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München - Hansi Flick setzt beim FC Bayern mit Alaba und Boateng auf eine Innenverteidigung, die im Sommer womöglich nicht mehr da ist. Das bringt Erfolg, birgt aber auch Brisanz.

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Der FC Bayern München hat derzeit gut lachen.

In der Bundesliga hat das Team von Trainer Hansi Flick in die Erfolgsspur zurückgefunden. Mit dem 4:1 gegen die TSG Hoffenheim feierte der Rekordmeister den vierten Sieg in Serie. Der Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig beträgt nach 19 Spielen komfortable sieben Punkte.

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Einziger Wermutstropfen: Die Pokal-Blamage beim Zweitligisten Holstein Kiel, bei der der Triple-Sieger im Elfmeterschießen an den Norddeutschen scheiterte. Dennoch ist ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Das gilt auch für die Defensive.

Flick setzt auf Triple-Abwehr

Die Abwehr des Titelverteidigers erwies sich über weite Strecken der Saison nicht gerade als meisterlich, zuletzt konnte Flick seine Defensive allerdings stabilisieren. Zweimal in den vergangenen vier Bundesliga-Spielen stand die defensive Null, insgesamt kassierte Bayern nur zwei Treffer.

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Das hat auch mit Flicks Maßnahme zu tun, auf Abwehrexperimente zu verzichten. Der 55-Jährige setzte zuletzt vermehrt auf die Triple-Abwehr, bestehend aus Alphonso Davies, David Alaba, Jérôme Boateng und Benjamin Pavard.

Das bedeutet auch: Niklas Süle und Lucas Hernández müssen sich hintenanstellen, kamen in jüngster Vergangenheit, wenn überhaupt, als Aushilfs-Außenverteidiger zum Einsatz. Beim 4:0 bei Schalke 04 vor einer Woche ersetzte Süle beispielsweise den zuletzt formschwachen Pavard als Rechtsverteidiger.

"Niki ist einer, der die Qualität hat, dass er spielen muss. Deswegen haben wir ihn auf Schalke auf dieser Position gebracht, und er hat auch defensiv Stabilität gegeben. Er verschafft uns eine weitere Option", hatte Flick auf SPORT1-Nachfrage erklärt.

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Hernández und Süle in der Innenverteidigung nur zweite Wahl

Hernández war zuletzt eine Option für die Linksverteidigerposition, der Weltmeister von 2018 wechselte sich mit Davies ab, machte seine Sache ordentlich. Doch für ihre Paradeposition in der Innenverteidigung sind Süle und Hernández weiter nicht erste Wahl für Flick. In Kiel durften sich die beiden in der Zentrale beweisen – mit negativem Ausgang.

"Wir haben die vergangenen beiden Spiele mit Boateng und Alaba zu null gespielt, sie sind gesetzt. Lucas tut uns mit seiner Dynamik auf der linken Seite sehr gut", erklärte Flick vor dem Spiel gegen Hoffenheim die Rolle des Franzosen.

Flicks favorisierte Innenverteidigung heißt weiterhin Alaba/Boateng. Vor allem Boateng, der Weltmeister von 2014, zeigt sich auch in der aktuellen Saison wieder in guter Form. Gegen Hoffenheim köpfte er das Führungstor. Alaba hat seine Leistungen auch wieder stabilisiert und ist für Flick unverzichtbar. 

Die Entscheidung, auf seine altbewährte Innenverteidigung zu vertrauen, bringt zwar Stabilität, birgt aber auch Brisanz. Denn beide könnten im Sommer womöglich wechseln. Bei Alaba gilt es als sicher. "Wir werden ihn verlieren", sagte Vorstand Oliver Kahn bei Sky. Auch eine Zukunft von Boateng an der Säbener Straße ist keineswegs sicher, der Vertrag des 32-Jährigen läuft ebenso wie der von Alaba aus. Flick würde ihn gerne behalten. Gespräche werden spätestens im März geführt. 

Im schlimmsten Fall stünde Flick in der kommenden Saison ohne Stamm-Innenverteidigung da. Macht es da nicht Sinn, Süle und Hernández jetzt schon in die Startelf zu integrieren, um den Eingewöhnungsprozess für die kommende Saison zu erleichtern? 

Flick schaut nicht auf Ablösesummen

Süle hat in dieser Saison mit Formschwankungen zu kämpfen. Nach seinem Kreuzbandriss kehrte er in Lissabon zurück auf den Platz, spielte auch im Champions-League-Finale. "Er ist erstaunlich gut zurückgekommen. Dann hatte er Corona, war zehn Tage in Quarantäne. Danach ist er in ein kleines Loch gefallen", sagte sein Berater Volker Struth im CHECK24 Doppelpass.

Beim derzeit topfitten Hernández ist die Sache anders gelagert. Von Flick erwarten einige Bayern-Bosse, dass er den Rekordtransfer dauerhaft in die Startelf integriert. Der Triple-Trainer lässt sich aber nicht in seine Aufstellung reinreden. Flick schätzt die Mentalität des 24-jährigen Franzosen, an seiner Entscheidung ändert das aber vorerst nichts.

Gefallen dürfte das vor allem Hasan Salihamidzic nicht. Schließlich lotste der Sportvorstand Hernández für die Rekordsumme von 80 Millionen Euro nach München. Doch Flick stellt nicht nach Ablösesumme sondern nach sportlichem Wert auf. Daher hält er auch weiter an Alaba fest, auch wenn ein Verbleib in München ausgeschlossen ist.

Für die aktuelle Saison könnte sich Flicks Entscheidung als richtig erweisen, in der neuen Saison werden die Karten in der Innenverteidigung allerdings komplett neu gemischt. Und auch dann sind Süle und Hernández nicht zwangsläufig gesetzt, könnte mit Dayot Upamecano doch ein hochtalentierter Konkurrent zum Star-Ensemble des Rekordmeisters stoßen.

Struth, der auch der Berater Upamecanos ist, bestätigte im Doppelpass das Interesse des Rekordmeisters. "Hasan Salihamidzic gibt sich wirklich Mühe und hat die richtige Temperatur in den Gesprächen gefunden. Da ist nicht zu viel Druck drin. Dennoch wurde unterstrichen, dass man sich sehr für ihn interessiert“, erklärte Struth. Zugleich bestätigte er auch die Ausstiegsklausel des Spielers von RB Leipzig, die bei 42,5 Millionen Euro liegt.

Flick will die Gegenwart nicht aufs Spiel setzen, indem er zu früh an die Zukunft denkt. Aktuell ist er mit dieser Philosophie erfolgreich.