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Mainz und München - Christian Heidel und Martin Schmidt stellen sich in ihren neuen Rollen bei Mainz 05 vor. Heidel richtet sogleich einen flammenden Appell an Klub und Umfeld.

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Der FSV Mainz 05 hat am Dienstag Christian Heidel und Martin Schmidt in ihren neuen Funktionen offiziell vorgestellt - und speziell Heidel ist mit einem emotionalen Auftritt gleich wieder in den Blickpunkt gerückt.

In aller Deutlichkeit appellierte der frühere Schalker Sportvorstand, der in Mainz einst die Trainerkarrieren von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel angeschoben hatte, an Klub und Umfeld.

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Alle sollten dort künftig mehr Zusammenhalt ausstrahlen, als er zuletzt erlebt hätte.

Heidel mit flammendem Appell

"Ich bin nicht viel in den sozialen Medien unterwegs, aber ich habe mir jetzt ein Bild machen wollen, wie die Stimmung ist", berichtete er auf SPORT1-Nachfrage: "Und ich war recht schockiert, wie man miteinander umgeht. Ich habe lesen müssen, dass es tief ins Persönliche geht, Beleidigungen, Verunglimpfungen. Das kenne ich von Mainz, von uns Mainzern nicht. Hier geht Mainz in eine falsche Richtung." Sein Wunsch, das zu ändern, sei "ein Grund, warum ich gekommen bin".

Heidels dringende Mahnung: "Es sind Fehler passiert, aber wir müssen sie gemeinsam beheben. Kritik muss immer erlaubt sein, aber man muss das Gefühl haben: Das ist mein Verein. Wir müssen anfangen uns zu wehren gegen den Abstieg, nicht nur die Spieler, wir alle gemeinsam. Dass einem der Verein wichtig ist, sieht man in schiwerigen Phasen. Die haben wir jetzt und wir müssen es gemeinsam lösen."

Die Erwartungshaltung an ihn persönlich, versuchte er im selben Atemzug zu dämpfen: "Die Erwartungshaltung, dass ich zurückkomme und ab sofort gewinnt Mainz alle Spiele, ist erdrückend. Ich bin nicht der Heiland oder der Messias."

Mögliche Sorgen um seinen Gesundheitszustand nach seinem Schlaganfall im Sommer 2019 zerstreute Heidel: "Meine gesundheitliche Verfassung ist top, die Diagnose ist klar."

Nach einer bisher überaus turbulenten Saison mit Abstiegskampf, Spielerstreik, den Entlassungen von Achim Beierlorzer und nun auch Jan-Moritz Lichte sowie dem Abgang von Heidels Vorgänger Rouven Schröder will Heidel seinen Beitrag dazu leisten, den Klub wieder zur Ruhe zu bringen.

Bo Svensson heißester Trainer-Kandidat

Heidel übernimmt ab sofort als Vorstand Strategie, Sport und Kommunikation - und will nach eigenen Angaben nicht mehr auf der Bank sitzen -, Ex-Coach Schmidt als Sportdirektor. Die erste Aufgabe, die die beiden angehen müssen und werden, ist die Besetzung des Trainerpostens.

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Als heißester Kandidat wird der Däne Bo Svensson gehandelt. Er spielte von 2007 bis 2014 beim FSV, nach dem Ende seiner aktiven Karriere war er von 2015 bis 2019 als Juniorentrainer bei den Rheinhessen beschäftigt. Der 41-Jährige würde vom österreichischen Zweitligisten FC Liefering kommen, wo er bis 2023 unter Vertrag steht.

"Wir haben uns zum Ziel gesetzt, in das zweite Spiel nach der Pause mit einem neuen Trainer zu gehen. Wir werden keine Namen nennen, es ist aber sehr lustig, was in den Medien angedacht ist. Wir geben keine Wasserstandsmeldungen ab", sagte Schmidt zu der Personalie. Eine Andeutung gab es dann aber doch: "Hier kennt man Bo. Dass die Idee aufkommt, ist nicht so abwegig."

Auf SPORT1-Nachfrage zum Profil des neuen Chefcoaches sagte Schmidt: "Wir wollen wieder das spielen, was Mainz ausgemacht hat. Wir brauchen neue Impulse, müssen wieder vorwärts spielen, den Ball jagen, Pressing spielen, auf Tempofußball und Umschaltspiel setzen."

Jan Siewert, der Cheftrainer des Nachwuchsleistungszentrums, übernimmt gegen den FC Bayern nur übergangsweise für den freigestellten Jan-Moritz Lichte (FC Bayern vs Mainz 05 am Sonntag ab 18 Uhr im LIVETICKER).

Der CHECK24 Doppelpass am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1 

Heidel: "Merkwürdigstes Weihnachten"

Auf seinen Wunsch läuft Heidels Vertrag nur bis Ende Juni 2022. "Ich möchte, dass mich jeder im Verein hier haben will. Wenn wir mit dem Aufsichtsrat bei der Versammlung in sechs Wochen nicht übereinstimme, dann bin ich wenigstens kein wirtschaftliches Problem für den Verein aufgrund einer langen Vertragslaufzeit."

Spekulationen um eine stundenlange Vertragsverhandlung bestätigte Heidel nicht, im Gegenteil: "Unsere Verhandlung hat genau fünf Minuten und zwei E-Mail gedauert."

Die Entscheidung zu diesen Schritt hat sich Heidel allerdings nicht einfach gemacht: "Es war das merkwürdigste Weihnachtsfest. Vor und nach der Bescherung mit meiner Tochter ging es nur um die Entscheidung, was ich mache. Ich habe mich schon sehr unter Druck gesetzt gefühlt. Und dann ist auch noch der Herd ausgefallen."

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Heidel: Wollte Schröder den Job nicht wegnehmen

Aufsichtsratschef Detlev Höhne begrüßte Heidels Entscheidung, den Posten anzunehmen, obwohl "der ursprüngliche Plan hat wegen des Ausscheidens von Rouven Schröder nicht geklappt" hatte. Das Kontrollgremium sei am 11. Dezember an Heidel herangetreten, ursprünglich mit der Idee, Heidel einzubinden, dabei aber Schröder im Amt zu belassen - was der allerdings unter diesen Umständen abgelehnt hatte.

Trotzdem stellte Heidel nun klar: "Ich wollte Rouven niemals den Job wegnehmen und das weiß er auch. Als Rouven dann seine Entscheidung getroffen hatte, habe mich dann entschlossen, Ja zu sagen, obwohl ich davor Nein gesagt habe."