Uli Hoeneß (r.) und Günter Eichberg waren nicht immer einer Meinung
Uli Hoeneß (r.) und Günter Eichberg waren nicht immer einer Meinung ©
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SPORT1-Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.

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Im Februar 1990 verpflichtete Schalke den Bayern-Spieler Radmilo Mihajlovic. Doch was sich so einfach anhört, war es bei weitem nicht. Denn während dieses Transfers entwickelte sich eine spektakuläre Privatfehde zwischen dem königsblauen Präsidenten Günter "Sonnenkönig" Eichberg und dem FCB-Manager Uli Hoeneß, die für mächtig Schlagzeilen sorgen sollte.

Die Geschichte dieses Streits gelang an die Öffentlichkeit, weil sich der Bayern-Manager diebisch freute, dass er die Ablösesumme durch einen Trick um eine halbe Millionen anheben konnte. Eigentlich war alles klar: Schalkes Manager Helmut Kremers hatte als fixen Betrag bereits 2,5 Millionen D-Mark mit den Bayern ausgehandelt. Doch Eichberg wollte lieber selbst ran und verkündete, noch bevor die Verträge unterschrieben waren, etwas voreilig den Wechsel des Jugoslawen nach Gelsenkirchen.

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Günter Eichberg über Uli Hoeneß: "Der kann mich mal am Hobel blasen"

Das passte Hoeneß ganz und gar nicht. Er ließ Eichberg ausrichten: So nicht! Der konterte wiederum selbstsicher: "Der Hoeneß glaubt immer noch, dass er der Größte ist. Der kann mich mal am Hobel blasen." München stellte sich ein bisschen bockig, Eichberg legte noch etwas drauf, und Mihajlovic bekam die Erlaubnis zum Wechsel.

Hoeneß jubilierte: "Hätte der Kremers die Verhandlungen geführt, wäre Mihajlovic eine halbe Millionen billiger gewesen. Wenn wir mit solchen Komödien immer 500.000 Mark verdienen, dann darf mich der Eichberg so oft am Hobel blasen, wie er will. Er braucht nur Ort und Zeitpunkt bekannt geben. Ich bin sofort bereit."

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Viele Jahre lang war anschließend Ruhe zwischen Eichberg und Hoeneß. Inzwischen wurde die Geschichte allerdings immer weiter ausgeschmückt, bunter und größer.

Dollar statt D-Mark: Mihajlovic linkt Eichberg

Bis sich eines Tages Günter Eichberg selbst zu Wort meldete, einiges klarstellte und die Story um eine Pointe erweiterte: "Da sind abenteuerliche Sachen im Umlauf. Wahr ist Folgendes – und das ist keine Geschichte, in der ich besonders gut abschneide. Ich war damals selbst in München. Niemand anderes. Und die Ablösesumme mit Bayern war relativ schnell fix. Die haben mir gesagt, du kannst den McInally kriegen oder den Mihajlovic. Einer von beiden konnte damals nur bei Bayern spielen. Ich habe mich für Mihajlovic entschieden. Und die Ablösesumme, das waren damals fünf Millionen, die habe ich höchstpersönlich – bis zum heutigen Tag – bezahlt und nicht einen Pfennig davon zurückbekommen.

Das ist die Wahrheit und was immer da geschrieben und von wem auch immer behauptet wird, ist totaler Stuss. Und das ist hinterher auch noch weitergegangen, weil er ein Handgeld bekam, das musste auch noch versteuert werden – das hatte er natürlich nicht getan, er hatte es nach Jugoslawien geschafft. Dafür musste ich dann auch noch die Steuern bezahlen.

Bei den Verhandlungen war ich mit ihm um nur eine Ecke auseinander, was seine eigenen Bezüge anging. Und das Gespräch hat in der Wohnung meines Bruders, der in München wohnte, stattgefunden, also im privaten Zirkel. Mic ging allerdings öfter ans Telefon, und offenbar waren auf der anderen Seite Fritz Scherer, der damals Bayern-Präsident war, und Uli Hoeneß, der schon Manager war, am Telefon. Und die haben ihm immer ins Ohr geflüstert, was er mir sagen soll.

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Irgendwann war ich es mal leid, da habe ich gesagt: "Pass mal auf, Mic, gib das Formular mal her. Ich unterschreib jetzt den Vertrag und habe das Handgeld offen gelassen. Ich gehe jetzt auf die Toilette, und wenn ich wiederkomme, hast du da eine Zahl eingesetzt und unterschrieben oder eben nicht." Und als ich dann wiederkam, habe ich gesehen, dass er eine Zahl eingesetzt hatte, die eher in der Nähe dessen war, was ich mir in unserem Gespräch so vorgestellt hatte – nicht das, was er gedacht hatte. Erst drei Tage später habe ich dann bemerkt, als ich mir das noch einmal angeguckt habe, dass dieser kleine Sausack ein Dollarzeichen davor gemacht hatte. Da war dann nichts mehr zu machen und das wurde auch bezahlt und irgendwann vergessen. Vergeben aber bis heute nicht."

Günter Eichberg war Anfang der neunziger Jahre noch ein Präsident der alten Schule. Er sah den FC Schalke 04 als "seinen" Verein an – und so führte er auch die Transferverhandlungen mit anderen Klubs in Personalunion.

Schalke 04 schnappt sich spektakulär Bent Christensen 

Ein Jahr nach dem kuriosen Mihajlovic-Wechsel schnappte Schalke auf ebenso spektakuläre Art und Weise Eintracht Frankfurt in letzter Minute den heiß umworbenen Dänen Bent Christensen weg – und das kam so, wie sich Günter Eichberg später erinnerte: "Bent hat in dem Jahr Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen im Alleingang durch sechs oder sieben Tore aus dem UEFA-Cup geschossen.

Er war begehrt bei vielen europäischen Vereinen, bei denen bestimmt viel mehr Geld da war als bei Schalke 04. Durch geschickte Taktiererei und viele Gespräche, die wir da geführt haben in Kopenhagen, ist es uns gelungen, denen allen eine lange Nase zu zeigen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass wir einen Vertrag hatten, den Bernd Hölzenbein bereits fix und fertig für Eintracht Frankfurt ausgehandelt hatte.

Wir sind dann selbst nach Kopenhagen gefahren und haben genau diesen Vertrag in der Nacht mit den Leuten von Bröndby im Hotel durchgearbeitet. Überall dort, wo Eintracht Frankfurt stand, haben wir Schalke 04 hingeschrieben, und weil die Frankfurter nur Ratenzahlung machen wollten, haben wir das durchgestrichen und Barzahlung hingeschrieben. Und was soll ich sagen: Das hat denen von Bröndby wohl irgendwie gefallen!" Andere Zeiten als heute – aber durchaus immer noch sehr amüsant in der Erinnerung.

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktueller Bestseller "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".