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Gute Leistung, aber eben wieder verloren. SPORT1 erklärt, was sich der BVB bei der 2:3-Heimpleite gegen die Bayern ankreiden lassen muss.

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Es war das Bild des Abends: Nach dem Schlusspfiff legte sich Thomas Meunier auf den Rasen des Signal Iduna Parks und harrte für einige Minuten aus. Die Arme und Beine weit ausgestreckt. Wie ein Seestern.

Enttäuscht. Erschöpft. Ratlos. Der Rechtsverteidiger war mit seinen Dortmundern so nah dran. Und irgendwie doch so weit weg.

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Wieder war es nichts mit einem Sieg für die Borussia gegen die Bayern. Auch im vierten Anlauf setzte es eine Pleite. 2:3 trotz 1:0-Führung.

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Dabei hatte Lucien Favre die Schwächen der Bayern eigentlich erkannt. Im Vorfeld sagte der Schweizer: "Sie pressen sehr, sehr hoch und gehen viel ins Risiko. Wenn du so hoch spielst, musst du bei Kontern und langen Bällen aufpassen."

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Der Dortmunder Matchplan war an sich auch nicht schlecht: Aus einer gesicherten Defensive heraus nach vorne Nadelstiche setzen. Meunier und Mats Hummels spielten mehrfach clevere Pässe hinter die hochstehende Abwehrkette und sorgten dafür, dass die schwarzgelbe Offensive die Bayern-Abwehr vor große Probleme stellte. 

BVB mit besserer Statistik

Das Manko aber: Erling Haaland, Marco Reus und Co. konnten ihre Chancen zu selten nutzen. "Wir hatten so viele Torchancen. Drei, vier, fünf Mal hatten wir gute Möglichkeiten. Wir hätten mehr Tore machen müssen", monierte Favre. "Am Ende hätten wir sogar noch das 3:3 machen müssen."

Der BVB machte ein richtig gutes Spiel und statistisch gesehen am Ende sogar in fast allen Belangen vorne: 15:14 Torschüsse, 80:79 Prozent Passquote, 525:494 gespielte Pässe, 51:49 Prozent Ballbesitz, 52:48 Prozent Zweikampfquote. Einzig: Es sprang einmal mehr nichts Zählbares heraus.

Eine Erklärung dafür lieferte auch gleich der Gegner: "Wir haben das Spiel verdient gewonnen, weil wir zum richtigen Zeitpunkt einen Schritt schneller und auch etwas abgezockter waren", sagte Leon Goretzka. Und Trainer Hansi Flick ergänzte: "Wir waren letztlich etwas entschlossener.

Deswegen glaube ich, dass der Sieg mehr als verdient war."

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Neben der fehlenden Entschlossenheit vor dem Tor muss sich der BVB diesmal auch die schwache Abwehrleistung ankreiden lassen. Die bis dato beste Abwehr der Liga (nur zwei Treffer gegen Augsburg) ließ gegen die Bayern einfach zu viel zu. Meunier, Hummels und Co. gingen zu

"Das Glück war heute nicht auf unserer Seite"

inkonsequent in die Zweikämpfe und ließen den Bayern-Spielern vor allem auf den Außenflügeln zu viel Platz.

"Alle drei gegnerischen Tore sind abgefälscht gewesen", meinte Hummels, "das Glück war heute nicht auf unserer Seite. Glück und Pech sind in den Spitzenspielen oft ausschlaggebend."

Glück allein reicht allerdings auch nicht. 

Was außerdem dazu kommt: Top-Spieler wie Jadon Sancho und auch Reus tauchten ab. Während der Kapitän immerhin das 1:0 erzielte und sich noch zwei dicke Chancen erarbeitete, war Sancho völlig von der Rolle. Der Engländer verzettelte sich in seinen Dribblings, spielte ungewohnt viele Fehlpässe und war offensiv viel zu harmlos. Seit saisonübergreifend elf (!) Ligaspielen wartet der Top-Scorer der vergangenen Runde nun auf einen Treffer.

"Ich nehme viele positive Dinge mit. Wir sehen, dass wir mithalten können gegen Bayern", sagte Manuel Akanji nach dem Spiel kleinlaut.

Mehr Mumm würde dem BVB guttun

Ein bisschen mehr Mumm würde den Dortmundern guttun. Wie aber, wenn das der Trainer selbst nicht vorlebt? Favre war einmal mehr total aktiv an der Seitenlinie, wirkte auf seine Spieler ein und redete viel. Vor dem Anpfiff sprach er auffällig viel mit Akanji, Hummels, Reyna oder Sancho. Mit Stift und Zettel in der Hand gab er ihnen die letzten taktischen Vorhaben. 

Es bleibt aber der Eindruck, dass der 63-jährige Taktik-Fuchs seine Mannschaft vor allem in großen Spielen nicht genügend motivieren kann.

Und so heißt es unterm Strich aus Dortmunder Sicht: Gut gespielt und doch verloren. Der BVB verliert, mal wieder, gegen die Bayern. Diesmal wäre allerdings mehr drin gewesen.