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München - Joshua Kimmich überzeugt gegen Mainz als Rechtsverteidiger. Er spielt lieber im Mittelfeld. Bereits sein Vorgänger Philipp Lahm musste in der Abwehr bleiben.

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War das der Fluch der guten Tat? 

Joshua Kimmich übernahm beim 5:2 gegen Mainz am Sonntag in der zweiten Halbzeit die Position des Rechtsverteidigers von Benjamin Pavard und führte den FC Bayern dort zum Mega-Comeback. (Service: ERGEBNISSE und SPIELPLAN der Bundesliga)

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Dafür bekam der 25-Jährige Lob von Trainer Hansi Flick. "Joshua hat in der zweiten Halbzeit gezeigt, wie man einen Außenverteidiger interpretiert."

Nun könnte Kimmich wieder entgegen seines eigenen Wunsches dauerhaft als Rechtsverteidiger einspringen.

Kurios: Kimmichs indirekter Vorgänger Philipp Lahm wollte im Herbst seiner Karriere lieber in der Schaltzentrale spielen, musste dann aber ebenfalls in der Viererkette spielen. 

Landet Kimmich nun in der Lahm-Falle und muss als Abwehrmann in den sauren Apfel beißen?

Fest steht: Es gibt viele Unterschiede zwischen den Situationen der beiden Stars. 

Das zeigt schon die Ausbildung des Duos in ihrer Jugendzeit.

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Kimmich ist gelernter Mittelfeldspieler 

Kimmich wuchs beim VfB Stuttgart auf, ging dann zu RB Leipzig und fasste dort vor seinem Wechsel zum FC Bayern als Profi Fuß. Er spielte seit seiner Jugend immer im zentralen Mittelfeld. 

Lahm hingegen agierte während seiner Karriere bis zum Alter von 29 Jahren immer als Außenverteidiger. Erst im August 2013 brachte ihn Pep Guardiola erstmals im Mittelfeld. Die "Beförderung" zum Spielgestalter war also zunächst mal ein Experiment im Karriere-Herbst. 

Zuvor war Lahm jahrelang zwischen der linken und der rechten Seite in der Defensive gependelt. 

Zu Lahm als Verteidiger gab es nie Alternativen

Ein großer Unterschied zwischen Kimmich heute und Lahm damals: die Rechtsverteidiger-Alternativen im Kader. 

Beim FC Bayern stehen aktuell mit Pavard, Bouna Sarr, Chris Richards gleich drei gelernte Profis auf der Position zur Verfügung. Zudem könnte Niklas Süle - wie bereits gegen Wolfsburg und Leverkusen - aushelfen. 

Pavard steckt aktuell zwar im Formtief, entwickelte sich aber seit seinem Wechsel von Stuttgart zum Rekordmeister extrem weiter und stieß in die internationale Klasse vor. 

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Zu Lahm gab es zwischen 2005 und seinem Karriereende 2017 nie einen wirkliche Alternative beim FC Bayern. Erst standen Christian Lell oder Christian Görlitz als Ersatz bereit. Später war dann jahrelang Rafinha der zweite Rechtsverteidiger im Kader. 

Kimmich als Sechser offensiver als Lahm

Der Brasilianer war zwar immer ein solider Vertreter, von der Weltklasse aber deutlich weiter entfernt als Pavard in seiner Topform.

Als Lahm aufhörte, wurde Kimmich vor allem als Rechtsverteidiger gebraucht, weil es keinen anderen Spieler seines Formats auf dieser Position gab.

Ein weiterer Unterschied: Kimmich ist in der Zentrale deutlich gefährlicher. Er bereitet vor und schließt auch selbst ab. Lahm hingegen übernahm vor allem den Spielaufbau, hielt sich offensiv zurück. Für Kimmich gilt: Sowohl bei den Bayern als auch in der Nationalmannschaft ist er im Mittelfeld eigentlich unersetzlich. 

Lahm agierte nur kurz im Zentrum

Ähnlich ist die Situation bei Lahm und Kimmich jedoch, was das Mega-Angebot im zentralen Mittelfeld betrifft.

In der Saison 2013/2014 standen Trainer Guardiola in der Zentrale mit Toni Kroos, Thiago, Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez und Talent Pierre-Emil Höjbjerg mehrere Hochkaräter zur Verfügung. 

Eine ähnliche Auswahl hat Flick aktuell. Marc Roca, Javi Martinez, Leon Goretzka und Corentin Tolisso stehen als gestandene Stars parat. Dazu kommen die Supertalente Jamal Musiala, Angelo Stiller und Tiago Dantas. (Service: TABELLE der Bundesliga

Der Ausfall durch die Meniskus-Verletzung machte aber deutlich: Kimmich wird dringend im Mittelfeld gebraucht. Nach SPORT1-Informationen ist der Anführer deshalb weiterhin fest als Sechser eingeplant. Einsätze hinten rechts sind nur gelegentlich vorgesehen.

Kimmichs Position ist über kurz oder lang klar: die Schaltzentrale im Mittelfeld.