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Stuttgart - Der FC Schalke 04 muss den nächsten Nackenschlag hinnehmen. Beim VfB Stuttgart wird den Königsblauen vor allem die Schwäche bei Standards zum Verhängnis.

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Der Abpfiff war kaum verklungen, da verschwand Christian Gross schon in der Kabine. Kein Abklatschen mit den Spielern, keine aufmunternden Worte, keine Gratulation für den Gegner - der Trainer von Schalke 04 war nach dem angeblichen Gegenwind durch die eigenen Spieler und der nächsten herben Pleite völlig bedient. 

"Es ist eine bittere Niederlage", sagte der Schweizer nach dem 1:5 (1:3) des abgeschlagenen Tabellenletzten beim Aufsteiger VfB Stuttgart. Von seiner Mannschaft fühle er sich aber "nicht im Stich gelassen". Ein Weiter so mit Gross, dem vierten Schalke-Coach in dieser Horrorsaison, scheint jedoch schwer vorstellbar.

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Er habe den Spielern gesagt, dass "sie auf mich zukommen müssen und wir das offen und ehrlich ansprechen", berichtete Gross. Das Grauen in Stuttgart hatte er meist wie zu einer Statue erstarrt in der linken Ecke seiner Coaching-Zone stehend verfolgt, die Hände tief in die Hosentaschen vergraben.

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Abwehrspieler Skhodran Mustafi nahm unterdessen sich und die eigenen Mitspieler in die Verantwortung. "Jeder muss sich an die eigene Nase fassen. Ich werde bis zum letzten Spiel alles geben. Wenn es nicht klappt mit dem Klassenerhalt, möchte ich mir zumindest nichts nachsagen lassen", sagte Mustafi bei Sky und versuchte zugleich, die nächste Klatsche zu relativieren: "Das war kein Spiel, das man 1:5 verliert. Natürlich müssen wir bei den Eckbällen, die zu den ersten Gegentoren führen, besser stehen."

Michael Langer, der im Tor den verletzten Ralf Fährmann vertrat, nahm Gross in Schutz: "Wir schätzen den Trainer extrem, er hat eine große Autorität. Wenn wir so verteidigen, dann ist der Trainer die ärmste Sau."

Bentaleb verschießt Elfmeter

Doppelpacker Wataru Endo (10./26.), Sturmtank Sasa Kalajdzic (34.) mit seinem elften Saisontor sowie die eingewechselten Philipp Klement (88.) und Daniel Didavi (90.+2) sicherten dem VfB den erst zweiten Heimsieg dieser Spielzeit. Kolasinac konnte nur zwischenzeitlich verkürzen (40.). (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen)

Der eingewechselte Nabil Bentaleb vergab zu allem Überfluss die Chance zum 2:3, als er mit einem Foulelfmeter an VfB-Torwart Gregor Kobel scheiterte (72.).

"Eigentlich sollte Amine Harit schießen, aber Nabil hat sich gut gefühlt, deshalb hat Amine ihm den Ball überlassen", klärte Gross auf, mit Blick auf die Standardgegentore ergänzte er: "Wir haben eine gemischte Deckung gewählt, aber die hat überhaupt nicht funktioniert. Es geht darum, dass man Verantwortung übernimmt, insbesondere bei ruhenden Bällen. Aber das war nicht der Fall."

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Wie SPORT1 am Freitagabend erfuhr und berichtete, hat Gross den Rückhalt der Mannschaft verloren. So sollen nach der 0:4-Derbypleite gegen Dortmund Führungsspieler auf Jochen Schneider zugegangen sein und einen erneuten Trainer-Wechsel gefordert haben – doch der scheidende Sportvorstand sträubte sich noch!

Der Vorwurf aus der Mannschaft: Die Trainingsgestaltung unter Gross sei schlecht, taktisch sei der Schweizer nicht auf der Höhe und von der Seitenlinie kämen zu wenig Impulse.

Dass der 66 Jahre alte Coach viele Spieler zuletzt mit falschem Namen ansprach (Kaan Erdogan statt Can Bozdogan und Massimo Schüpp statt Alessandro Schöpf), kommt in der Kabine auch nicht gut an.

Riether dementiert "Spieler-Revolution"

Andere Medien schrieben von einer "Spieler-Revolution", was Sascha Riether gehörig auf die Palme brachte. "Da wird von 'Revolution' gesprochen, aber eine 'Revolution' war da überhaupt nicht", sagte der Koordinator des S04-Lizenzspielerbereichs, vor dem Spiel: "Für uns ist wichtig, dass wir Spieler im Kader haben, die versuchen, anzupacken. Das hat überhaupt nichts mit dem Trainer zu tun, sondern einfach mit der Situation. Denen ist Schalke 04 nicht egal und es ist ganz normal, dass nach einer Derbyniederlage und den letzten Wochen ohne Erfolge die Spieler enttäuscht sind und man sie aufbauen muss und dass sie Gesprächsbedarf haben."

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Die Inhalte der Gespräche wollte Riether indes nicht preisgeben.

Eine von Riether geforderte "Reaktion auf dem Platz" blieb in Stuttgart aber weitgehend aus.

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mit Sportinformationsdienst (SID)