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München und Mönchengladbach - Ein umstrittener Elfmeter in der Nachspielzeit kostet Borussia Mönchengladbach beim VfB Stuttgart den Sieg. Gladbachs Jonas Hofmann redet sich in Rage.

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Jonas Hofmann war kaum zu bremsen.

Der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach redete sich nach dem 2:2 beim VfB Stuttgart regelrecht in Rage. Anlass war ein umstrittener Elfmeter in der Nachspielzeit, der die Gladbacher um den Sieg brachte.

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Gladbachs Ramy Bensebaini klammerte zwar kurz gegen Sasa Kalajdzic, aber der VfB-Angreifer stolperte auch über die Beine seines Teamkollegen Waldemar Anton und kam dadurch erst zu Fall. Videoschiedsrichterin Bibiana Steinhaus gab Schiedsrichter Felix Brych den Hinweis aus dem Kölner Keller. Nach Betrachtung der TV-Bilder deutete Brych auf den Punkt. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Anschließend wurde Hofmann von Sky-Reporter Patrick Wasserziehr befragt. SPORT1 hat den Dialog im Wortlaut - und weitere Reaktionen zur umstrittenen Last-Minute-Entscheidung:

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Frage: Jonas Hofmann ist durchaus auf Temperatur, was sagen Sie zu der Schlüsselszene?

Jonas Hofmann: In der heutigen Zeit ist es so, dass die Spieler kaum noch ihre Meinung sagen dürfen. Wenn ich die jetzt kundtun würde, würde ich wahrscheinlich für den Rest der Saison gesperrt werden. Das ist eine absolute Frechheit. Ganz klar! Ich weiß nicht, was man da denkt. Ich weiß nicht, für was wir einen Videoschiedsrichter haben. Es heißt, nach klaren Fehlentscheidungen. Der Stürmer läuft rückwärts. Breel Embolo wird 50 Mal im Spiel so gefoult und wir kriegen kein einziges Foul. Und in der 94. Minute pfeift dieser Schiedsrichter ein Foul - oder besser gesagt: Er kriegt einen Hinweis, es wäre eine klare Fehlentscheidung. Das ist Wahnsinn, sowas habe ich noch nie erlebt.

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Jonas Hofmann: "Eine absolute Frechheit"

Frage: Sie haben die Spielleitung angesprochen. Hat sich da der Frust, den wir jetzt hören, schon über die 90 Minuten angestaut?

Hofmann: So viel kann sich momentan gar nicht anstauen. Es ist nur eine absolute Frechheit. Das Spiel wurde heute entschieden durch zwei, drei Personen - das ist einfach so, und das wissen die hoffentlich selber. Ich sage jetzt nicht mehr, sonst wird es mir echt zu viel.

Frage: Muss Bensebaini die Arme so drumlegen oder wird er aus Ihrer Sicht in der Situation fast dazu genötigt, weil der Stürmer sich reinlegt?

Hofmann: Der Stürmer läuft die ganze Zeit rückwärts. Natürlich hat er so die Arme. Ich habe es ja gerade gesagt, Breel Embolo hat 50 Mal im Spiel die Arme um sich herum. Da könnte ich jetzt 50 Szenen davon zeigen und da wird nicht einmal etwas gepfiffen. Und in der Situation den Hinweis zu kriegen: Das ist eine klare Fehlentscheidung - darum geht es ja!

Frage: War Ihnen dann klar, dass der Elfer gegeben wird?

Hofmann: Ja, klar. Also wer - naja, ich sage es nicht. Es war klar.

Frage: Dann lassen wir es jetzt an dem Punkt, denn das war sehr deutlich. Was sagen Sie zum Spiel?

Hofmann: Es war super, wie wir nach dem Ausgleich zurückgekommen sind und die Führung erzielt haben. Aber nach dem Tor haben wir kaum noch etwas nach vorne kreiert. Wir haben eigentlich nur noch verteidigt. Man muss auch mal dreckige Spiele gewinnen, normalerweise hätten wir das heute.

Frage: War es schwer im Kopf, sich nach dem Highlight gegen die Bayern auf das etwas zähere Ringen hier einzustellen?

Hofmann: Nein, für den Kopf überhaupt nicht, weil wir die Motivation hatten, dieses Spiel mit noch einem Dreier zu veredeln. Es hat uns eher beflügelt. Aber leider hat es nicht gereicht.

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Weitere Reaktionen: Brych räumt Fehlentscheidung ein

Felix Brych (Schiedsrichter): "Bensebaini geht ein hohes Risiko, weil er den Spieler umklammert. Aber letztlich gibt es auch noch einen Kontakt vom eigenen Spieler am Fuß. Ich glaube auch, dass der vielleicht wirklich mitentscheidend war. Wenn man den Elfmeter direkt pfeift, dann muss er akzeptiert werden. Mit dem VAR-Eingriff bleiben schon ein paar Restzweifel."

Auf die Frage, ob er den Kontakt mit Anton übersehen hat: "Genau. Das kann man auf dem Platz nicht erkennen, weil man nur auf einen Bereich des Körpers schauen kann. Ich habe nur die Hände gesehen, aber mir war es vom Gefühl her ein Tick zu wenig. Auf den anderen Umstand wurde ich nicht hingewiesen, den habe ich auch nicht gesehen, auch nicht auf dem Bildschirm. Erst jetzt, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung."

Auf die Frage, ob ihm die falschen Bilder vorgespielt wurden: "Das kann man sagen, wie man will. Ich habe auch die Bilder gesehen, die Sie gesehen haben. Das ist eine komplexe Szene, weil zwei Kontakte vorliegen. Der Verteidiger geht das Risiko, das war von ihm auch nicht besonders clever. Der Kontakt unten ist uns leider verborgen geblieben."

Auf die Frage, ob er den Elfer nach jetzigem Wissen nicht gegeben hätte: "Mein Gefühl war heute, glaube ich, ganz gut auf dem Platz, auch in der gesamten Spielleitung. Mir war es auf dem Platz im Livespiel ein Tick zu wenig. Ich glaube, heute kann Stuttgart mit dem Elfmeter glücklich sein."

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Kramer fassungslos - Kalajdzic spürt Berührung

Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach): "Da wurde Elfer gepfiffen? Ja gut ... Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Das ist ja nicht mal im Mittelfeld ein Foul. Ich bin ein großer Fan davon, dass man sich strittige Szenen anschaut, da bin ich auch so unparteiisch, dass ich sage, auch für Stuttgart. Aber wenn du dir die Szene anschaust, kannst du nie und nimmer darauf kommen, dass das eine klare Fehlentscheidung ist. Jeder, der viel Fußball geschaut hat, und alle, die jemals selbst Fußball gespielt haben, sehen: Kalajdzic drückt ihn (Bensebaini, Anm. d. Red.) auch so ein bisschen weg. Er kommt ja im Rückwärtslauf. Er (Bensebaini, Anm. d. Red.) reißt ihn ja nicht zu Boden. Dafür Elfmeter geht eigentlich jetzt nicht. Ich habe zuletzt schon über einen Schiri geschimpft. Ich komme mir immer ein bisschen blöd vor, wenn ich dann immer den Schiedsrichter so 'beschimpfe'. Aber das ist natürlich nie und nimmer ein Elfmeter."

Sasa Kalajdzic (VfB Stuttgart): "Ich kann mich nicht genau erinnern, aber ich habe keine Schwalbe gemacht. Ich habe mich ein bisschen in den Gegner hineingelehnt und wollte mit dem richtigen Timing zum Ball gehen. Dann habe ich gespürt, dass ich am Bauch festgehalten werde und nicht nach vorne rennen konnte. Vielleicht bin ich auch über den Fuß von Waldemar Anton gestolpert. Ob es ein Foul war oder nicht, ist schwer zu sagen. Ich will mich nicht festlegen, aber ich einfach nur froh, dass wir noch den Punkt geholt haben."

Rose sauer über VAR-Eingriff - Matarazzo sieht Elfmeter

Marco Rose (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Man kann sich grundsätzlich ein bisschen cleverer anstellen als Verteidiger, die Hände weglassen. Aber wenn man die Szene aus unterschiedlichen Winkeln betrachtet, dann sieht man relativ deutlich, dass Anton seinen eigenen Mitspieler ins Straucheln bringt und dass Kalajdzic in Bensebaini reinfällt."

Zum VAR-Eingrif: "Die erste Frage für mich ist: Ist es eine klare Fehlentscheidung? Der Schiedsrichter hat ja weiterlaufen lassen. Dann frage ich mich: Warum kommt dann wieder Köln dazu? Wahrscheinlich lese ich morgen wieder irgendeine DFB-Erklärung, warum man diesen Elfmeter gegeben hat. Keine klare Fehlentscheidung bedeutet: Köln bleibt weg. Klare Ansage. Aber irgendwas werde ich wahrscheinlich wieder um die Ohren bekommen."

Pellegrino Matarazzo (Trainer VfB Stuttgart): "Er (Bensebaini, Anm. d. Red.) hat beide Hände um ihn (Kalajdzic, Anm. d. Red.) herum, zieht ihn auch zurück. Auf dem Scouting-Feed sieht es noch deutlicher aus, als auf diesem Bild. Ich glaube, es ist ein Elfmeter. Ob es eine hundertprozentige Fehlentscheidung ist, weiß ich nicht. Aber normalerweise kann man das sicherlich pfeifen."

Auf die Frage, ob der VAR-Eingriff berechtigt war: "Offensichtlich hat ein Schiedsrichter das angeschaut und als hundertprozentige Fehlentscheidung bewertet. Wir lassen das so stehen. Bensebaini kann die Hände weglassen, dann passiert nichts. Was machen beide Hände um Kalajdzic herum? Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist es Elfmeter. Er schaut sich nach Eingreifen des VAR die Szene ja auch an. Also hat er auch einen Foulelfmeter gesehen. Ich kann den Unmut auch verstehen, aber es ist halt, wie es ist. Wir haben uns auch mehrmals benachteiligt gefühlt."