Djibril Sow und Evan N'Dicka sind zwei von fünf Stellschrauben
Djibril Sow und Evan N'Dicka sind zwei von fünf Stellschrauben © Imago
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Frankfurt am Main - Eintracht Frankfurt will sich in der Tabelle in Europapokal-Regionen bewegen. Mit Union Berlin wartet nun das Team der Stunde. Adi Hütter muss an fünf Stellschrauben drehen.

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Die Ansprüche rund um Eintracht Frankfurt sind gewachsen. Ein Beispiel gefällig?

Nach einem 1:1 gegen RB Leipzig wird lange Zeit darüber diskutiert, wie dieser Punkt eingeordnet werden soll. Die Sachsen reisten immerhin als Tabellendritter an und standen im August noch im Champions-League-Halbfinale. Übersetzen lässt sich dies mit dem Begriff Spitzenteam.

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Die Hessen, die sich in Europapokal-Regionen bewegen wollen, haben sich aber durch Remis gegen Arminia Bielefeld oder Werder Bremen in die Situation gebracht, sogenannte Bonusspiele gewinnen zu müssen. Mit Union Berlin wartet die Mannschaft der Stunde und angesichts von vier Punkten Rückstand auf die auf Platz fünf stehenden Eisernen ein Schlüsselspiel für die Eintracht.

An diesen fünf Stellschrauben muss Adi Hütter in den kommenden Wochen und Monaten drehen:

Die Juwelen im Kader fördern

"Er ist einfach ein Spieler, der spielen muss!" Evan N’Dicka zählt zu den Spielern mit dem größten Talent und Potenzial im Eintracht-Kader. Der erst 21 Jahre alte Abwehrmann bestritt gegen Leipzig bereits sein 50. Bundesligaspiel und er tat dies gewohnt souverän, mit viel Auge, Ruhe und Technik. Zudem war N’Dicka, wenn auch eher glücklich, Vorbereiter des Treffers von Aymen Barkok - dem nächsten Juwel der Hessen.

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Barkok ist gebürtiger Frankfurter und will seinen Durchbruch in der Heimat schaffen. Nach zwei eher enttäuschend verlaufenden Leihjahren in Düsseldorf nahm der 22-Jährige zuletzt richtig Fahrt auf, den zwei Vorlagen in Stuttgart folgte gegen Leipzig sein drittes Bundesligator - das letzte von ihm lag beinahe vier Jahre zurück. Aktuell wird der marokkanische Nationalspieler durch Corona zwar ausgebremst, doch der Weg stimmt bei Barkok. "Aymen hat der Mannschaft durch seine positiven Impulse geholfen", erkannte Sportdirektor Bruno Hübner.

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Eine weitere Verjüngung der Startelf wird es ab Januar gehen. Der 34 Jahre alte Kapitän David Abraham soll dann auf Sicht durch Tuta ersetzt werden.

Nach SPORT1-Informationen plant Hütter mit dem Brasilianer als Nachfolger, ein neuer Akteur soll zunächst nicht kommen. Die Gefahr, ihn auf der Ersatzbank an einen anderen Klub zu verlieren, ist zu groß. Es mangelt natürlich noch an Reife, doch die Anlagen (Technik, Zweikampfstärke, Spielaufbau) des 21-Jährigen stimmen zuversichtlich. Und dann ist da noch die Personalie Djibril Sow...

Hütters Wunschspieler muss den nächsten Schritt gehen

Sow stand erstmals nach fünf Monaten (!) gegen RB wieder in der Startelf der Hessen. Rund neun Millionen Euro ließ sich die Eintracht den Mittelfeldspieler im Sommer 2019 kosten, der große Durchbruch blieb ihm bislang verwehrt.

Gegen Leipzig setzte er zwar keine entscheidenden Impulse, doch mit seiner Laufstärke (12,5 Kilometer) ließ er die Offensivmaschinerie des Kontrahenten nicht anlaufen. Die sei, wie er auf SPORT1-Nachfrage erklärt, der Matchplan gewesen: "Die zwei Sechser sollten die Lücken schließen." Dies gelang größtenteils, darf für den 23-Jährigen aber nur ein kleiner Anfang sein.

Coach Adi Hütter bedankt sich bei seinem Kapitän David Abraham
Coach Adi Hütter bedankt sich bei seinem Kapitän David Abraham © Imago

Obwohl Sow seinen Stammplatz verloren hat, denkt er nicht an einen Abgang aus Frankfurt: "Es war ein logischer und guter Schritt von Bern nach Frankfurt. Ich habe noch immer das Gefühl, das ist der richtige Verein für mich. Die Eintracht ist ein geiler Klub mit richtig viel Potenzial."

Es liegt an Hütter, dieses herauszukitzeln - vor allem auch aus Wunschspieler und Rekordneuzugang Sow.

Konkurrenzkampf weiter hochhalten

In den ersten sieben Ligaspielen nahm Hütter nur verletzungsbedingte Veränderungen an der Startelf vor. Das Umfeld warf ihm bereits eine gewisse Mutlosigkeit vor, der Coach wehrte sich mit Verweis auf die Doppelspitze und Spielmacher Daichi Kamada.

Gegen Leipzig ging der Österreicher aber ins Risiko und warf die Rotationsmaschine an. Aymen Barkok, Djibril Sow, Evan N’Dicka und Erik Durm durften erstmals in dieser Saison starten und erwiesen sich als durchaus brauchbare Alternativen. Die Spielzeit inmitten der Pandemie stellt für alle Klubs eine enorme Belastung dar, weitere Corona-Fälle und Verletzung sind angesichts des engen Rahmenterminkalenders nicht auszuschließen.

Die Profis benötigen das Vertrauen, gebraucht zu werden. Nur dann können sie wie gewünscht performen und regelmäßig Topleistungen abrufen. Die Rotation gegen Leipzig darf somit keine Ausnahme bleiben.

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Defensive weiter stabilisieren

Viermal nur spielte die Eintracht in den 31 Pflichtspielen im Jahr 2020 zu Null - viel zu selten. Intern werden die einfachen Gegentreffer bemängelt, trotz großer Erfahrung auf dem Platz unterschätzen die Routiniers teilweise die Gefahr und greifen erst dann ein, wenn es schon zu spät ist.

Im Duell gegen Leipzig bewies die Eintracht, dass sie kompakter stehen und griffiger verteidigen kann. Das Team lässt insgesamt kaum Torchancen gegen sich zu, doch im Strafraum fehlt in entscheidenden Situationen die nötige Konsequenz. 13 Gegentore bedeutet Rang elf in diesem Ranking – nicht gewolltes Mittelmaß also!

Hunger in der Offensive wecken

Was zeichnete die "Büffelherde" um Sébastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic so aus? Es war der "Hunger" nach Treffern. Das Trio ließ zu keinem Zeitpunkt nach und legte auch in der Endphase bei deutlicher Führung noch zu.

Während André Silva mit fünf Treffern und einer Vorlage in acht Partien bislang überzeugt, wartet Bas Dost nach starkem Start (zwei Tore und zwei Vorlagen in den ersten drei Begegnungen) inzwischen seit fünf Partien auf eine Torbeteiligung.

Der von Hütter geförderte Daichi Kamada konnte schon fünf Scorerpunkte sammeln, doch ihm fehlt weiterhin die Konstanz über 90 Minuten. Die Rückkehr von Filip Kostic nach mehrwöchiger Verletzungspause nährt die Hoffnung auf mehr Durchschlagskraft im vorderen Bereich der Eintracht.

Sie wird nötig sein im Schlüsselspiel gegen Union – ansonsten droht die Eintracht schon früh in der Saison den Anschluss an die Europapokalplätze zu verlieren.