SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk fordert von den Bundesliga-Machern mehr Empathie
SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk fordert von den Bundesliga-Machern mehr Empathie © SPORT1-Grafik/Imago
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München - Während Millionen von Menschen um ihren Job und ihre Liebsten bangen, macht die Bundesliga weiter. Zurecht? Ein Kommentar von SPORT1-Chefredakteur Pit Gottschalk.

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Die Politik hat gestern entschieden, dass der persönliche Bewegungsradius auf 15 Kilometer beschränkt wird.

Der Bundesliga kommt die Verordnung sehr entgegen: Fußballprofis legen in 90 Spielminuten selten eine längere Strecke zurück. Im Ernst: Wir können wohl davon ausgehen, dass der Ball weiterhin rollt.

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Dass gleichzeitig Schulen und Kindergärten ihre Pforten schließen und damit ihren Bildungsauftrag limitieren, ist aktuell der Widerspruch, den Deutschland erlebt und offenbar aushalten muss.

Der Druck auf die Bundesliga nimmt zu

Man argumentiert von Vereins- und Verbandsseite dann gerne mit der Bubble, die den Fußballzirkus, wenn er neun Mal am Wochenende seine Zelte aufstellt, vom richtigen Leben abgrenzt. 

Wie die Begegnung mit der Realität in Pandemie-Zeiten verhindert wird, wenn zum Beispiel ein Torjäger mal eben zum Trophäen-Empfang nach Dubai jettet (Lewandowski), bleibt eines dieser Geheimnisse 2020/21. Die Premier League in England meldete gestern 40 neue Corona-Infektionen in einer Woche.

Natürlich, die Spieler werden regelmäßig getestet, damit die Gefahr einer Ausbreitung sinkt. Der Maßnahmenkatalog ist umfang- und hilfreich. Aber genau das behaupteten Gastronomie, Einzelhandel und Tourismus ja auch, als sie zumachen mussten: dass alles getan wurde, was notwendig war.

Man fragt sich: Woher stammen dann die dauerhaft hohen Infektionszahlen? Die Bundesliga fühlt, wie der öffentliche Druck erneut steigt, den Spielbetrieb auszusetzen. Dem steht die Frage entgegen: Wem wäre damit geholfen?

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Was für und gegen einen Bundesliga-Stopp spricht

Die Verzweiflung bei den Bundesliga-Klubs über das drohende Aus ist mit Händen zu greifen. Das billigste Argument wäre jetzt zu sagen: Wenn wir nicht spielen, droht dem Verein die Pleite. Die Urangst erleben andere Branchen auch, die keine Vorsorge treffen konnten. Die Pandemie nimmt keine Rücksicht auf Fußballhistorie.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Was haben andere Branchen davon, wenn die eine, die alle finanziellen Mittel hat, sich vor Ansteckung und Ausbreitung zu schützen, ebenso pausiert?

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Die Bundesliga könnte noch viel offensiver argumentieren und sagen: Wir sind neben Playstation und Netflix ein weiterer guter Grund, dass Menschen zu Hause bleiben und fernsehen.

In der ersten Schrecksekunde ist dieser Gedanke ein Schlag in das Gesicht von jenen, die Symbolpolitik einfordern und den Fußball als das sehen, was er ist: eine Nebensache. (Vermutlich die wichtigste der Welt, aber eben genau das: eine Nebensache.) In der Coronakrise gibt es aber kein Richtig und kein Falsch mehr.

Der Bundesliga fehlt die Empathie

Dem Profifußball in Deutschland muss man zugute halten, dass er alles an Hygiene-Konzepten umgesetzt hat, die einerseits sinnvoll und andererseits angemessen sind. Ein Zusammenhang zwischen Infektionszahlen und der Fortführung des Spielbetriebs ist - bei allem Laiensachverstand - nicht zu ersehen. Niemand drängt zum Beispiel die Politik, Zuschauer im Stadion zu erlauben.

Was den Bundesliga-Machern manchmal abgeht, ist womöglich eine Empathie, die über das Bejammern der eigenen Situation hinausgeht.

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Millionen von Menschen bangen um ihre Jobs. Eltern wissen nicht, wie sie Beruf und Familie vereinbaren sollen. Die Jungen sind, solange der Impfstoff nicht flächendeckend verteilt ist, in Sorge um die Gesundheit der Alten. In so einer Gefühlswelt will man nicht hören, dass beim geliebten Verein der erhoffte Sensationstransfer ausbleibt oder man dem Starspieler keine halbe Million vom Gehalt abziehen kann.

Mehr Sensibilität fürs große Ganze könnte helfen, dass mehr Leute dem Fußball jedes einzelne Spiel gönnen.

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