

Innerhalb der Mannschaft ist das Meinungsbild nicht ganz so eindeutig. Nach SPORT1-Informationen gibt es Spieler, die der Ansicht sind, dass Terzic die schlechten Leistungen des Teams zu schonend aufarbeite. Dass er zu sehr betone, was gut gelaufen sei anstatt härter mit der Mannschaft ins Gericht zu gehen - und ihr damit bis zu einem gewissen Punkt ein Alibi verschaffe.

Kehl und Zorc lenken den Blick dennoch (oder gerade deshalb?) auf die Eigenverantwortung von Terzics Schützlingen. Er erwarte "vor allem von den etablierten Spielern deutlich mehr Leistung", sagte Zorc.

Dortmunds Bosse hatten auch mit Lucien Favre Geduld

Den Trainer schützen und starkreden, das Spieler-Kollektiv attackieren und anstacheln: Es sind die Stilmittel einer Klubführung, die ein Szenario vermeiden will, das letztlich auf sie zurückfallen würde.

Ein Abrücken von Terzic wäre für Zorc, Kehl und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Eingeständnis einer Fehleinschätzung - ohne eine Garantie, dass es mit einem anderen Übergangscoach besser laufen würde.

Dem Vorwurf zu großer Sprunghaftigkeit möchten sich die BVB-Bosse nicht aussetzen, wie schon im Fall Favre, der letztlich zweieinhalb Jahre im Amt geblieben war - obwohl die Diskussion, ob er der richtige Mann am richtigen Ort war, früh eingesetzt hatte und immer wieder aufgeflackert war.

Die entschlossene Rückendeckung für Terzic birgt ihre Risiken: Wenn die Ergebnisse weiter ausbleiben, wächst der Rechtfertigungsdruck.