Lesedauer: 4 Minuten

Bielefeld und München - Hertha BSC blamiert sich bei Aufsteiger Arminia Bielefeld und lässt dabei vieles vermissen, was eigentlich in dem Team steckt. Sehr zum Ärger von Bruno Labbadia.

Anzeige

Bruno Labbadia tobte am Spielfeldrand umher und hob in seinem alten Wohnzimmer ratlos die Arme.

Der Trainer des mit Investoren-Millionen aufgepumpten "Big City Club" Hertha BSC hatte nach dem peinlichen 0:1 (0:0) bei seinem Ex-Klub Arminia Bielefeld keine Erklärung für die teils unterirdische Vorstellung seiner Elf. (Die Ergebnisse der Bundesliga)

Anzeige

Werde Deutschlands Tippkönig! Jetzt zum SPORT1 Tippspiel anmelden

Enttäuschter Labbadia: "Können uns echt in den Arsch beißen"

"Heute können wir wirklich von einer Enttäuschung sprechen, weil das nicht zu erwarten war, dass wir so viele Ausfälle auf dem Platz hatten und überhaupt nicht ins Spiel fanden", sagte Labbadia.

Symptomatisch war der Treffer des Tages durch Reinhold Yabo (64.), der sich nach einem Einwurf mit robustem Körpereinsatz gegen Peter Pekarik durchsetzte und den Ball wuchtig unter der Latte versenkte. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Auch interessant

"Auch wenn die Zweikampfquote relativ ausgeglichen ist, haben wir die entscheidenden Zweikämpfe verloren. Das war der Unterschied", konstatierte Labbadia. "Da können wir uns echt in den Arsch beißen."

Hertha zurück im Abstiegskampf

Nur ein Sieg aus den vergangenen fünf Spielen ist zu wenig, um nach Höherem zu streben. Statt der erhofften Teilnahme am Rennen um die Europapokalplätze, heißt die bittere Realität für den auf Platz zwölf festhängenden Hauptstadtklub: Abstiegskampf - auch wenn Labbadia das Wort noch nicht in den Mund nehmen wollte. Einen weiteren Ausrutscher darf sich die "Alte Dame" im nächsten Schlüsselspiel gegen den Tabellen-16. 1. FC Köln angesichts nur fünf Zählern Vorsprung nicht leisten. (Die Tabelle der Bundesliga)

"Ich bin kein Freund davon, mit einer gewissen Angst da hereinzugehen", betonte Labbadia. "Dass wir Dinge besser machen müssen, wissen wir und das werden wir bei der Mannschaft klar ansprechen."

Hertha-Kapitän Stark sieht Einstellungsproblem

Auf der Bielefelder Alm klafften bei den Berlinern einmal mehr Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.

DAZN gratis testen und die Bundesliga auf Abruf erleben | ANZEIGE

Kapitän Niklas Stark wurde deutlich. "Bielefeld hat in den entscheidenden Situationen den Kampf mehr angenommen.", sagte der Verteidiger bei Sky und kritisierte auch die Einstellung einiger Kollegen – ohne allerdings Namen zu nennen: "Wir müssen solche Spiele richtig angehen. Es ist nicht immer alles Schönspielen. Wenn man mal Gegenwehr bekommen, muss man da auch mal durch. Das müssen wir so schnell wie möglich lernen."

Teamkollege Maximilian Mittelstädt ergänzte: "Da müssen wir uns an unsere eigene Nase fassen. Bei dem Anspruch, den wir haben, müssen wir so ein Spiel gewinnen. Da darf es keine Ausreden geben. Arminia Bielefeld hat allgemein den Sieg mehr gewollt als wir. Warum, kann ich mir auch nicht erklären."

Yabos Premierentreffer lässt Arminia jubeln

Bielefelds Matchwinner freute sich indes über sein erstes Bundesliga-Tor und den wichtigen Sieg, mit dem der Aufsteiger die Abstiegszone verlässt. "Für uns war das ein sehr großer Schritt", sagte Yabo, "bisher war unsere Saison ja nicht ganz einfach." 

Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt war die Anfangsphase bestimmt von Nickeligkeiten und wenig Spielfluss. Einzig Jhon Cordoba tauchte zweimal vor dem Tor von Arminia-Keeper Stefan Ortega auf. Hertha fehlten ohne den angeschlagenen Matheus Cunha im Spiel nach vorne die Ideen, beide Mannschaften neutralisierten sich.

Es dauerte bis zur 31. Minute, ehe Ortega von Dodi Lukebakio zum ersten Mal mit einem Fernschuss ernsthaft geprüft wurde. So brauchte es eine strittige Szene, um etwas Schwung in die extrem schwache Begegnung zu bekommen: Fabian Klos wurde im Berliner Strafraum durch einen Kontakt von Stark zu Fall gebracht.

Bielefeld-Elfer nach minutenlangem VAR-Check zurückgenommen

Schiedsrichter Guido Winkmann entschied auf Elfmeter - dann folgte ein rekordverdächtiger Videobeweis. Nachdem der Kölner Keller zu keiner Entscheidung gekommen war, schaute sich Winkmann die Szene selbst an und nahm seine Entscheidung nach 4:13 Minuten zurück.

"Es gab in der Vergangenheit schon für weniger Elfmeter, aber hat nichts falsch gemacht, dass er den Elfmeter zurückgenommen hat. Das ist eine 50:50-Entscheidung und absolut okay", räumte Klos ein.

Nach dem Seitenwechsel verpasste Yabo zunächst die Riesenchance zur Bielefelder Führung. Später aber  setzte er sich in einem grenzwertigen Zweikampf gegen Stark durch und traf aus der Drehung. Ritsu Doan verpasste eine frühere  Entscheidung mit einem Pfostenschuss (70.).

In der Schlussphase wachte die Hertha dann doch noch auf. Ein Tor von Krzysztof Piatek (84.) wurde wegen eines Handspiels aber vom VAR kassiert.

-----
Mit Sport-Informations-Dienst (SID)