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Arne Friedrich soll Hertha BSC als Verantwortlicher wieder in die Spur bringen. Er hat eine große Aufgabe vor sich, könnte aber der richtige Mann dafür sein.

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Es hat schon eine gewisse Ironie, dass der neue Hoffnungsträger von Hertha BSC ausgerechnet von Jürgen Klinsmann zum "Big City Klub" geholt wurde.

Im November 2019 war es, als Arne Friedrich auf Bitte des damaligen Cheftrainers einen Posten als "Performance Manager" beim Hauptstadtklub antrat. Zur Saison 2020/21 wurde der frühere deutsche Nationalspieler dann zum Sportdirektor befördert und nun ist er schon ganz oben im Klub angekommen. 

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Am Dienstag wurde Friedrich als Nachfolger des entlassenen Managers Michael Preetz vorgestellt. Auch wenn er seinen Titel als Sportdirektor behält, hat er jetzt deutlich mehr Verantwortung. Jetzt soll er also die Kohlen aus dem Feuer holen - zusammen mit dem neuen und alten Hertha-Coach Pal Dárdái.

"Für mich haben sich in den letzten Tagen einige Dinge extrem geändert", sagte Friedrich bei der Pressekonferenz am Dienstag: "Ich habe nicht viel geschlafen, es ist schon ein Brett von heute auf morgen Hauptverantwortlicher zu sein."

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Für Friedrich ist es eine rasante Wende seiner Karriere nach der Karriere. 

Karriereende in den USA und A-Lizenz

Beendet hatte der frühere Innenverteidiger seine aktive Karriere in den USA. Bei Chicago Fire hatte er - sozusagen als Vorgänger von Bastian Schweinsteiger - seine Karriere beendet und in dieser Zeit "sein Glück in Amerika gefunden", wie er damals in einem Interview mit der Bild verriet. 

Im Jahr 2013 war dann Schluss als Fußballer in Übersee und Friedrich hatte es zurück nach Berlin gezogen. "In meine Heimat", wie er selbst sagt. Mit den USA hat der 41-Jährige aber auch noch heute Verbindungen und sogar eine Wohnung in Los Angeles. Unter anderem ist er Gründungsmitglied einer amerikanischen Firma, die Fußballcamps in Florida organisieren. 

Neben seiner Karriere als Geschäftsmann hat Friedrich nach seiner aktiven Zeit allerdings auch einen Trainerschein gemacht - er besitzt die A-Lizenz. Von August 2014 bis Ende 2015 war Friedrich Co-Trainer der deutschen U18-Nationalmannschaft. 

Über einige Jahre schien Friedrich ein wenig seinen Platz in der Welt nach seiner Karriere als Fußballer zu suchen. Er testete viel aus und kehrte dann dorthin zurück, wo er nicht gerade im Guten gegangen war. 

Steiler Aufstieg beim Big City Klub

Im Jahr 2010 hatte Friedrich der frisch in die 2. Bundesliga abgestiegenen Hertha den Rücken gekehrt, nachdem er acht Jahre seine Knochen für den Klub hingehalten hatte. 

"Für viele war ich der Sündenbock", sagte Friedrich später in einem Interview mit dem Kicker. Es ging damals um schwere Verwerfungen mit der Klub-Führung - allen voran dem neuen Manager Michael Preetz, der in seiner ersten Spielzeit gleich einen Abstieg zu verantworten hatte. 

Später sprach sich Friedrich mit dem Mann aus, der dann noch viel später sein neuer Chef wurde und dessen Aufgaben er nun innehat. Nur 14 Monate hat Friedrich bei seinem Herzensklub verbracht, seitdem ihn Klinsmann herbeiwünschte - ein steiler Aufstieg. 

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Friedrich überstand die unschöne Trennung mit Klinsmann und blieb auch unter Bruno Labbadia - mit dem er selbst noch bei der Hertha zusammengespielt hatte - nah dran an den Spielern. Genau das soll sich nicht ändern - wenn es nach ihm geht: "Ich will weiter nah an der Mannschaft bleiben, das ist mir ein Bedürfnis." 

Ist Friedrich für die große Aufgabe bereit? 

Nun stellt sich die Frage, ob Friedrich schon bereit für die Aufgabe ist, die Hertha endlich zu dem zu machen, was sie gerne wäre: Ein Big City Klub, der um die Champions League mitspielt. 

"Ich habe mir das so nicht vorgestellt, nehme die Situation aber jetzt an", sagte er bei der Pressekonferenz über die schnelle und überraschende Beförderung zum Hauptverantwortlichen. 

Doch wie steht es um seine Kontakte? "Mein Netzwerk ist nicht schlecht und ich habe auch tolle Leute um mich", antwortete auf diese Frage. "Ich suche mir auch gerne Hilfe, denn das ist für mich eine neue Welt. Ich habe mich noch nie vor neuen Aufgaben gescheut." 

Dieser Ansatz könnte Erfolg versprechen: Friedrich ist nicht in seiner Position, weil er sich gerne reden hört, ein Finanzexperte oder ein knallharter Manager ist. Vielmehr will er seinen Herzensklub nicht mehr als Gespött vieler Fußballfans sehen und ihn nach oben führen.

Transfers? "Wollen ruhige Hand behalten"

Seine erste Aufgabe wird es sein, die Hertha mit Dárdái aus dem Abstiegskampf herauszuhalten - momentan trennen die Berliner nur zwei Punkte vom Relegationsplatz. (Service: Die Tabelle der Bundesliga

"Wir vertrauen dem Kader", sagte Friedrich, verheimlichte allerdings nicht, dass er sich natürlich umsieht: "Der Transfermarkt schließt bald, es gibt daher einiges zu analysieren. Wir wollen aber auch eine ruhige Hand behalten und nur etwas machen, das auch wirklich Sinn macht."

Im aktuellen Kader - der aus einem großen und nicht günstigen Umbruch im Sommer resultiert - sieht Friedrich viel Talent. "Er steckt aber noch in den Kinderschuhen", meint er. 

Für die Fans dürfte Friedrich deutlich greifbarer sein, wie es Preetz war. Auf der Presskonferenz wirkte er voller Tatendrang und Motivation. Er scheint zu wissen, auf was er sich einlässt.

"Ich habe auf jeden Fall nicht zu wenig zu tun. Ich habe aber auch ein vertrauensvolles Team, weil: alles kann ich nicht machen."