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München - Für Julian Nagelsmann und RB Leipzig steht im Topspiel beim FC Bayern eine schwere Aufgabe an. Diese Herausforderungen kommen auf den Coach zu.

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RB Leipzig geht als leichter Außenseiter ins Spitzenspiel mit dem FC Bayern München am Samstag (FC Bayern - RB Leipzig am Samstag ab 18.30 Uhr im LIVETICKER).

Allerdings wollen sich die Sachsen keineswegs verstecken. Denn bei einem Sieg winkt die Tabellenspitze – und die Bayern sind angesichts der jüngsten Leistungen auf jeden Fall schlagbar. (Tabelle Bundesliga)

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Allerdings brauchen Leipzigs Spieler wie auch Cheftrainer Julian Nagelsmann einen Sahnetag, um einen dreifachen Punktgewinn zu bewerkstelligen. Die große Herausforderung besteht dabei vor allem darin, auszuloten, wie viel Risiko sie gehen können und sollten.

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Leipzig nach Debakel gegen United konservativer

Nagelsmann tüftelt seit Wochen an der richtigen Balance seiner Mannschaft, die beim 0:5 gegen Manchester United in der Champions League ein Hallo-Wach-Erlebnis hatte.

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Seit diesem bitteren Auftritt auf der Insel versucht Nagelsmann mit einer konservativeren Herangehensweise die Defensive zu stabilisieren und die Rückwärtsbewegung strukturierter zu organisieren.

Leipzigs Trainer änderte kürzlich sogar das System, als er zugunsten eines moderaten 4-2-3-1 sein vormals bevorzugtes 3-4-2-1 in die Schublade packte und aktuell nur noch sporadisch zum Einsatz bringt. Das 4-2-3-1 verspricht mehr Ordnung, da die Übergänge zwischen Offensive und Defensive reibungsloser verlaufen.

BVB als Vorbild für RB

Leipzig wirkt kontrollierter und bedachter im ganzen Auftreten. Das bedeutet allerdings nicht, dass Nagelsmanns Spieler nun keine Dominanz mehr entfalten würden.

Nicht selten haben die Leipziger Ballbesitzanteile jenseits der 60 Prozent und bestimmen allein dadurch das Geschehen. Es ist jedoch fraglich, ob sie derart hohe Spielanteile auch gegen den FC Bayern verbuchen können. In aller Regel versuchen die Münchner, das Geschehen weitestgehend selbst unter Kontrolle zu halten.

Für Leipzig müsste es also darum gehen, einen offenen Schlagabtausch zu erzwingen, indem die eigene Tempostärke zum Tragen kommt. Vorbild kann Borussia Dortmund sein, das sich erst vor wenigen Wochen einen solchen Schlagabtausch mit den Bayern lieferte.

Dabei überbrückte der BVB regelmäßig das Mittelfeld mit langen Bällen und versuchte die hochstehende Abwehrkette der Bayern mit schnellen Pässen zu überrumpeln.

Stellt Nagelsmann sein Spiel um?

Wenngleich diese Herangehensweise nicht dem entspricht, was Leipzig in den vergangenen Wochen versucht hat, könnte sich Nagelsmann dazu entscheiden, die Angriffe seiner Mannschaft weiträumig und mit langen Zuspielen zu gestalten.

Dani Olmo, Christopher Nkunku und auch Emil Forsberg hätten die notwendigen Fähigkeiten dafür. Und nicht zuletzt hat die Leipziger Mannschaft in der jüngeren Vergangenheit einen schnellen Tempostil – damals noch mit Timo Werner in der Stammelf – präferiert.

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Risikobereitschaft ist notwendig

Die große Gefahr, die jedoch mit solch einem Stil verbunden ist, entsteht durch die sich bildenden Löcher in der eigenen Formation.

In dem Moment, in dem einige Offensivkräfte mit langen Pässen auf die Reise geschickt werden, existiert keine unmittelbare Absicherung hinter dem Ball. Bei Ballverlust kann gerade eine Mannschaft wie der FC Bayern direkt in den Tempogegenstoß überleiten.

Mit dieser Gefahr muss Nagelsmann leben, auch wenn er das angesichts der vergangenen Wochen wohl nur ungern tut.

Ohne Kimmich hat Bayern Probleme

Wichtiger allerdings ist die konsequente Pressingarbeit, wenn die Bayern selbst aus ihrer Hälfte das Spiel aufbauen. In Abwesenheit von Joshua Kimmich hat der Rekordmeister noch so seine Probleme, die Aufgabenverteilung im Mittelfeld richtig zu managen.

Niemand kann jene Fülle an Aufgaben erledigen, wie es Kimmich bis zu seiner Verletzung getan hat. Leon Goretzka und Corentin Tolisso mögen Dynamik mitbringen, aber sie können durch clevere Attacken vom Ball getrennt werden.

Auch in diesem Zusammenhang muss Leipzig Risiko gehen. Denn nur wenn die Sachsen bewusst eine kurzzeitige Überzahlsituation kreieren, indem etwa ein Mittelfeldspieler nach vorn gezogen wird, um zusätzlich Goretzka oder Tolisso zu attackieren, kann ein Ballverlust erzwungen werden.

Die Gefahr ist allerdings dann, dass der Ball zu Thomas Müller oder einem der weiteren bayerischen Angreifer gelangen könnte, während Leipzigs Mittelfeldzentrum entblößt ist. Das würde Unheil für die weiterhin wacklige Abwehrkette bedeuten.

Somit ergibt sich für den Tabellenzweiten und Herausforderer in diesem Spitzenspiel eine knifflige Situation. Nagelsmann war zuletzt auf der Suche nach der richtigen Risikodosierung. Genau diese Risikodosierung muss nun gegen die wohl stärkste Mannschaft Europas über 90 Minuten klappen.