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Stuttgart - VfB-Angreifer Sasa Kalajdzic spricht im Interview mit SPORT1 über den Saisonstart der Stuttgarter, seine Leidenszeit, Stärken, Trainer Matarazzo und Vorbilder.

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Der VfB Stuttgart begeistert in dieser Saison mit spektakulärem Fußball seine Fans. Einer der Hauptakteure: Sasa Kalajdzic.

Der Österreicher spielt bislang eine starke Debüt-Saison in der Bundesliga. Nach neun Spielen hat Kalajdzic bereits sechs Scorerpunkte gesammelt.

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Nachdem den Zwei-Meter-Hünen in der vergangenen Saison eine Verletzung außer Gefecht gesetzt hatte, präsentiert sich der Stürmer topfit (Bundesliga: Werder Bremen - VfB Stuttgart ab 15.30 Uhr im LIVETICKER). 

Im Interview mit SPORT1 spricht der 23-Jährige über den Saisonstart des VfB, Trainer Pellegrino Matarazzo, seine Leidenszeit, seine Stärken - und Vorbilder.

SPORT1: Herr Kalajdzic, wie sehr wurmt Sie das 1:3 gegen die Bayern noch, in dem mehr drin gewesen wäre?

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Sasa Kalajdzic: Wir saßen in der Umkleidekabine und haben uns geärgert. Wir wissen, dass das ein Gegner ist, von dem du knallhart bestraft wirst, wenn du deine Chancen nicht nutzt. Das ist generell so in der Bundesliga, wie ich gelernt habe. Aber gegen die Bayern noch mal extremer. Es ist umso bitterer, wenn du gegen so einen Gegner gute Chancen hast und an der Effizienz scheiterst. Für uns war es aber schön zu sehen, dass wir mithalten können. Wenn wir unsere Leistung abrufen, dann können wir den Bayern Probleme bereiten.  

SPORT1: Was sagt das über die Qualität des VfB aus, dass er so einer Mannschaft über weite Strecken auf Augenhöhe begegnen kann? (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Kalajdzic: Das sagt aus, dass wir Qualität und viel Potenzial haben. Wenn jeder einzelne bereit ist, 100 Prozent aufzurufen, dann müssen wir uns vor keinem Gegner verstecken. Man darf aber auch gegen keinen Gegner nachlassen, egal ob Bayern oder Mainz. Bei vielen jungen Spielern ist es so, dass es hoch und runter geht. Die Konstanz ist noch nicht so gegeben. Umso schöner ist es, dass es momentan so gut läuft.

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Sasa Kalajdzic: "Wussten, dass wir viel Qualität haben"

SPORT1: War das von vorneherein klar, dass so viel Qualität in der Mannschaft ist? Man ist ja immerhin Aufsteiger.  

Kalajdzic: Wir wussten schon, dass wir viel Qualität haben. Man konnte es aber schlecht einschätzen. Da sind Spieler, die letztes Jahr nicht so zum Zuge gekommen sind und jetzt tolle Spiele machen. Und es gibt auch noch Spieler, die noch nicht so viel Spielzeit bekommen haben, von denen ich auch überzeugt bin, dass sie es packen werden.

SPORT1: Elf Punkte aus neun Spielen – wie zufrieden sind Sie mit der Ausbeute? 

Kalajdzic: Vor der Saison hätte das jeder unterschrieben. Im Nachhinein waren viele Spiele dabei, wo hätte mehr rausspringen können und müssen. Es wäre mehr möglich gewesen, wir wissen aber auch woher wir kommen. Daher sind wir bodenständig und damit zufrieden.

SPORT1: Wenn Sie das Team mit drei Begriffen beschreiben müssten, welche wären das?  

Kalajdzic: Jung, wild und unbekümmert. Du kannst viele Worte sagen, aber das kommt mir in den Sinn.

Lob für Trainer Pellegrino Matarazzo

SPORT1: Wie hilft die jugendliche Unbekümmertheit auf dem Platz? (Tabelle der Bundesliga)

Kalajdzic: Es kann sein, dass du wenig nachdenkst, dein Bestes gibst und der Fußballwelt zeigen willst, was du draufhast. Da haben wir genügend Spieler. Man kann sagen, dass junge Spieler schnell nervös werden, aber das ist bei uns nicht der Fall. Die Mannschaft hält und wächst zusammen. Jeder will alles für den anderen geben. Jeder weiß aber auch, dass es schnell nach unten gehen kann. Damit meine ich, dass du bei einem so großen Kader schnell raus sein kannst, weil es auch andere gibt, die spielen wollen. Daher gibst du noch mehr Gas. Jeder einzelne ist geil darauf zu spielen.   

SPORT1: Welchen Anteil hat Ihr Trainer Pellegrino Matarazzo am Erfolg der Mannschaft? 

Kalajdzic: Auf jeden Fall einen großen. Es ist nicht nur der Trainer, es geht vom Trainer über den Staff und Physio bis zum einzelnen Spieler. Aber der Trainer macht das mit jedem einzelnen Spieler richtig gut. Sowohl menschlich als auch fachlich. Davor habe ich großen Respekt.

SPORT1: Was ist sein Erfolgsgeheimnis? 

Kalajdzic: Das Gesamtpaket. Er weiß, wann er laut werden muss, aber auch, wann er sachlich und ruhig ein Thema ansprechen soll. Ihn zeichnet aus, dass er bei vielen Themenbereichen über sehr viel Know-How verfügt.

Kalajdzic trifft für den VfB Stuttgart beim SC Freiburg

SPORT1: Sie haben bei Ihrem Debüt für den VfB gegen Freiburg am ersten Spieltag sofort getroffen. War der Start für Sie perfekt? 

Kalajdzic: Perfekt wäre es gelaufen, wenn wir auch einen Punkt geholt hätten. Aber für mich persönlich lief es natürlich richtig gut. Ich hätte mir keinen besseren Start wünschen können. Vor allem, weil es mein schwacher Fuß war, macht mich das Tor sehr stolz. Das hat mir großes Selbstvertrauen gegeben.

SPORT1: Was zeichnet Sie sonst noch auf dem Platz aus? 

Kalajdzic: Meine Größe, die ragt natürlich als erstes heraus, aber auch die Art und Weise, wie ich spiele. Ich bin kein typischer Brecher, sondern ein schlaksiger Typ, der auch ein bisschen was am Ball kann und Spaß am Fußballspielen haben möchte. Ich will mir keinen allzu großen Druck machen, sondern es genießen.

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SPORT1: In welchen Momenten merken Sie, dass Sie es noch nicht realisiert haben? 

Kalajdzic: Wenn man wie am Wochenende Manuel Neuer, David Alaba oder Robert Lewandowski gegenübersteht, dann denkt man sich: 'Okay, ich bin wirklich da, das ist jetzt kein Scherz.' Das ist manchmal surreal. 

"Verletzungen die Negativpunkte meiner Karriere"

SPORT1: Sie sprechen von "genießen". Inwiefern hängt das auch mit Ihrer Verletzung im Vorjahr zusammen?

Kalajdzic: Natürlich waren die Verletzungen die Negativpunkte in meiner Karriere. Manchmal ist man machtlos, wie bei meiner Knieverletzung. Alles geht blitzschnell nach oben. Dann kommt so eine Verletzung, und du bist weg vom Fenster. Ich bin dem Verein sehr dankbar, dass er immer zu mir gehalten hat. Ich hatte immer das Gefühl vom Trainer, Sportdirektor und von Spielern, dass sie auf mich warten werden.

SPORT1: Sie haben Ihr Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft gegeben. War 2020 rein sportlich ein perfektes Jahr für Sie? 

Kalajdzic: Was Perfektion bedeutet, ist Ansichtssache. Für mich war das Jahr sportlich gesehen jedenfalls optimal. Natürlich würde ich es mir wünschen, dass es auf der Welt derzeit anders aussieht, mit den ganzen Sachen, die tagtäglich passieren. Sportlich ist mir Corona jedoch entgegengekommen, da ich durch die lange Pause nochmal in der zweiten Liga spielen konnte. Es war wichtig für mich, noch Spielpraxis zu sammeln. Gerade in einer entscheidenden Phase mit Druck. Ich habe hier noch nie vor voller Kulisse gespielt. Darauf arbeite ich hin. Ich sehe gerade ein Wandgemälde von den VfB-Fans, wie sie nach dem Aufstieg den Platz stürmen. Ich habe Geschichten gehört, wie der Aufstieg gefeiert wurde. Wie die Fans das Leben, wie die Stadt Fußball lebt. Das kenne ich so aus Österreich nicht. Es ist immer noch schön, aber mit den Fans wäre es zwei Klassen besser.

SPORT1: Mit Ihrer Größe wären Sie auch für andere Sportarten wie Basketball geeignet. Warum sind Sie Fußballer geworden? 

Kalajdzic: In der Schule war ich ein Junge, der immer viel Energie hatte. Mein Vater hat sich deshalb umgeschaut, was ich in der Nähe machen könnte und wir hatten fünf Minuten entfernt einen Fußballplatz. Der Fußball hat mir relativ schnell getaugt. Ich bin froh darüber, dass sich mein Vater damals dazu entschieden hat, mich zum Fußballplatz zu bringen.

Kalajdzic orientierte sich an Ibrahimovic und Ronaldo

SPORT1: Von welchen Spielertypen haben Sie sich am meisten abgeschaut? 

Kalajdzic: Als ich noch im Mittelfeld spielte, habe ich mich aufgrund meiner Größe und meinen Wurzeln oft mit Nemanja Matic verglichen. Als ich dann im Sturm gespielt habe, habe ich mich mit Zlatan Ibrahimovic verglichen. Ich könnte noch viele weitere Spieler nennen, zum Beispiel Cristiano Ronaldo, weil er ein Spieler ist, bei dem die Mentalität und harte Arbeit herausstechen. Ich will aber nicht wie irgendjemand spielen, ich will wie ich spielen. Trotzdem probiere ich, gewisse Sachen, die andere machen, in mein Spiel einzufügen. 

SPORT1: Sie orientieren sich an den ganz Großen. Ist das Ihr Anspruch? 

Kalajdzic: Vor ein paar Jahren habe ich nie zu träumen gewagt, dass ich in der Bundesliga spielen werde. Deswegen bin ich immer sehr zurückhaltend, was das angeht. Ich bin auch keiner, der große Töne spuckt. Aber natürlich schaue ich mir von den Leuten was ab, die am meisten drauf haben. 

SPORT1: Was wäre für Sie beziehungsweise den VfB am Saisonende ein zufriedenstellendes Ergebnis? 

Kalajdzic: Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, dann wäre ich absolut happy.