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München - In seiner Kolumne sieht Marcel Reif Probleme mit der Ausrichtung der Bayern. Die Reaktion von Marco Reus auf die Stuttgart-Pleite kritisiert er scharf.

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Hallo Fußball-Freunde,

seit Jahren diskutieren wir über die Langeweile im Meisterrennen der Bundesliga. In dieser Saison - die durch Corona zugegebenermaßen eine spezielle ist - scheint es aber endlich wieder einen echten Titelkampf zu geben.

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Dauermeister Bayern München ist bei Union Berlin nicht über ein 1:1 hinausgekommen und verliert nun auch gegen die kleineren Vereine Punkte - ein Umstand, den es in den vergangenen Jahren nur selten beim Rekordsieger zu beobachten gab. Wenn man sich das Spiel in Berlin allerdings angeschaut hat, konnte man beobachten, dass die Bayern-Spieler wohl dem harten Programm Tribut zollen müssen. (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse der Bundesliga)

In Spielen, die in der Vergangenheit oft als Pflichtprogramm abgehandelt wurden, fehlt zunehmend die Selbstverständlichkeit, mit der die Bayern früher zu Siegen geeilt sind. Momentan hat man vielmehr das Gefühl, man schaut Leuten bei der Arbeit zu - wie auf einer Baustelle. Da ist nichts Leichtes. Die einzige Ausnahme ist aktuell Kingsley Coman.

Der Franzose bekam aufgrund von Verletzungen immer wieder notgedrungen seine Pausen und hat nun die nötigen Körner.

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Bayern-Taktik kann nicht gut gehen

Das bringt auch taktisch ein Problem. Ich glaube nicht, dass es auf Dauer gut gehen kann, dass David Alaba und Jérôme Boateng so hoch verteidigen. Hansi Flick kann sich nicht blind darauf verlassen, dass Manuel Neuer, dieser Wahnsinnige, immer alles hält, was auf seinen Kasten kommt.

Die Bayern werden darüber nachdenken müssen, ob man die Abwehr nicht um fünf oder zehn Meter nach hinten verschiebt.

Diese Sorgen hätte Borussia Dortmund gerne. Nach der 1:5-Pleite gegen den VfB Stuttgart haben die Verantwortlichen Trainer Lucien Favre freigestellt.

Favre-Aus und Haaland-Problematik beim BVB

Ein Schritt, der nach den Aussagen von Marco Reus nach dem Stuttgart-Spiel nicht wirklich überraschen kann. Wenn der Kapitän sagt: "Wir sind kein Team, das verteidigen kann", dann ist das eine Katastrophe. Ein 1:5 kann passieren, aber die Aussage von Reus war das Entlassungsschreiben des Trainers. So habe ich das empfunden.

Auch die Entscheidung, Erling Haaland zur Reha nach Katar fliegen zu lassen, sehe ich kritisch. Nach den ganzen Aubameyangs und Dembélés hätte ich gedacht, dass sie in Dortmund solche Faxen dicke haben. Aber wenn jemand die Tore so wie Haaland macht, sitzt er vielleicht am längeren Hebel.

Beim FC Bayern München wäre diese Situation wohl anders gelöst worden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Joshua Kimmich das gemacht hätte. Aber wenn er vorgeschlagen hätte, dass er die Reha in Katar machen will, da hätten die Verantwortlichen nicht mal die Augenbraue gehoben. Das hätten die Bayern nicht gemacht.

Zum Abschluss noch kurz zum anstehenden Corona-Lockdown: Der Fußball hat eine Chance bekommen und hat diese mit seinem Hygienekonzept vorbildlich gelöst. Sollten die Umstände aber dazu führen, dass auch der Fußball wieder ruhen muss, so muss man das akzeptieren. Allerdings sehe ich aktuell keinen Anlass dazu.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.