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München - Alexander Zorniger und Christian Gross sind die Top-Kandidaten für den neuen Trainerjob bei Schalke 04. Was spricht für wen? Ein SPORT1-Vergleich.

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Jochen Schneider ist um seinen Job nicht zu beneiden.

Der Sport-Vorstand von Schalke 04 steht nach der Entlassung von Manuel Baum auf der Suche nach dessen Nachfolger unter großem Zeitdruck.

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Nachdem Huub Stevens seinen Posten als Interimstrainer nach dem Pokalspiel gegen den SSV Ulm wieder räumen wird, bleiben den Schalkern nur zehn Tage bis zum nächsten Spiel bei Hertha BSC am 2. Januar.

Bis dahin muss ein neuer Coach gefunden sein. (DFB Pokal: Ulm - FC Schalke 04 am Di. ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

In seiner Not hat sich Schneider nun offenbar an zwei ehemalige Weggefährten aus Stuttgarter Zeiten erinnert. Nach SPORT1-Informationen ist nicht nur Alexander Zorniger ein ernster Trainer-Kandidat, sondern auch der Schweizer Christian Gross. SPORT1 erfuhr aus Gross' Umfeld: Es gibt bereits konkrete Gespräche mit den S04-Verantwortlichen!

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Beide haben derzeit im Profifußball keine Anstellung, wären also sofort verfügbar. Aber wer passt besser zu S04? SPORT1 stellt die beiden Trainer vor. (DFB-Pokal: Spielplan und Ergebnisse)

Zorniger - Gross: Letzte Stationen

Zorniger war von 2016 bis 2019 Trainer beim dänischen Traditionsklub Bröndby in Kopenhagen. In dieser Zeit wurde er mit dem Team zweimal Vizemeister und einmal Pokalsieger (2018). Im Februar des vergangenen Jahres wurde der gebürtige Schwabe entlassen, nachdem Bröndby keine Chance mehr im Titelkampf hatte. Kurioserweise wurde Zorniger von Schalke-Legende Ebbe Sand (zu diesem Zeitpunkt Sportdirektor des Klubs) entlassen. 

Bei Gross liegt die Zeit als Trainer in Europa schon eine ganze Weile zurück. Bis April 2012 war er als Coach in seiner Schweizer Heimat bei den Young Boy aus Bern. Anschließend kehrte er Europa den Rücken und heuerte in Saudi-Arabien und Ägypten an. Mit Al-Ahli wurde er 2016 saudischer Meister, mit Zamalek Kairo holte er 2019 den Titel im Confederation Cup - dem afrikanischen Pendant zur Europa League.

SPORT1 zeigt in der zweiten Runde des DFB-Pokals das Duell zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig am 22. Dezember ab 18 Uhr LIVE im TV und im STREAM

Zorniger - Gross: Vereine in Deutschland

Zorniger hat zwischen 2012 und 2015 als Trainer den rasanten Aufstieg von RB Leipzig maßgeblich mitbestimmt. Er legte in dieser Zeit mit dem Durchmarsch von der vierten in die zweite Liga den Grundstein für die heutigen Erfolge der Sachsen in der Champions League.

Anschließend kehrte der heute 53-Jährige zum VfB Stuttgart zurück, wo er schon 2009 als Co-Trainer gearbeitet hatte. Sein zweites Engagement bei den Schwaben war aber nur von kurzer Dauer. Als Nachfolger von Stevens geholt, wurde er nach nur 13 Spielen wegen Erfolglosigkeit schon im November 2015 wieder entlassen.

Gross ist im Vergleich dazu als Trainer in Deutschland ein eher unbeschriebenes Blatt. Der VfB war der einzige Bundesliga-Verein, den der heute 66-Jährige trainierte. Vor elf Jahren übernahm er die Stuttgarter auf Platz 15 und führte sie mit einem unglaublichen Schnitt von 2,26 Punkten pro Spiel noch in den Europapokal. Nachdem er aber in der folgenden Saison von den ersten sieben Spielen sechs verlor, musste auch er den Klub wieder verlassen.

Zorniger - Gross: Die Philosophien

Da Zorniger den Weg von RB Leipzig in den Profifußball begleitet hat, wundert es nicht, dass er den gepflegten Volldampf-Fußball bevorzugt. Pressing, Gegenpressing, immer mit viel Aufwand verbunden, ist seine Philosophie.

Alexander Zorniger führte RB Leipzig in den Profifußball
Alexander Zorniger führte RB Leipzig in den Profifußball © Imago

Damit hatte er in Leipzig auch lange Erfolg. Aber eben vor allem deswegen, weil er die entsprechenden Spieler für diesen kraftraubeenden Stil hatte. In Stuttgart zeigte sich schnell, dass er damit auf verlorenem Posten stand.

Seine Philosophie zu ändern, kam für ihn aber nicht in Frage. "Das Vertrauen in meine Arbeit nimmt mir keiner", sagte er einmal. Ein Satz, der Zornigers Selbstbewusstsein, aber auch seine Beratungsresistenz ausdrückt. Dass er keinen Plan B in der Schublade hatte, war einer der Hauptgründe für seine schnelle Entlassung in Stuttgart.

Christian Gross führte den VfB 2010 in den Europapokal
Christian Gross führte den VfB 2010 in den Europapokal © Imago

Von Gross heißt es, er ziehe den Ballbesitz-Fußball vor und habe auch deswegen lange von einem Engagement in Spanien geträumt. Dazu kam es nicht, aber immerhin gilt er mit sechs Titelgewinnen mit Grasshoppers Zürich und dem FC Basel als erfolgreichster Schweizer Trainer.

Der Mann mit der markanten Glatze kann aber auch Mannschaften vor dem Abstieg retten. Das hat er in Stuttgart und in London gezeigt, wo er Tottenham Hotspur 1997 wieder in die Spur brachte. Er gilt als detailverliebter Motivationskünstler mit Hang zur Psychologie.

Zu seinen Spielern pflegt er ein offenes Verhältnis. Er gibt ihnen Freiheiten, verlangt aber auf dem Platz unbedingte Leistungsbereitschaft. Sein Motto: "Man kann ein Spiel verlieren, wenn der Gegner besser ist, aber wenn der Gegner schlechter war, dann explodiere ich."

Zorniger - Gross: Beziehung zu Schneider

Sucht man nach Parallelen zwischen Zorniger und Schneider, landet man dort, wo im Leben alles beginnt. Beide sind in der württembergischen Gemeinde Mutlangen geboren. Später kreuzten sich ihre Wege wieder beim VfB: Zorniger war 2009 Co-Trainer unter Markus Babbel, Schneider der Sportliche Leiter. Es hat sicherlich auch etwas mit der gemeinsamen Herkunft zu tun, dass das Duo Schneider-Zorniger als denkbare Variante in Gelsenkirchen gilt.

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Aus der Zeit als Sportlicher Leiter in Stuttgart kennt Schneider auch Gross. Er war es, der den Schweizer als Nachfolger von Babbel im Dezember 2009 zum VfB holte. Zu einer Zusammenarbeit zwischen Gross und Zorniger kam es übrigens nicht, weil Letzterer als Co-Trainer zusammen mit Babbel seinen Hut nahm.

Zorniger - Gross: Fazit

Auch auf Schalke wird es wohl heißen: entweder Zorniger oder Gross.

Für den Schweizer spricht seine Fähigkeit, eine Mannschaft schnell motivieren zu können und ihr den Glauben an den Klassenerhalt zurückzugeben. Allerdings hat er nach seiner Zeit in Ägypten im letzten Sommer seine Trainerkarriere schon so gut wie beendet. Ob er sich dennoch den Job als Feuerwehrmann auf Schalke noch einmal antut?

Für Zorniger spricht sein klares Konzept, mit dem er den Verein auch langfristig neu aufstellen könnte. Dafür braucht er aber auch die entsprechenden Spieler. Das könnte zum Problem werden. Denn für neue Spieler ist derzeit kein Geld da.

Insofern wäre es vielleicht sogar eine Überlegung wert, Gross bis zum Saisonende zu verpflichten und mit Zorniger danach einen langfristigen Plan in Angriff zu nehmen.