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Schalke 04 startet maximal erfolglos in die neue Saison. Doch SPORT1-Chefkolumnist Tobias Holtkamp erklärt, warum das nicht den Untergang bedeutet.

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Ja, Schalke ist Letzter. Noch kein Punkt aus drei Spielen. Aber ganz ehrlich, Schalke hatte Bayern und Leipzig, beide auswärts. Dass die in jedem Bereich deutlich stärker sind, überrascht nur, sorry, Ahnungslose. Bremen dazwischen war nicht deutlich stärker, aber glücklicher.

Und dass das königsblaue Selbstbewusstsein aufgrund der laufenden Katastrophen-Serie - mittlerweile 19 Schalker Spiele ohne Sieg - zurzeit eher auf Grasnarben-Level ist, sollte auch keinen überraschen. Fußballspiele, dafür zahle ich dann gern im nächsten CHECK24 Doppelpass, werden nun mal auch im Kopf entschieden, zu einem bedeutenden Teil.

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Es läuft alles richtig bescheiden auf Schalke. Das ist so. Und da braucht keiner etwas anderes zu behaupten.

Die Schalker Führung ist nicht das Problem

Aber, und jetzt schwenken wir mal langsam um: Ich bin überzeugt, dass alle Schalker eine richtig gute Chance haben, diese Saison, die ja noch so blutjung ist, erfolgreich zu absolvieren. Wenn sie denn endlich erfolgreich neu definieren.

Ich mache mir um das Schalker Umfeld, die vielen lokalen Sponsoren und Fans, die sich in den vergangenen 15 Jahren an die Spitzenplätze in der Liga gewohnt hatten und sich, befeuert zum Beispiel von den Kampfansagen des mächtigen Clemens Tönnies, voll auf Augenhöhe zum BVB sahen, viel mehr Sorgen, als um die, die den hochgradig emotionalen Verein jetzt lenken.

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In der Führung, auch wenn das einige weder hören noch lesen wollen, ist Schalke richtig gut aufgestellt. Ob das reicht?

Die schwierigste Aufgabe für Sportvorstand Jochen Schneider wird in den nächsten Monaten und wahrscheinlich sogar Jahren das Erwartungsmanagement. Schalke trägt zwar noch den gleichen Namen wie der Top-Klub der jüngeren Vergangenheit, und spielt im gleichen Stadion - das war's aber auch.

Wenn sie das hinbekommen, die Schalker, sich diesen Paradigmenwechsel gegenseitig klarzumachen und ihn vor allem zu akzeptieren, dann können sie schon ganz bald wieder richtig was gewinnen. Keine Meisterschaft, keine großen Titel - aber zum Beispiel die Freude an gelungenen Kombinationen, an jungen Spielern, die im Schalker Trikot zu einer Einheit zusammenwachsen, an königsblauen Kämpfern, denen die gelungene Grätsche am Samstagnachmittag wichtiger ist als die Tischreservierung am Abend im Düsseldorfer Szeneladen.

Schalke muss die eigene Kraft nutzen

Darum geht's, eigentlich grundsätzlich, aber auf Schalke immer noch - und erst recht in der jetzigen Situation - ein bisschen mehr. Wofür Schalker stehen, das müssen sie wieder nach vorne kriegen.

Jochen Schneider und sein Team arbeiten daran. Sie haben schon viele Maßnahmen getroffen, kleine im täglichen Ablauf, größere in der personellen Besetzung und Herangehensweise in relevanten, nicht nur sportlichen Bereichen.

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Sie krempeln Schalke um. Auch Michael Reschke, formal Technischer Direktor, aber vor allem ein auch international hervorragend vernetzter Talentespäher und Kaderplaner, sucht die Spieler, die den Verein sowohl mit ihren fußballerischen Fähigkeiten wieder in die Spur bringen können, aber in erster Linie auch die Mentalität und Berufseinstellung mitbringen, für die der Schalker Fußball wieder stehen soll.

Den richtigen Taktik-Experten als Trainer glauben sie in Manuel Baum, zuletzt beim DFB für die U20-Nationalmannschaft verantwortlich, gefunden zu haben.

Wenn Schalke diese Saison packt, wenn sie im Mai irgendwo im Mittelfeld der Tabelle einlaufen, und wenn dafür dann auch die Fans applaudieren, dann haben sie einen ganz großen Teil im Veränderungsprozess schon geschafft. Und dann wird es in kleinen Schritten weitergehen.

Die Kraft, die Schalke 04 als Verein besitzt, die so viele der künstlich geschaffenen Fußballprojekte nie haben werden, die wird ihnen immer helfen - wenn sie sie denn richtig nutzen.