Lesedauer: 5 Minuten

Der FC Bayern hat für Sané, Tolisso und Hernández viel Geld in die Hand genommen. Noch ist das Trio den Nachweis ganz großer Klasse schuldig geblieben.

Anzeige

Fast 170 Millionen Euro. Mehr als die 31 Spieler des FC Schalke 04 laut transfermarkt.de gesammelt wert sind (158,53 Millionen). 

Der FC Bayern hat für Corentin Tolisso (41,5 Millionen Euro Ablöse), Lucas Hernández (80 Millionen) und Leroy Sané in diesem Sommer (45 Millionen) so richtig tief in Tasche gegriffen. 

Anzeige

Unverzichtbar wie Torhüter Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Urgestein Thomas Müller oder Torjäger Robert Lewandowski ist allerdings (noch) keiner geworden. 

Tolisso von Verletzungen geplagt

Tolisso ist aus dem Trio schon am längsten in München. Der Franzose kam im Sommer 2017 von Olympique Lyon und war damals der teuerste Einkauf der Bundesliga-Geschichte. Derzeit muss er wegen einer Muskelverletzung pausieren - ein Sinnbild seiner Zeit an der Säbener Straße. 

Der Mittelfeldspieler ist, seit er bei den Bayern ist, vom Pech verfolgt. Ganze 61 Pflichtspiele hat er wegen Verletzungen verpasst - und das bei 83 Pflichtspielen, die er bislang für die Münchner gemacht hat. 

Auch interessant
  • Fussball / Bundesliga
    1
    Fussball / Bundesliga
    Die Transfer-Baustellen der Bayern
  • Fussball / Transfermarkt
    2
    Fussball / Transfermarkt
    Transferticker: Huntelaar-Zukunft entschieden?
  • Int. Fussball / Championship
    3
    Int. Fussball / Championship
    Der Abstieg von Klopps Musterschüler
  • Fußball / Bundesliga
    4
    Fußball / Bundesliga
    Bittere Story eines BVB-Transfers
  • Boulevard
    5
    Boulevard
    Der Porno-Absturz der Surf-Coffeys

Wenn er fit ist, dann lässt Tolisso oftmals seine Klasse aufblitzen, allerdings fehlt dem 26-Jährigen die Konstanz in seinen Leistungen. Er pendelt zwischen Startelf und Ersatzbank. In dieser Spielzeit musste er auch noch wegen einer Rotsperre zwei Spiele in der Bundesliga aussetzen. 

Hernández kommt ins Rollen

Bei Rekordtransfer Hernández zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Tolissos Landsmann - zusammen wurden sie 2018 Weltmeister - kam im Sommer 2019 für die Rekord-Summe von 80 Millionen Euro von Atlético Madrid. 

Noch knapp eineinhalb Jahren kommt er auf nur 39 Pflichtspiele. Auch der Verteidiger wurde immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. 

DAZN gratis testen und die Champions League live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Die schlimmste - ein Innenbandriss am Sprunggelenk - setzte ihn 14 Pflichtspiele außer Gefecht.

In dieser Saison scheint der 24-Jährige aber Fahrt aufzunehmen. Auf der Position des linken Verteidigers hat er Shootingstar Alphonso Davies zu Beginn der Saison den Rang abgelaufen. 

"Lucas ist Wahnsinn mit seiner Einstellung. Die ist sensationell. Er ist ein richtiger Kämpfer", schwärmte Bayern-Trainer Hansi Flick: "Er zeigt von Anfang an in dieser Saison, wo er seine Stärken hat."

Sané hat Anlaufschwierigkeiten

Die Stärken sind auch bei Leroy Sané klar zu erkennen. Acht direkte Torbeteiligungen (5 Tore/3 Assists) in nur 567 Minuten. Alle 70 Minuten ist der Neuzugang von Manchester City an einem Tor beteiligt, eine super Quote.

Das Problem: Auch Sanés Schwächen sind derzeit zu beobachten. Der deutsche Nationalspieler hat noch Probleme, sich an das pressingintensive Spiel von Flick zu gewöhnen. Hin und wieder lässt er die Arbeit in der Defensive schleifen. Stand er von Beginn an auf dem Platz, konnte der 24-Jährige noch nicht wirklich überzeugen.  

"Was Sané bisher leistet, ist eine kleine Enttäuschung", urteilte SPORT1-Experte Alfred Draxler zuletzt im CHECK24 Doppelpass. "Schon damals bei Schalke hat er für die Defensive wenig gemacht, das müsste man ihm also mal beibringen. Aber man sollte ihm die Zeit geben, sich zu entwickeln. Was er für die Offensive macht, ist dagegen überragend."

Zur Wahrheit gehört auch, dass Sané gleich zu Beginn seiner Bayern-Zeit eine Kapselverletzung erlitt. Ein weiterer Rückschlag nach seinem Kreuzbandriss ein Jahr zuvor. 

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1 

Götze wird nicht zum "Gesicht des FC Bayern"

Während Sané noch eine Menge Zeit bleibt, seine hohe Ablöse zu rechtfertigen, sind zwei andere teure Millionen-Transfers schon wieder Geschichte beim FCB. 

Mario Götze belegt mit einer Ablösesumme von 37 Millionen Euro den sechsten Rang bei Bayerns Rekord-Transfers. In seiner Zeit in München holte der heute 28-Jährige drei Mal die Meisterschaft, wurde Klub-Weltmeister, holte den UEFA-Supercup und avancierte 2014 zum Helden im WM-Finale. Als große Erfolgsgeschichte ging die Liaison dennoch nicht in die Geschichte ein. 

Götze wollte "ein Gesicht des FC Bayern werden", am Ende seiner dritten Saison war er in wichtigen Spielen wenn überhaupt nur noch Einwechselspieler. 

Arturo Vidal liegt mit 39,25 Millionen Euro Ablöse auf Rang fünf der teuersten Einkäufe - konnte aber auch nur zeitweise überzeugen. Der einzige der Top-6, der ein absoluter Volltreffer war: Javi Martínez.

Günstige Neuzugänge schlagen ein

Ansonsten zeigen sich jüngst vor allem Schnäppchen im Bayern-Trikot von ihrer besten Seite. 

Momentan ist dabei vor allem Alphonso Davies zu nennen, der in der vergangenen Spielzeit den Durchbruch schaffte. Im Januar 2019 war der Kanadier für 10 Millionen Euro aus Vancouver gekommen. Mittlerweile steht der 20-Jährige bei einem Marktwert von 80 Millionen Euro (transfermarkt.de). 

Alphonso Davies startete beim FC Bayern durch
Alphonso Davies startete beim FC Bayern durch © Imago

Auch das Top-Talent Jamal Musiala, das im Sommer 2019 ablösefrei aus der Jugend des FC Chelsea an die Säbener Straße wechselte, zeigte zuletzt mehr als nur vielversprechende Leistungen

Und dann sind da ja auch noch die heutigen Leistungsträger Leon Goretzka - der im Sommer 2018 ebenfalls ablösefrei vom FC Schalke 04 kam - und Joshua Kimmich. Letzterer kam zwar schon für fünf Jahren zu den Bayern, aber eben auch als Schnäppchen. Die Münchner hatten damals 8,5 Millionen nach Stuttgart überwiesen.

Bis Kimmich unverzichtbar wurde, dauerte es knapp vier Jahre. So lange wollen und können sich Sané und Co. sicherlich nicht Zeit lassen.