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München - Schalke 04 setzt auf Manuel Baum als neuen Trainer. Daniel Baier spielte beim FC Augsburg unter Baum - und verrät bei SPORT1, wie er als Mensch und Trainer tickt.

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Die Nachricht, dass Manuel Baum neuer Cheftrainer von Schalke 04 wird, kam für Daniel Baier unerwartet. Aber er wundert sich generell über die jüngsten Trainerwechsel in der Bundesliga.

"Ich finde es sehr überraschend, dass nach zwei Spieltagen schon zwei Trainer freigestellt wurden. Es ist schade, dass man da so schnell reagiert hat", sagte der 36-Jährige im Gespräch mit SPORT1. Der Trainerwechsel Manuel Baum für David Wagner bei den Königsblauen habe aber "natürlich auch eine Vorgeschichte auf Schalke", findet Baier.

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Baum-Verpflichtung "sicher überraschend"

"Ich denke in der vergangenen Saison war man schon sehr unzufrieden und dann starten sie auch noch so in die Saison. Da kommt es leider immer wieder schnell zu einem Trainerwechsel. Dass Manu der Kandidat war, kam aber sicher überraschend."

Jetzt hätten sie in Gelsenkirchen jemanden, der dafür brenne wieder in der Bundesliga Trainer zu sein und einen, der "zu 100 Prozent alles für den Erfolg tun wird, wie er es in Augsburg auch gemacht hat." Und Baier ergänzt: "Mit seiner ganzen Kompetenz, die Manu unbestritten hat." Baier, der in diesem Sommer seine Profikarriere beendete, trainierte beim FCA von 2016 bis 2019 unter Baum. Und er hat eine hohe Meinung vom neuen Schalker Hoffnungsträger.

Baier schwärmt von Baum

"Ich kann sagen, dass er fachlich und was den Ehrgeiz betrifft, ein überragender Trainer ist. Er befasst sich gefühlt 24 Stunden am Tag mit Fußball, hat unglaubliches Know How und befasst sich auf dem Gebiet mit allem und jedem. Das werden alle bei Schalke sehr schnell bemerken."

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Baier hat natürlich mitbekommen, wie Baum sich bei seiner Vorstellung am Mittwoch auf Schalke präsentierte. "Ich finde ihn in seinen Interviews sehr sympathisch." Doch der Ex-Profi schränkt ein: "Im Endeffekt ist Manu auf der Trainer-Bühne in Deutschland nicht der größte Name, wie es sich so mancher Schalke-Fan immer erhofft, dass man den größten Trainer präsentiert."

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Doch dies habe nichts damit zu tun, "was für eine Qualität Manu als Trainer hat". Baier ist davon überzeugt, dass die Kombination mit Schalkes früherem Profi und Publikumsliebling Naldo "sehr gut" passen kann.

Keine Skepsis wegen Naldo

Skepsis, weil Naldo noch nie als Trainer gearbeitet hat, gibt es nicht, eher Neugier. "Er braucht wahrscheinlich auch erst mal Zeit wie jeder andere Trainer auch, der da neu hinkommt", meint Baier. "Diese Zeit muss man ihm geben. Ich bin auch mal gespannt, wie es läuft."

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Baier nennt die Lösung mit Naldo "überragend". Und er begründet dies auch: "Naldo ist ein sehr erfahrener Spieler, der immer Verantwortung übernommen hat. Ob er schon einmal Trainer oder Co-Trainer war, spielt nicht die große Rolle. Er kann sein Spieler-Wissen von einst dem Trainer und der Mannschaft weitergeben."

Und Naldo könne da das "ideale Bindeglied zwischen Trainerteam und Mannschaft" sein. "Mein erster Gedanke, als ich davon erfuhr, war sehr positiv."

Schalke ein besonderer Verein

Einfach werde es nicht, Schalke sei schließlich "ein besonderer Verein", der allerdings gerade "unter enormem Druck" stehe, meint Baier. "Dass es nicht einfach ist und dass der Druck da groß ist, für jeden der das Amt antritt, ist normal."

Und er erinnert sich an die gemeinsame Zeit beim FCA. "Manu hat neue Ideen reingebracht. Am Anfang ist es sportlich sehr gut gelaufen und dann gab es das eine oder andere Problem mit Spielern, das auch bekannt ist. Warum es bei uns dann nicht mehr so richtig geklappt hat, weiß ich auch nicht mehr."

Baier ist überzeugt, dass Baum die neue Aufgabe mit großem Selbstbewusstsein angeht. "Wenn er sich das nicht zutrauen würde, hätte er es nicht gemacht. Dann wäre er beim DFB geblieben."

Kritiker sagen derweil Baum würde besser zum DFB passen, könne dort unter dem Radar arbeiten. Das will Baier nicht unterschreiben. "Ich denke es ist nichts Schlimmes, wenn man vorher ein U-Trainer war und dann wieder zu den Profis zurückkehrt."

Baier: "Da tut man ihm Unrecht"

Und weiter: "Er hat es bei uns bewiesen. Ich finde es eine falsche Denke, er könne nur mit der Jugend arbeiten. Ich traue es Manu auf jeden Fall zu. Ich denke, da tut man ihm Unrecht."

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Baum kennt offenbar die Vorurteile ihm gegenüber. Auf der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung sagte der 41-Jährige am Mittwoch: "Vielleicht wird sich der eine oder andere fragen: Ist der Baum nicht zu klein für das Ganze? Aber lasst mich mal machen, ich weiß genau, was ich tue."

Vergleich mit Weinzierl

Baier zieht einen Vergleich mit Markus Weinzierl, den er in Augsburg hatte und der 2016 mit viel Vorschusslorbeeren zu S04 wechselte. "Ich war auch überzeugt, dass Markus die richtige Wahl für Schalke ist. Es ist dann leider nicht so gut ausgegangen. Da liegt es manchmal an dem einen oder anderen Spiel oder einer Entscheidung."

Baier erinnert sich. "Wenn Markus das Viertelfinale in der Europa League (gegen Ajax Amsterdam, d. Red.) mit Schalke gewonnen hätte, dann wäre es eine super Saison gewesen. Das ist immer ein schmaler Grat, man soll Manu auf Schalke erst mal machen lassen und dann bin ich überzeugt, dass er das packt."

In diesem Geschäft gebe es keine Zeit und der Druck sei groß auf Schalke. Für Baier stellt sich die Frage, wie alle mit der Situation umgehen, wenn man nicht von Anfang an die Ergebnisse einfährt. "Das muss man abwarten. Ich wünsche Manu jedenfalls viel Erfolg."