Buffy Ettmayer im Trikot des VfB Stuttgart
Buffy Ettmayer im Trikot des VfB Stuttgart © Imago
Lesedauer: 5 Minuten

Unser Kolumnist Ben Redelings blickt wöchentlich auf die kuriosesten, lustigsten und unterhaltsamsten Highlights der Ligageschichte zurück.

Anzeige

Neues Jahr, neue Vorsätze. Und ein Thema steht bei jedem Zweiten ganz oben auf der Liste: Abnehmen! Egal wie, die Kilos müssen runter. Davon kann Niklas Süle ein Lied singen.

Dabei gab es durchaus Bundesliga-Spieler, die optisch nicht unbedingt Idealmaße hatten – aber sportlich dennoch ganz weit vorne weg waren.

Anzeige

Einer von ihnen war der begnadete Ballkünstler und wunderbare Entertainer Johann "Buffy“ Ettmayer. Sein komplettes Fußballerleben lang stand die etwas zu üppig geratene Figur des Österreichers im Vordergrund seiner Betrachtung.

Auch sein Spitzname "Buffy" hat damit zu tun. Denn auf Tschechisch bedeutet er so viel wie "Dickerchen". Ettmayers ehemaliger Trainer Leopold Stasny hatte ihm den wenig schmeichelhaften Beinamen verpasst. Und Stasny wusste warum. 

Auch interessant

Und auch Ettmayer selbst verschloss keineswegs seine Augen vor der Realität: "Einen dicken Hintern werde ich immer haben. Und mit dem Ruf, dass ich nicht laufen und kämpfen kann, muss ich halt leben." Er konnte gut damit leben - denn in Wahrheit war er einer der Schnellsten auf dem Platz.

Ettmayer sichert sich nächtliche Prämie

Das bewies er auch vor der Saison 1974/75, als er sich auf ein Duell mit seinem Mitspieler beim VfB Stuttgart, Heinz Stickel, einließ, der den Ruf des "schnellen Polizisten" innehatte. Zu später Stunde versammelte sich die komplette Mannschaft auf einem Leichtathletikplatz – und staunte. Die Prämie über 50 Mark sicherte sich Ettmayer locker. Ganze 12,3 Sekunden benötigte er für die 100 Meter.

Tippkönig der Königsklasse gesucht! Jetzt zum SPORT1 Tippspiel anmelden

Nicht immer allerdings fand er für seine etwas behäbig wirkende Spielweise Unterstützung bei seinen Trainern. Übungsleiter anderer Vereine konnten das allerdings nie nachvollziehen, wie die Meinung des damaligen Kölner Coachs Tschik Cajkovski zeigt: "Es gibt dicke Spieler, die es können, und dünne, die es nicht können. Ettmayer ist ein Spieler, der einfach spielen muss."

Der Gelobte sah es natürlich genauso. Sauer darüber, dass er draußen sitzen musste, meinte Ettmayer: "Ich habe keinen Revue-Körper, aber ich kann Fußball spielen. Ich kenne aber viele Spieler, die haben einen Revue-Körper und können’s nicht!"

Ettmayer kontert Kritik mit Humor

In der Regel konterte Buffy Ettmayer die Kritik an seiner Figur aber mit humorigen Sprüchen. Als sein Trainer beim VfB, Albert Sing, eines Tages zu ihm sagte: "Es gibt Bilder, da warst du dünner." Da erwiderte Ettmayer launig: "Die sind wahrscheinlich mit einer Schmalfilmkamera gemacht!"

Mit Sing verband den Österreicher allerdings ohnehin ein sonderbares Verhältnis. Mal durfte Ettmayer spielen, dann wieder nicht. Mal wurde er für wenige Minuten eingesetzt, ein anderes Mal wiederum vorzeitig ausgewechselt.

DAZN gratis testen und die Bundesliga live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Als Sing dann bei einer Partie mal wieder auf seinen Schützling setzte, schoss Ettmayer prompt ein Tor. Vor den Augen des begeisterten Publikums rannte er augenblicklich zu seinem Trainer und fragte: "Zählt das Tor?" Sing reagierte verwirrt: "Wieso denn nicht?" Und Ettmayer lächelnd: "Weil ich es geschossen habe - der Dicke!"

Man könnte meinen, dass wenigstens nach Ettmayers Karriere sich endlich etwas an den ständigen Diskussionen über sein Gewicht geändert hätte – doch weit gefehlt. Das Reden darüber blieb dem üppigen Österreicher auch dann noch erhalten: "Letzte Woche war ich noch ein Meerschweinchen, jetzt sehe ich aus wie eine Sau. Der Grund: Ich habe 200 Gramm zugenommen."

Ettmayers aussichtsloser Kampf mit dem Kühlschrank

Ein anderes Mal sagte er: "Wenn ich heute auf eine Waage steige, sagt die sofort: ,Bitte nicht in Gruppen benutzen!'" Der Grund für diese Sprüche war recht einfach: Buffy Ettmayer ließ es sich eben auch nach seinem Karriereende weiter gut gehen – und konnte eigentlich doch gar nichts dafür: "Was soll ich machen? Ich habe halt daheim in meinem Kühlschrank so furchtbar schräge Fächer. Wenn ich in der Nacht aufstehe und die Tür aufmache, rutschen mir die Wurstsemmerln einfach von selber entgegen."

Eines Tages fragte ihn dann ein Journalist, ob er denn am Morgen schon auf der Waage gewesen sei. Ettmayer antwortete gewohnt pointiert: „Schon aus Protest nicht. Weil ich immer noch einer der Schnellsten von null auf hundert bin – kilomäßig.“ Der Journalist hakte nach: „Ihr momentanes Gewicht kennen Sie aber?“ Ettmayer: „Nein, bringt ja auch nichts. 365-mal im Jahr will ich abnehmen, am 1. Januar stelle ich dann immer fest, dass wieder was dazugekommen ist.“ Ich wünsche Ihnen ein gutes und – im doppelten Sinne - nicht allzu schweres Jahr 2021. Glück auf, Ben Redelings!

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktuelles Werk "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".

Best of Bundesliga - alle Kolumnen:

- Saison 1963/1964: Als der FC Bayern dem Erzrivalen einen Weltstar klaute
- Saison 1985/1986: Als ein Platzwart gefesselt wurde
- Saison 1988/1989: Wasserbomben auf Mario Basler
- Saison 1991/1992: Als die Presse Matthäus bloßstellte
- Saison 1992/1993: Peter Neururer und die kurioseste Truppe der Liga
- Saison 1996/1997: Als Lothar Matthäus sich mit "Heulsuse" Möller zoffte
- Saison 2000/2001: Als Thorsten Legat die Buchse bis unter die Achseln zog
- Saison 2004/2005: Die dunkelste Stunde der Bundesliga