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Wolfsburg - Oliver Glasner und der VfL Wolfsburg reiten auf einer Siegeswelle. Vor dem Spitzenspiel gegen Bayern erklärt der Trainer im Interview bei SPORT1 den Erfolg.

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Der Saisonstart des VfL Wolfsburg war von Unruhen geprägt. Erst gab es in der Europa-League-Qualifikation gegen Athen das Aus, dann stand wenige Wochen später die Entlassung von Oliver Glasner offenbar kurz bevor. 

Der Trainer hatte Anfang November die Transferpolitik der Norddeutschen kritisiert und damit Geschäftsführer Jörg Schmadtke erzürnt. 

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Nun hat der Verein jedoch die große Wende geschafft und ist in der Bundesliga in der Spitzengruppe angekommen. Am Mittwoch fordern die Wölfe den FC Bayern heraus und kommen mit dem Rückenwind von vier Siegen aus den vergangenen fünf Partien nach München. (Bundesliga: FC Bayern - VfL Wolfsburg am Mi. ab 20.30 Uhr im LIVETICKER)

Gemeinsam mit Tabellenführer Leverkusen ist Wolfsburg immer noch ungeschlagen im deutschen Oberhaus und kann mit einem Sieg in München mit dem Rekordmeister gleichziehen. (Die Tabelle der Bundesliga)

Im Interview mit SPORT1 erklärt Glasner den Leistungssprung, das Erfolgsrezept und er vergleicht seinen Torjäger Wout Weghorst mit Bayerns Robert Lewandowski.

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SPORT1: In den vergangenen fünf Spielen hat Wolfsburg vier Siege geholt, Bayern hingegen drei mal Unentschieden gespielt. Ist Wolfsburg also der Favorit?

Glasner: Ich denke, da müssen Sie selbst schon ein wenig schmunzeln. Wir spielen auswärts beim amtierenden Triple-Sieger. Deswegen denke ich, dass Bayern gegen jede Mannschaft auf der Welt der Favorit ist. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich nicht immer der Favorit durchsetzt. Wir fahren aufgrund der Serie und der Leistungen mit viel Selbstvertrauen nach München und trauen uns zu dort zu, zu punkten oder einen Sieg zu holen. Wir wissen aber schon, dass es eine sehr schwierige Aufgabe wird.

SPORT1: Sind sie aufgrund der Serie und dem Fakt, dass sie ungeschlagen sind, auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft?

Glasner: Das wird sich zeigen. Wir haben sicherlich einen guten Auftakt in der Bundesliga gespielt. Nicht nur die Punkte, sondern auch die Leistungen waren durchweg sehr gut. Wir befinden uns auf einem guten Weg, die Mannschaft macht einen sehr konzentrierten und fokussierten Eindruck im Training. Das ist die Voraussetzung für mich, um erfolgreich zu sein. Das ist, was wir wollen. Wir wollen uns weiter verbessern in unserer Spielweise. Wir wollen noch viele Punkte holen, und die Voraussetzung schaffen wir mit unserer Einstellung und damit, dass wir gierig bleiben. Das können wir in München wieder zeigen.

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SPORT1: Schielt man schon nach Großem wie der Champions League?

Glasner: Diesen Ansporn braucht man nicht nach elf Spieltagen. Wir haben immer den Ansporn, uns stetig zu verbessern, gute Leistungen zu zeigen und Spiele zu gewinnen. Damit sind wir bisher immer gut gefahren. Aber jetzt groß herumzurechnen, was im Mai herauskommen soll, bringt uns nichts. Wir schauen auf das Jetzt. Wir müssen in München wieder sehr kompakt agieren, den Gegner immer wieder unter Druck setzen, zu Fehlern zwingen, im eigenen Ballbesitz die nötige Sicherheit an den Tag legen, wir brauchen gutes Positionsspiel, viele Laufwege in die Tiefe und Effizienz um die Chancen zu verwerten. Das sind unsere Themen. Und je besser wir das umsetzen, desto weiter vorne werden wir in der Tabelle stehen.

SPORT1: Vor einem Monat gab es im Verein noch Unruhe. Was hat sich seitdem getan, dass nun ein Sieg auf den nächsten folgt?

Glasner: Ich denke der Hauptunterschied zum Beginn der Saison ist, dass wir nun viel Trainingszeit miteinander hatten. Wir haben einen sehr komplizierten Saisonstart gehabt. Wir mussten die Europa League aus der letzten Saison noch gegen Donezk zu Ende spielen. Dann hatten wir eigentlich nur zwei Wochen gemeinsame Vorbereitung. Viele Spieler gingen zu ihren Nationalmannschaften und wir haben dann im Stakkatomodus alle drei Tage gespielt - und das ganze aus zwei Wochen gemeinsamen Training heraus. Da hat man gemerkt, wir waren weder körperlich noch mannschaftstaktisch so weit. Wir haben uns ein wenig drübergekämpft. Da hat die Mannschaft ausgezeichnet, dass sie einen großen Willen an den Tag gelegt hat. Durch das Ausscheiden gegen Athen, was wir nicht wollten, haben wir einfach Trainingszeit gewonnen. Die Spieler sind körperlich frisch, sie sind geistig frisch. Wir können Schwerpunkte im Training setzen. Wenn wir die im Spiel umsetzen können, führen sie zum Erfolg. Ich denke, das ist der Unterschied.

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SPORT1: Wolfsburg ist immer noch ungeschlagen in der Bundesliga. Macht Sie das stolz?

Glasner: Natürlich ist es ein gutes Gefühl. Man merkt es auch wie zuletzt gegen Frankfurt: Wenn wir in Rückstand geraten, dann haben wir alle das Gefühl, dass wir das Spiel noch drehen können. Das kommt natürlich daher, dass wir es in den vergangenen Wochen immer wieder gezeigt haben. Deshalb fahren wir eben auch mit einem sehr positiven Gefühl nach München.

Wout Weghorst (r.) ist der beste Torjäger von Oliver Glasner bei Wolfsburg
Wout Weghorst (r.) ist der beste Torjäger von Oliver Glasner bei Wolfsburg © Imago

SPORT1: Wout Weghorst spielt eine überragende Saison mit neun Toren. Bei Bayern gibt es mit Robert Lewandowski auch einen sehr guten Stürmer. Gibt es Parallelen zwischen den beiden Torjägern?

Glasner: Ich denke schon. Das zeigt ihre Torausbeute. In den letzten zweieinhalb Jahren sind es die beiden Stürmer, die am meisten Tore erzielt haben in der Bundesliga. Lewandowski hat vielleicht noch einen Tick mehr getroffen als Wout und mehr Titel gewonnen in der Karriere. Aber ich bin froh, dass wir Wout in einer so guten und treffsicheren Verfassung haben. (Wirbel um Weghorst vor Bayern-Duell)

SPORT1: Ridle Baku ist aus Mainz gekommen und nun Nationalspieler. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Glasner: Sehr positiv. Auf der einen Seite haben wir genau das in ihm gesehen, was er jetzt zeigt. Er ist ein hoch veranlagter Spieler, der sehr viel mitbringt für den modernen Fußball. Er ist schnell, dynamisch, technisch stark, hat ein gutes Spielverständnis. Da hilft ihm auch, dass er in seiner Ausbildung oft im zentralen Mittelfeld gespielt hat. Wir haben ihn sehr schnell in unsere Systematik integriert und da ist er sehr lernwillig und offen. Das hilft ihm am Ende des Tages und auch uns.