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München und Gelsenkirchen - Matthew Hoppe ist eine der wenigen positiven Erscheinungen beim FC Schalke 04. Im SPORT1-Interview spricht Schalkes Hoffnungsträger über das Derby gegen den BVB.

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Matthew Hoppe kommt vom Sprachunterricht. Drei Mal pro Woche paukt der US-Amerikaner, der im Frühjahr 2019 von der Barca Academy in Arizona zum FC Schalke 04 gewechselt war, Deutsch. "Es ist erst meine zweite Woche", sagt der Stürmer und nimmt sich Zeit für das Interview.

"Ich hoffe, dass wir das nächste Interview auf Deutsch führen können." Vor dem Derby am Samstag gegen den BVB (Bundesliga: FC Schalke 04 - Borussia Dortmund ab 18.30 Uhr), dem vielleicht vorerst letzten für eine ganze Weile, hat SPORT1 mit dem 19-jährigen S04-Hoffnungsträger gesprochen.

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SPORT1: Sie haben kürzlich Ihren ersten Profi-Vertrag auf Schalke unterschrieben. Der Kontrakt läuft bis 2023 und ist auch für die 2. Liga gültig. Warum haben Sie das gemacht?

Matthew Hoppe: Schalke hat mir eine Chance gegeben und auf mich gesetzt. Es ist unglaublich, dass ich hier in der Bundesliga spielen darf. Als Jochen Schneider auf mich zu kam, war sofort für mich klar, dass ich das mache: Ich will dem Verein gerade in dieser schwierigen Phase etwas zurückgeben und bin unglaublich dankbar.

Hoppe: Ich bleibe auf Schalke

SPORT1: Gehen Sie mit Schalke auch in die 2. Liga?

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Hoppe: Ich bleibe auf Schalke – unabhängig von der Liga. Am wichtigsten ist es für mich, dass ich spiele und meine Einsätze bekomme. Das brauche ich für meine Entwicklung. Ich mache mir demnach keine Gedanken darüber, ob ich in der 1. oder 2. Liga spiele, auch wenn wir natürlich unbedingt den Klassenerhalt noch schaffen wollen. Es war ein besonderer Moment, diesen Vertrag zu unterzeichnen. Ich bin sehr glücklich darüber und blicke jetzt nach vorne. Wir wollen schließlich noch etwas erreichen.

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SPORT1: Glauben Sie wirklich noch an den Klassenerhalt?

Hoppe: Wir befinden uns in einer schweren Ausgangslage, das wissen wir alle. Ich bin aber ein Optimist. Wieso sollten wir nicht dran glauben? Wir müssen langsam anfangen, eine Serie zu starten. Das versuchen wir am Samstag im Derby gegen den BVB. Aufgeben werden wir nicht! So lange der Klassenerhalt noch möglich ist, werden wir kämpfen!

SPORT1: Sie sind wegen ihrer fünf Treffer zum "Rookie des Monats" Januar in der Bundesliga gewählt worden. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Hoppe: Es ist eine große Ehre und ich bin sehr froh, diese Auszeichnung erhalten zu haben. Ich ruhe mich aber sicher nicht darauf aus: Ich will mich immer weiter verbessern, habe noch viel Luft nach oben.

SPORT1: Geben Sie uns recht, wenn wir sagen: Sie sind einer der wenigen Gewinner einer schlimmen Schalke-Saison?

Hoppe: Darüber müssen andere urteilen. Für mich ist in den letzten Wochen definitiv ein Traum wahrgeworden. Ich spiele auf einmal in der Bundesliga in einer Mannschaft mit Stars wie Sead Kolasinac oder Klaas-Jan Huntelaar. Das ist eine großartige Sache für mich.

Hoppe: Habe auch in Hamburg und Düsseldorf vorgespielt

SPORT1: Wie kamen Sie eigentlich nach Deutschland? Wir hörten, dass Sie auch ein Probetraining bei Fortuna Düsseldorf gemacht haben.

Hoppe: Mein großer Traum war immer schon, professionell in Europa zu kicken. Ich hatte zwei erfolgreiche Jahre in der Barca Academy und wollte dann den nächsten Schritt machen. Ich habe auch in Hamburg und Düsseldorf vorgespielt, am Ende hat mir S04 einen Nachwuchs-Kontrakt angeboten. Und so kam ich hierher. Ich bin sehr glücklich, wie alles gelaufen ist.

SPORT1: Welche Rolle spielt U19-Trainer Norbert Elgert für Sie?

Hoppe: Er ist unglaublich wichtig für mich. Zu Beginn der Corona-Pandemie, als wir Spieler oft nur zu Hause waren, habe ich wöchentlich mit ihm telefoniert. Wir haben viel geredet und uns ausgetauscht. Er sorgt sich sehr um uns junge Spieler. Unter ihm lerne ich viel. Er zeigt mir bis heute, in welchen Bereichen ich mich überall verbessern muss.

SPORT1: Wo müssen Sie sich noch verbessern?

Hoppe: "Ich muss an meinem ersten Ballkontakt arbeiten"

Hoppe: Ich muss sicherlich an meinem ersten Ballkontakt arbeiten und daran, den Ball mit dem Rücken zum Tor noch besser zu halten und festzumachen. Daran arbeite ich täglich. Das kommt aber alles mit den Spielen, den Einsätzen und der Erfahrung.

SPORT1: US-Coach Gregg Berhalter stellte Ihnen zuletzt Einsätze in der Nationalmannschaft in Aussicht. Stehen Sie in Kontakt mit ihm?

Hoppe: Ja, ich stehe mit Gregg Berhalter in Kontakt. Er gab mir am Telefon einige Tipps und hat gesagt: 'Bleib dran, arbeite hart und fokussiere dich. Dann bekommst du deine Chance bei mir.' So etwas motiviert mich. Ich versuche, ständig besser zu werden und hoffe, dass ich irgendwann auch für das US-Team spielen werde.

SPORT1: Nicht wenige Experte haben Ihnen nach Ihren ersten Einsätzen die Qualität für die Bundesliga abgesprochen. Wie hart hat Sie das getroffen?

Hoppe: Um ehrlich zu sein, hat mich das gar nicht getroffen. Es ist der Job der Experten, etwas zu sagen und Spielerleistungen zu beurteilen. Ich hoffe, ich konnte sie ein bisschen umstimmen.

SPORT1: Mit Gio Reyna, Chris Richards oder Josh Sargent spielen viele Ihrer Landsmänner in der Bundesliga. Haben Sie Kontakt zu den Kollegen?

Hoppe: Es ist schön, dass so viele US-Amerikaner hier in Deutschland sind. Mit Gio Reyna bin ich in Kontakt, wir haben eine gute Beziehung.

SPORT1: Haben Sie sich vor dem Derby am Samstag mal ausgetauscht?

Hoppe: Nein, die Zeit blieb dazu leider nicht.

SPORT1: Sie stehen zurzeit auch in der Startelf, weil mit Goncalo Paciencia und Klaas-Jan Huntelaar zwei etablierte Stürmer verletzt sind. Haben Sie mal darüber nachgedacht, wie die letzten Wochen ohne die Verletzungen der Sturmkollegen für Sie verlaufen wären?

Hoppe über Huntelaar: "Seine Aura ist unglaublich"

Hoppe: Verletzungen gehören leider zum Fußball dazu. Glauben Sie mir: Ich wünsche niemandem, dass er sich verletzt. Es ist für uns alle sehr ärgerlich, dass die Jungs uns momentan auf dem Platz nicht helfen können. Beide stehen aber voll hinter uns. Bei Klaas-Jan sehe ich jeden Tag, wie sehr er diese besondere Situation annimmt. Er hilft uns in der Kabine enorm.

SPORT1: Womit genau hilft er Ihnen?

Hoppe: Klaas-Jan hilft, wo er kann, hat eine Menge Erfahrung. Seine Aura ist unglaublich. Ich lerne von jedem in der Mannschaft, aber von ihm besonders. Nach einem Spiel ist er am nächsten Tag mit mehreren Seiten Notizen in die Kabine gekommen. Er hat uns gezeigt, wo wir besser werden müssen. Wir haben uns gemeinsam Höhepunkte angeschaut, er hat bestimmte Dinge immer wieder runtergebrochen auf kleine Aspekte. Es sind Kleinigkeiten, auf die er wert legt. Kleinigkeiten, die uns am besser machen. Wie stehe ich noch besser? Wie positioniere ich mich im Strafraum?

SPORT1: Spielen Sie am Samstag Ihr erstes und gleichzeitig letztes Derby gegen den BVB?

Hoppe: Machen uns mit Video-Clips aufs Derby heiß

Hoppe: Ich glaube nicht, dass es unser letztes Derby sein wird. Wir werden alles reinhauen, damit genau das nicht passiert. Wir haben viele Kämpfer im Team, die schon viel erlebt haben – der Glaube ist da, dieses Derby zu gewinnen, auch wenn der BVB natürlich wirklich gut ist. Wir haben uns in dieser Woche mit Video-Ausschnitten von erfolgreichen Derbys aus der Vergangenheit heiß gemacht. Jeder weiß, wie wichtig dieses Spiel für die Stadt ist.

SPORT1: Wenn es mit dem Klassenerhalt – entgegen Ihrer Hoffnungen - am Ende nichts werden sollte: Könnte ein Neuaufbau mit jungen Spielern eine Chance sein?

Hoppe: Junge Spieler sind immer eine Chance für einen Verein. Wir haben viele gute Jungs, mit denen wir eine erfolgreiche Zukunft haben können. Selbst wenn wir wirklich den Klassenerhalt nicht schaffen sollten, wovon ich nicht ausgehe, werden wir daraus gestärkt herausgehen. Aber nochmal: Wir werden bis zum Schluss alles für den Klassenerhalt tun.

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SPORT1: Wie haben Sie als junger Spieler die vielen Trainerwechsel auf Schalke erlebt?

Hoppe: Ich konnte von jedem Trainer etwas mitnehmen. Sowohl Huub Stevens, als auch Manuel Baum und jetzt Christian Gross haben etwas in mir gesehen. Ich konnte von allen viel lernen. Christian Gross glaubt an mich und meine Qualitäten. Er spricht täglich mit mir. Er ist ein großartiger Trainer.

SPORT1: Ihr Landsmann Weston McKennie hat den Sprung von Schalke zu einem Top-Team geschafft und glänzt aktuell bei Juventus Turin. Wie verfolgen Sie seine Leistungen?

Hoppe: Ich habe mich oft mit Weston unterhalten, als er noch hier war. Er ist ein großartiger Typ. Sein Herz schlägt für Schalke. Weston hat gezeigt, wohin es für uns junge Spieler bei harter Arbeit gehen kann. Es ist unglaublich, was er dort drüben in Turin zeigt. Auf einmal spielt er dort mit Cristiano Ronaldo und ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Er ist ein Vorbild für alle Amerikaner.