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München und Gelsenkirchen - Auf Schalke geht nach dem Offenbarungseid gegen Freiburg mehr denn je die Abstiegsangst um. Und das mit einer Mannschaft, die fast 80 Millonen Euro gekostet hat.

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Wer sich noch an den letzten Sieg von Schalke 04 in der Bundesliga erinnern kann, dürfte in einer Quiz-Show mittlerweile viel Geld absahnen.

Es ist auf den Tag genau elf Monate her, dass die Königsblauen gewinnen konnten: am 17. Januar diesen Jahres gab es ein 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

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Seitdem reiht S04 eine Pleite an die andere, ab und an durchbrochen von einem Unentschieden. Aber gewonnen hat der stolze Klub aus dem Revier nun schon seit 28 Spielen nicht mehr. (SERVICE: Ergebnisse & Spielplan der Bundesliga)

Das 0:2 am Mittwoch gegen den SC Freiburg war das schlechteste Spiel der Schalker unter Trainer Manuel Baum, weshalb sich mehr denn je die Frage stellt: Kann diese Truppe überhaupt noch gewinnen?

Nur Fährmann und Boujellab aus Schalke-Jugend

Dabei standen gegen die Breisgauer bis auf Torwart Ralf Fährmann und Nassim Boujellab, die aus der eigenen Jugend stammen, Profis in der Startelf, die insgesamt 79 Millionen Euro gekostet haben.

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In dieser Phase aber scheinen alle mit der Herausforderung überfordert zu sein, die dringend benötigte Wende zum Positiven zu bewirken.

SPORT1 nimmt die Spieler unter die Lupe.

Benjamin Stambouli (kam 2016/17 für 8 Millionen Euro von PSG)

Der Franzose spielt bislang eine ganz schwache Saison. Schon nach drei Spielen war er seine angestammte Position als Innenverteidiger los. Trainer Manuel Baum verzichtete anschließend ganz auf Stambouli und setzte ihn erst in den letzten Spielen wieder ein, allerdings als Rechtsverteidiger. Machte er auf dieser Position gegen Augsburg noch eine solide Figur, wirkte er gegen Freiburg vor allem in der zweiten Halbzeit heillos überfordert.

Ozan Kabak (19/20 für 15 Millionen aus Stuttgart)

Als viel versprechendes Talent vom VfB geholt, stagniert die Entwicklung des 20 Jahre alten Innenverteidigers nun schon länger. Auch wenn die Niederlage gegen Freiburg nicht an ihm festzumachen ist, schwankten seine Leistungen zuletzt doch sehr.

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Salif Sané (18/19 für 7 Millionen aus Hannover)

Der Abwehrhüne sollte der Mannschaft mit seiner Erfahrung aus mittlerweile über 150 Bundesliga-Spielen mehr Stabilität verleihen als er es momentan tut. Das fordert auch Baum öffentlich. Er kann sich in Luftduellen zwar behaupten, ist aber häufig zu langsam, wie auch bei Roland Sallais Führungstor für Freiburg.

Bastian Oczipka (17/18 für 4,5 Millionen aus Frankfurt)

Auch der Linksverteidiger war beim 0:1 nicht schuldlos, ließ Jonathan Schmid bei dessen Flanke viel zu viel Zeit. Er, wie auch Sané, sollte eigentlich genug Erfahrung haben, mit dieser schwierigen Situation fertig zu werden. Doch auch er ist keiner, an dem sich die jungen Spieler aufrichten können.

Omar Masacarell (18/19 für 10 Millionen von Real Madrid)

Der Spanier stammt aus der Akademie der Königlichen und galt lange als Super-Talent auf der Sechser-Position. Mittlerweile ist er 27, und die Zweifel mehren sich, dass aus ihm tatsächlich noch ein gefürchteter Abräumer wird.

Suat Serdar (18/19 für 11 Millionen Euro aus Mainz)

Mit 23 Jahren sollte auch der viermalige deutsche Nationalspieler dem Status Talent jetzt so langsam entwachsen sein. Er zeigte in dieser Saison auch mit seinem Offensivdrang gute Ansätze, tauchte aber gegen Freiburg in der zweiten Halbzeit ebenfalls komplett ab.

Amine Harit (17/18 für 8 Millionen aus Nantes)

Er sollte der Denker und Lenker in der Schalker Mannschaft werden, der kreative Geist im Mittelfeld. Doch statt mit Leistung zu überzeugen, leistete sich der Marokkaner in dieser Saison nicht nur einen Ego-Trip und wurde dafür auch schon mehrmals suspendiert. Bei seiner Rückkehr gegen Freiburg weitgehend wirkungslos.

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Rabbi Matondo (18/19 für 9 Millionen von Manchester City)

Den 20-Jährigen eiste Schalke aus Citys U23 los. Noch aber warten sie in Gelsenkirchen auf seinen Durchbruch. Von Baums harten Worten nach dem Freiburg-Spiel, "aus der Offensive kommt bei uns nix raus", muss sich auch der rechte Flügelflitzer angesprochen fühlen. Bislang kam er – auch wegen Verletzungen – nur dreimal zum Einsatz. Dass er aber in allen drei Spielen wieder ausgewechselt wurde, hatte auch qualitative Gründe. Er macht einfach zu wenig mit dem Ball am Fuß.

Benito Raman (19/20 für 6,5 Millionen aus Düsseldorf)

Zwei Tore stehen bislang für den Offensivmann in der Bundesliga zu Buche – eine ausbaufähige Bilanz. In Augsburg sorgte er mit seinem Ausgleich noch für Hoffnung auf den ersten Dreier in dieser Saison, gegen Freiburg aber reihte auch er sich wieder in die harmlose Offensiv-Leistung der Schalker ein. Dazu leitete er mit einer misslungenen Finte unfreiwillig das zweite Gegentor ein.

Bis auf Raman und Kabak wurden alle hier aufgelisteten Spieler nicht vom aktuellen Sportvorstand Jochen Schneider geholt, sondern von seinem Vorgänger Christian Heidel. Das macht die Aufgabe für die Verantwortlichen der Königsblauen aber nicht leichter, zumal ihnen auch weiterhin finanziell die Hände gebunden sind und mögliche Transfers im Winter sehr schwer zu bewerkstelligen sein werden.

"Wir sind immer Austausch, was die Kaderplanung betrifft. Klar wissen wir, dass die finanzielle Situation nicht so rosig ist", sagte Baum zu SPORT1. "Wenn wir es schaffen, Spieler herzuholen, dann reden drüber. Wir haben aber auch keine Zweifel, das mit unserer Mannschaft knallhart durchzuziehen."

Der Trainer glaubt also noch an den Klassenerhalt. Beim Blick auf die Tabelle aber wird deutlich, wie schwer das werden dürfte. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass man mit 30 Punkten zumindest noch auf die Relegationsspiele hoffen kann. Die Schalker aber haben derzeit nur kümmerliche vier Zähler auf dem Konto. Um auf 30 zu kommen, müssten sie noch neun Spiele gewinnen.

Wie soll das gehen? Diese Frage ist noch viel schwerer zu beantworten als die nach dem letzten Schalker Sieg.